Guten Morgen Frau Bäckerin!

Sehen Ihre Kunden auch so ausgeschlafen aus wie Sie? Wie bringen Sie das alles nur unter einen Hut? Im wohl kleinsten Café Berlins haben Sie alles auf nur 20 Quadratmetern zusammengebracht: eine Backstube, eine Konditorei, eine Küche, eine Vorratskammer, ein Café, ein Bistro und eine Kita.

Wirklich, man ahnt, dass Sie vom Fach sind, denn jede Bewegung muss sitzen und effektiv sein. Während Sie die eindrucksvolle Kaffeemaschine „Brasilia“ bedienen, schmilzt auf dem kleinen Herd schon die dunkle Schokolade für die beliebten Brownies, die Sie nebenbei backen werden. Aber vorher müssen Sie schnell das Blech mit dem Mandelkuchen aus dem Ofen ziehen.

Gleich lassen sich die ersten Frühstücksgäste etwas Feines von Ihnen zusammenstellen. Von allem etwas: von herzhaft bis süß wird alles nach Wunsch gemacht, komplett für 6,50 €. Wer zur Mittagszeit reinschneit, kann sich auf das Tagesangebot freuen; ab 3,- € gibt es hier eine warme Speise. Heute: Gefüllte Paprikaschote mit Basmati-Reis. Alles selbst gemacht! Ich staune weiter ………. Kuchen, Torten, Quiches, Tartes, belegte Bagels und Ciabatta, Kekse, Waffeln und Brownies bieten Sie in der Zeit von 10 bis 18 Uhr an. Frühstück und Mittagessen gibt es ebenfalls zeitlos. Die Preise stehen groß und deutlich auf zwei Schultafeln an der Wand. „Aber um 18 Uhr ist dann wirklich Feierabend, dann muss ich mich um Mattis kümmern“, sagen Sie strahlend und freuen sich auf Ihr 18 Monate altes Söhnchen. Der wird vermutlich bald mit den anderen Kindern an der Bar sitzen und ein „Waffel am Stil mit Schoko und Streusel“ für 50 Cent bestellen. Diese Herz-Waffeln sind der Hit, dafür kommen die Kinder mit ihren kaffeetrinkenden Eltern in Scharen. Die Tartes „Rote Grütze mit Schmand“ und Pflaume-Mandel darf ich probieren. Sehr gelungen. Ich schmecke die Butter heraus, 3 Konditormützen für Sie!

Sie haben ein sehr familienfreundliches Café in Berlin-Schöneberg installiert, dem ich weiter viel Erfolg wünsche, denn diesen kleinen hübschen Ort mit seinen hohen Holztischen und vielen Spiegeln an den Wänden gibt es ja erst seit März diesen Jahres. Sie sind gelernte Hotelfachfrau und haben jahrelang in der Nacht-Gastronomie gearbeitet; jetzt haben Sie Ihren Arbeitsplatz ins Tageslicht verlegt. Haben Sie sich schon daran gewöhnt? Ach, es ist schon wieder dunkel draußen? Na, dann bleibt ja alles beim alten. Ich kaufe noch ein frisches Landbrot, das Sie aus dem Umland beziehen und gehe nach Hause. Abendbrotzeit.

Frau Bäckerin
Tessa Jacobsen
Eisenacher Straße 40
10781 Berlin
Tel.: 030-680 74 565
Mo. – Fr.: 8 bis 18 Uhr
Sa. + So.: 9 bis 18 Uhr

Himmel und Erde

Ich befinde mich auf der Uhlenhorst, wiedermal mitten unter Hanseaten, die in diesem feinen Teil des Hamburger Stadtviertels Winterhude auch gern „Pfeffersäcke“ genannt werden. Hier wohnt also Geld. In einem der schönsten 6stöckigen Bürgerhäuser, die weiß in der Sonne glänzen, befindet sich das Etablissement HIMMEL und ERDE. Die Kombination aus Blumengeschäft und Café ist sicher nicht neu – aber hier besonders hübsch und elegant ausgeführt. Die beiden Besitzer teilen sich die Aufgabenbereiche: Mario Mahlstedt arbeitet auf solider Grundlage. Der Gärtner- und Floristik-Meister gibt sein Wissen auch als Dozent an der Meisterschule weiter. Sein Partner Moritz ist für das Café und die gesamte Verwaltung/Logistik zuständig. Diese perfekte Ergänzung bestimmt das Flair in edel dekorierten Räumen und auf der Straßen-Terrasse hier am Hofweg.

Während der Meister einen pompösen Strauß für die Abendeinladung oder das Rendez-Vous bindet, wartet man beim Getränk und kleinen Speisen. Das Gespräch unter Nachbarn kann auch hier mal dauern. Prosecco, Kaffee-Spezis und Gaumenfreuden vieler Art sind schnell zur Stelle. „Man trifft sich“ in diesem Blumenparadies zwischen Himmel und Erde und schwelgt erst in Lilien, Rittersporn und Hortensien, zwischendurch aber auch gerne im irdischen Glück, denn eine Pralinenmeisterin hat im Café ihren Kühlschrank mit Glasfront deponiert. Hier kann der Gast köstliche Pralinen einzeln (1,50 €) kaufen, immer noch eine … jetzt eine weiße mit VEILCHEN-Mousse, dann etwas mit ROSEN-Wasser.

Torten und Kuchen kommen aus der hauseigenen Backstube, aber die feinen, kleinen Speisen werden von einem stadtbekannten Traiteur (Wille Brass) geliefert und hier gewärmt. Ich teste eine kleine Quiche Lorraine mit Salatbouquet und fühle mich wohl.

Engagierte Mitarbeiter bestimmen die Abläufe diskret und freundlich, sie beraten und unterstützen in jeder Hinsicht, denn HIMMEL und ERDE kann sogar für private Feiern gemietet werden, entweder beide Räume zusammen oder einzeln. