Lambada für Selbstpflücker

Juni - mein Erd­beer­mo­nat. Der geübte Super­markt­kunde mag mei­nen, dass es Erd­bee­ren das ganze Jahr über und fast zu jeder Uhr­zeit gibt. Aber das sind nicht meine Erd­bee­ren. Meine Erd­bee­ren kamen aus Omas Gar­ten. Die waren groß, süß und saf­tig und hat­ten ein natür­li­ches Aroma. Doch Omas Gar­ten gibt es nicht mehr. Dafür habe ich mit den vit­amin­be­dürf­ti­gen Ber­li­nern die Mög­lich­keit, in der Bran­den­bur­gi­schen Umge­bung  auf nahe  gele­gene Erd­beer­fel­der aus­zu­schwär­men und dort selbst zu pflü­cken. Diese Chance gefällt mir und schon mache ich einen Aus­flug zur Erd­beer­plan­tage im Ort Veh­le­fanz, Orts­teil Ober­krä­mer - direkt an der A10 (Ber­li­ner Ring). Viele Schil­der mit auf­ge­mal­ten Erd­bee­ren hel­fen den Weg dort­hin zu fin­den.

Dort gibt es Erd­beer­beete so weit das Auge reicht. Solch ein Beet ist einen Kilo­me­ter lang und die Plan­tage soll 15 Hektar groß sein. Enorm. Komme ich etwa zu spät? Über die vie­len Beete ver­streut sehe ich bereits viele Müt­ter und Kin­der gebückt durch die grü­nen Rei­hen zie­hen. Die Hand­körbe immer in Pflück­nähe. Män­ner, die volle Körbe zum Abwie­gen tra­gen, sind auch dabei. Väter wie ich ver­mute, denn es müs­sen ganze Fami­lien sein, die die­sen Aus­flug aufs Feld als ein Erleb­nis im Grü­nen genie­ßen. Gleich­zei­tig nut­zen sie die Gele­gen­heit, um ihre Tief­kühl­fä­cher auf­zu­fül­len, Vor­rat schaf­fen für Vitamin-C-arme Zeiten.

Los geht's. Doch ich muss mich erst umschauen und ent­schei­den, wel­che Sorte ich pflü­cken will. An der Start­li­nie wird mir auf Schil­dern vor den ein­zel­nen Feld­strei­fen klar gemacht, wie viele ver­schie­dene Erd­beer­sor­ten es gibt, die herr­li­che Namen haben. Jede Sorte schaut anders aus und schmeckt auch anders. Ich infor­miere mich wei­ter und erfahre z.B.: Korona (mit­tel­große Frucht, ideal für Mar­me­lade), Elsanta (feste Frucht mit star­kem Aroma, tief­kühl­ge­eig­net), Sonata (süß, sehr saf­tig, schön glän­zend), Flo­rence (spät­reif, große Frucht, dun­kel­rot glän­zend), Lam­bada (früh­reif, mit­tel­große Frucht, wohl­schme­ckend). Als Stamm­gast in Clär­chens Ball­haus fällt mir die Wahl nicht schwer. Ich ent­scheide mich für "Lam­bada", weil ich sofort an die­sen ero­ti­schen Tanz den­ken muss.

Bevor ich mich jedoch ins Lambada-Beet schlage, werde ich vom freund­li­chen Ern­te­per­so­nal dar­über auf­ge­klärt, wor­auf ich beim Pflü­cken zu ach­ten hätte. Dun­kel­rot muss die Erd­beere sein, die klei­nen grü­nen Kelch­blät­ter soll­ten an der Frucht blei­ben. Ob die Beere reif ist, ent­schei­det die Zupf-Probe an den Blät­tern. Das gefällt mir - ich werde zup­fen und pflü­cken. Auf ins Lambada-Land, der Tanz im grü­nen Feld kann beginnen.

Auf stroh­be­deck­ter Erde (Stroh schützt vor Schim­mel­bil­dung) bewege ich mich auf Knien von Staude zu Staude, streife die Blät­ter zur Seite und ent­de­cke die leuch­ten­den Früchte. Erd­bee­ren reif-rot, groß und kräf­tig, dane­ben wel­che, die es noch wer­den wol­len. Ich mache die Zupf-Probe - ja hier bin ich rich­tig. Mein Körb­chen füllt sich lang­sam. Mit jeder neu ent­deck­ten Wunder-Erdbeere bemerke ich, wie mein Eifer zunimmt und den Jäger und Samm­ler in mir weckt. So finde ich in Größe, Form und Farbe unge­wöhn­li­che Exem­plare. Eine Erd­beere sieht aus wie die Hand eines Ali­ens, hat Fin­ger, mehr als fünf ....., eine andere wie ein Pralinen-Herz zum Valen­tins­tag ....., eine wie ein Fin­ger­hut aus dem Näh­kas­ten mei­ner Oma. Vor Begeis­te­rung beginne ich mit der erlaub­ten Qua­li­täts­kon­trolle, halte eine Frucht unter die Nase und stelle zufrie­den fest: keine Pes­ti­zide, kein Amei­sen­gift. Ich koste und bin von der Süße und dem Frucht­ge­halt über­zeugt: Lam­bada ist ab heute meine Sorte!

Ich erhebe mich, gönne den Gelen­ken eine Pause und bringe meine bei­den gefüll­ten Körbe zur Wie­ge­sta­tion. Pro Kilo herr­lichs­ter Erd­bee­ren zahle ich 4,50 €. Für den Spaß an der Freude ein guter Preis. Ich über­lege daher, ob ich nicht in mein Lambada-Feld zurück­kehre, um mei­ner Nach­ba­rin auch eine Freude zu machen. Sie schenkte mir einst mal selbst­ge­machte Erdbeer-Marmelade. Viel­leicht hat sie heute Lust auf Erdbeer-Bowle und lädt mich ein?

SL Gar­ten­bau GmbH
Per­we­nit­zer Chaus­see 2
16727 Oberkrämer/Vehefanz
Tel.: 03304 - 399 40
Selbst­pflü­cker: täg­lich 8 bis 18 Uhr
www​.sl​-gar​ten​bau​.de

Ein Kommentar zu “Lambada für Selbstpflücker

  1. Ja, ein tol­les Erleb­nis. Auch ich war Erd­bee­ren pflü­cken und schenke nun allen Freun­den die köst­lichste Erd­beer­kon­fi­türe aller Zei­ten.
    Schade, dass ich den Namen der Sorte nicht weiß, viel­leicht hieß Sie ja Tango?

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>