Frühstück für Langschläfer

Wünschen Sie einmal an Omas alter Nähmaschine zu frühstücken? Oder drinnen oben, links und rechts an runden Tischen wie im Theater im 1. Rang? Oder draußen an langen Holztischen, auf Holzbänken, in geflochtenen Stühlen? Dann sind Sie in Kassel richtig – im Westend CA, Nähe Bebelplatz und Friedenskirche. Bis 17 Uhr erfüllen Nicole und Petra Ihre Frühstückswünsche. Vom „Kleinen“, dem „Süßen“, dem „Käsigen“, dem „Wurstigen“, dem „Gemischten“, bis hin zum „Katerfrühstück“ reicht das Angebot – das „Kleine“ für 2,80 €, das „Katerfrühstück“ für 5,- €. Die Eier kommen direkt aus dem Stall! Sind sie in Begleitung und wünschen Sekt am Morgen, und lieben Überraschungen, dann haben Sie mit „Das für Zwei“ für 14,80 € die richtige Wahl getroffen.

Neben Omas Nähmaschine und den Rangplätzen haben sich 4er Tische mit den dazugehörenden Lehnstühlen aus vergangener Zeit gesellt. Ein Hauch Nostalgie. Bis zu 50 Personen finden Platz. Einmal wurden mutig im Rangbereich zwei moderne, hell bezogene Sesselbänke gestellt, man traute der Sache nicht. Die Gäste waren irritiert. An das Vorhandene gewöhnt, nahmen sie verwundert anderswo Platz. Nach sechs Wochen war die Skepsis vorüber, denn zu sehr lockte weiterhin der Blick vom Rang aus in den Ausschank und zur Tür, wo man interessiert das Kommen und Gehen beobachten kann. Ob früh oder spät, das Publikum ist gemischt. Auch den Kunstliebhabern ist das Westend CA ein Begriff. Es finden Lesungen statt; an den Wänden stellen Maler und Grafiker ihre Werke vor. Jeder Künstler kann sich bewerben. Zwischen sechs bis zwölf Wochen können die Exponate ausgestellt werden.

Mittagszeit: Von der Spargelsuppe für 3,80 € bis zum Argentinischen Hüftsteak mit Ofenkartoffeln und Kräuterquark zu 8,30 € ist für jeden, der es deftig mag, etwas dabei. Eine Speise erfreut sich bei den Gästen besonderer Beliebtheit: „Himmel & Erde“, ein preiswertes, altdeutsches Gericht. Der Name erklärt sich mit der Kartoffel als „Erdapfel“ und mit dem „Apfel am Baum“ für den Himmel. Beides, die Kartoffeln und die Äpfel finden Sie auf dem Teller wieder.
Kaffeezeit: Für diese Zeit sorgt Oma Inge liebevoll mit hausgebackenem Kuchen. Ihre Stachelbeerbaiser-Torte, der Mohnschmandkuchen und die Rote-Grütze-Torte aus Mürbeteig mit Sahnecreme sind zur einfachen Tasse Kaffee zu 1,50 €, oder einem doppelten Espresso zu 2,50 € der wahre Genuss. Davon kostet auch gerne Peter Hochhuth, der Inhaber des Cafés.
Sollten Sie einmal in Kassel Station machen und unter anderem die DOCUMENTA besuchen, so versäumen Sie die Café-Zeit nicht. Gerade zur Kunstausstellung wird die Elbruchstraße zur Flaniermeile. Nehmen Sie Platz im „Westend“ und lassen Sie sich verwöhnen.

Westend CA,
Elbruchstraße 18,
34119 Kassel

Alles koscher?

Im Jüdischen Café LEONAR im Hamburger Grindelviertel, direkt neben der Universität ist das nicht die Frage, weil es eine Selbstverständlichkeit ist. In einer attraktiven und belebten Straße dieses Stadtviertels wurde der Traum vom neuen Jüdischen Alltag 2008 Wirklichkeit. Vor dem 2. Weltkrieg waren hier schon einmal die Schönen Künste zuhause, mit allem, was dazugehörte. Auch Kaffeehäuser und kleine Restaurants, Handel und Wandel, Literarische Salons, Theater- und Musik-Bühnen bestimmten das Leben hier.

Für die Gäste des LEONAR fühlt es sich inzwischen so an, als sei dieses Café in einer ehemaligen Druckerei schon immer dagewesen. Es ist innerhalb von 3 Jahren zu einem sehr beliebten Treffpunkt geworden. Man fühlt sich zu jeder Zeit hier willkommen und wird freundlich umsorgt. Das letzte israelische Lager-Bier MACCABEE (3,80 €) sollte man um Mitternacht genießen, denn das Personal schließt die Institution um diese Stunde.

