Ecke Schönhauser (2)

Die „Kopenhagener Straße“ im Rücken schwinge ich mich erneut aufs Rad und genieße den Wechsel der Schatten, den die Lindenbäume mit den Sonnenflecken vor mir auf dem Weg erzeugen – ich trete schneller. Im „Yobarca“ wird mir Joghurt aus eigener Herstellung angeboten, mit nur 0,5% Fett, probiotisch! Probiotisch? Hübscher Laden, viel Weiß mit Gelb, ganz joghurtisch. Ich trete weiter kräftig in die Pedale und erreiche das historische Kino „Colosseum“ mit seinem denkmalgeschützten Eingang, dem herrlichen Foyer und seinen zehn Sälen, wo der Filmfreund jeweils dienstags für den Eintritt nur 5 € zahlt. An der Ecke „Gleimstraße„, direkt gegenüber, bietet das „CIT ROOMTeespezialitäten an. Die BäckereiKRAUTZIG“ wirbt nebenan mit Kirschkuchen zum Exklusivpreis von nur 1,30 €. Und schon befinde ich mich an der Ecke „Gaudystraße„. Eine großzügige, sehr bevölkerte Straße, denn imCafé „Gaudy“ zu sitzen, bedeutet, die Sonne zu genießen. Ich fahre und komme fast zum Stehen, denn der Gärtner des „Blumencafés“ beginnt mit der Duschbetreuung des ganzen Grüns vor mir. Mir ist, als durchfahre ich einen Garten, Pflanzen stehen Spalier – links zur Straße die höheren, recht zum Café die buschigeren. Auf Strohballen kann der Gast Platz nehmen und sich an den Flaneuren vor ihm erfreuen. Am Ende, wie lauschig, ein Plätzchen nur für Zwei.

Ich fahre gemütlich weiter und sehe, jetzt kommt Fisch auf den Tisch. Im „Links vom Fischladen“ wird der Fisch zubereitet, der im Schaufenster des eigentlichen Fischladens rechts daneben angeboten wird. Links wird serviert:zum Beispiel ein Lachsburger zu 7,50 €, oder gegrilltes Fischfilet mit Röstkartoffeln und Salat zu 14,60 €. Meine Mutter brachte immer freitags Fisch auf den Tisch, heute ist Sonnabend – außerdem wünsche ich mir endlich Kaffee, am liebsten mit Schokolade. Ich erreiche die Ecke „Milastraße„. Der fruchtig-bunte Stand des Türken bietet mir das Kilo Pflaumen zu 1.49 Cent an.Ein gutes Pflaumenjahr diesmal. Das Hotel „Alcatraz“ mit seinen fröhlichen Farben am Eingang erfreut das Fotografenherz. Das „YUUKA“ lockt mit vietnamesischer Küche. Ich beschleunige und erreiche die Kreuzung Ecke „Topsstr./Cantianstraße„, sehe den Fußballplatz und erinnere mich: hier trat ich auch schon gegen den Ball. Fahre weiter und komme zum Inder. Vor dem „Maharadscha“ sind die Tische ge-deckt, die ersten Gäste werden erwartet. Doch was ist das? Donnerwetter, ich sehe weit vorne, die COMMERZBANK wirbt mit Currywurst für nur 1,50 €. Was es alles gibt! Irrtum, Fleischer „Mischke“ daneben hat seine Werbefahne so hoch und dicht an das Logo der Bank gehängt, damit auch ich sie sehe!

Im Nu bin ich an der U-Bahn-station „Eberswalder Straße“, Ecke „Kastanienallee“, auch „Casting-Allee“ genannt, weil hier die Auswahl an Models aller Altersklassen am größten ist! Unter dem Viadukt der Ringbahn empfängt mich „Konnopke„, der Berliner King of Currywurst, der hier sein altes und doch neues Quartier bezogen hat. Schon immer bot er an diesem Ort seine Zauberwurst an, auf die der Berliner nicht verzichtet kann, denn sie ist Kult. Selbst Touristen, die von weit her kommen, bereuen es nicht, einmal am Konnopke-Imbiss in der Warteschlange zu stehen. Sogar die New York Times widmete dem Berliner Original seine Aufmerksamkeit in Wort und Bild. Was wird angeboten? Natürlich der Klassiker und Renner, die Currywurst zu 1,70 € inklusiv der geheimnisvollen Sauce, deren Zubereitung wohl weiterhin ein Familiengeheimnis bleiben wird. Dann warten noch die Knacker, die Bouletten, der Kartoffelsalat und anderes Herzhaftes mehr auf den Appetit der Kundschaft. Kaffee im Becher gibt es auch, doch Kaffee im Café ist mir lieber. Also weiter, aber die Auswahl an Cafés und Restaurants ist so groß, dass mir die Entscheidung schwer fällt. Außerdem gibt es viel zu sehen, zu erleben! So treibt mich die Neugier auf der „Schönhauser“ zur nächsten Ecke, zur Ecke „Choriner Straße“. Ein Klavier, ganz in Gelb stellt sich mir in den Weg. Das Pianohaus „Wüstenberg“ macht auf sich aufmerksam und bittet die Passanten, den Deckel hoch zu klappen. Wie schade, es reicht bei mir gerade mal zum „Flohwalzer“.Ich glaube, ich habe mein Ziel erreicht, denn ich lese: „Café hinterm Stromkasten“. Der originelle Name spricht mich an, ebenso der Gartentisch mit seinen Stühlen. Ich stelle mein Rad zur Seite und nehme Platz, bestelle meinen Pott Kaffee und überlege beim Blättern der Speisekarte, ob ich mir nicht doch ein Frühstück gönne. Der Kaffee wird gebracht, dazu ein Glas Wasser und … Schokolade! Ich nehme die Tasse in beide Hände, schaue über den Tassenrand und bemerke, wie sich ein Spatz mir direkt gegenüber auf die oberste Stuhlsprosse setzt und mich anschaut, Ich schaue zurück und reagiere als Erster: Na, och Balina, och noch nich jefrühstückt?

0 Gedanken zu „Ecke Schönhauser (2)

  1. So kann man die Schönhauser nur mit dem Rad erleben, schöne Idee. Einiges kenne ich, die anderen Tipps werde ich bestimmt einmal ausprobieren. Danke
    H.W.

  2. wir haben auf der schönhauser gewohnt das letzte Wochenende im hotel4youth, das liegt zwischen aldente und marco restaurant. sehr gut und zweckmäßig. Von hier aus konnten wir in alle Richtungen starten. Gefrühstückt wurde in den unterschiedlichsten Cafes z.B. "Gaudy" hier fühlten wir uns wie in Großmutters guter Stube und wollten uns gar nicht mehr trennen. Das Frühstück ausgezeichnet, der Kaffee eine Wucht, die Leute sehr zuvorkommend. Das nächste Mal im Blumencafe. Das hatten wir auch noch nie mitten im Blumenladen zu frühstücken mit Papageiengeschrei – so muss es im Urwald zugehen. Leider hat Konopke nicht geklappt, da kamen wir 2 Min. zu spät, die Rolläden waren schon unten. Ganz beseelt und stolz haben wir unsere supertolle Hauptstadt nach dem Wochenende wieder verlassen. Wir kommen wieder keine Frage. Die Konopke Wurst muss auf jeden Fall noch probiert werden.

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