Wer früh hoch ist, kann sich hier ab 8 Uhr auf ein ganz individuelles Frühstücksangebot freuen. Meist startet der Gast mit einer der inzwischen allerorts üblichen Café- oder Teebesonderheiten, die man nicht erwähnen muss, die aber im LEONAR getoppt werden von z.B. Café Ristretto (1,60 €) oder Bohnenkaffee zum selber Aufbrühen (3,20 €). Wo gibt’s das noch? Das Frühstück im Jüdischen Viertel ist ab 5 € zu haben (Heissgetränk immer inklusive), 26 € legt man für ein Sektfrühstück zu zweit hin. Aber auch außerhalb der „normalen“ Morgenzutaten wie Marmelade, Quark, Käse, Schinken, Lachs, Obstsalat, Müsli, schmeckt mir ganz hervorragend ein TCHOUCHOUKA (Rührei mit Paprikagemüse) für 5,80 €. Nicht zu verachten ist auch REUBEN’S Sandwich mit Pastrami und Sauerkraut zu 6,20 €.
Vom täglich wechselndem Mittagstisch (bis 10 €) ist immer ein fleischloses Gericht dabei. Aber vielleicht reicht Ihnen nur eine Suppe? Die GOLDENE JOICH (Hühnersuppe mit Matzenknödel) kostet 6,- € / der BORSCH 5,- € wird nach einem Rezept aus Odessa gekocht. Die arabische Küche widerum schmecken Sie durch alle 8 liebevoll zubereiteten MEZZE (salatähnliche Vorspeisen), die in kleinen Schalen separat gereicht werden (kleine Portion 5,50 €, groß 8,50 €)
Jüdische Rezepte von früh bis spät – auch bei den köstlichen Kuchen und orten, die in der Glasvitrine am Tresen zu besichtigen sind. Ab 2,90 € ist hier ein Stück vom Paradies (aus eigener Küche natürlich) zu kosten. „Kaffee und Kuchen“ sind hier aber nicht Pflicht, man kann wunderbar Grünen Veltliner zum Guglhupf trinken oder einen köstlichen, schweren Rotwein (Berg Carmel oder Golan) zur Käse-Mohntorte. Dass in den koscheren Weinen des LEONAR nur das enthalten ist, was in der Traube ist – dafür bürgt ein Rabbiner. Na dann: Mazzel Toff!

LABANEH – Salat aus Schafskäse / ein Rezept aus Haifa
Zutaten: 250 g Schafskäse
4 Esslöffel Milch
4 kleine Salatgurken
2 zerdrückte Knoblauchzehen
1 bis 2 Esslöffel fein gehackte, frische Minze
1/4 Teelöffel Salz
2 Esslöffel Olivenöl
Zubereitung:
Den Käse mit Milch zu einem glatten Brei verrühren, Gurke mit Schale in klitzkleine Würfel schneiden und dann mit den restlichen Zutaten in den Käsebrei geben und ebenso verrühren. Feines Olivenöl über den angerichteten Salat geben. Mit frischer Minze dekorieren.

Café LEONAR, Grindelhof 59, 20146 Hamburg

Puccini bei ALDI

Es lag kein Brot mehr im Korb. Ich griff hastig zum Schlüssel, rannte treppab. Zu ALDI war es nicht weit. Links neben dem Eingang nahm ein Mann mit einer Gitarre Platz. Ich war nicht der letzte Kunde. Eine Mutter schob vor mir ein Kind im Einkaufswagen durch die Tür; ich überholte sie und umkurvte einen müden Mann. Den kürzesten Weg zum Brotstand kannte ich. Ja, die“Bauernschnitte“ lag wie immer an ihrem Platz. Ich griff danach – schielte zum Preis, 59 Cent. Passt. Das Band vor mir an der Kasse ruckte. Mein einsames Brotpaket flog über den Scanner. Ich zahlte. „Juten Tach noch“ gab mir die Kassiererin mit auf den Weg – na schön, den wünschte ich mir auch, nur war so spät am Tag noch etwas zu erhoffen?
Ich wurde nicht enttäuscht Als ich aus der Tür trat, spürte ich plötzlich keine Eile mehr -denn ich hörte Puccini. Der Mann mit der Gitarre links am Eingang zupfte eine Musik, die mir bekannt vor kam. Ich blieb stehe
n und sah ein Lächeln auf seinem Gesicht. Wurden die Töne höher, schloss er die Augen. Ich trat näher, wollte mehr hören und wissen. „Das war doch aus Tosca“ erinnerte ich mich. „Da, da“ war seine Antwort. Jetzt zauberte er die bekannte Arie aus Rigoletto mit seinem Wunder-Instrument: „La donna è mobile ….“. Ich war versucht, mitzusingen. Er spielte voller Hingabe, wiegte sich und die Gitarre in die Klänge – ich begriff, jetzt war nur Verdi wichtig! Weiterlesen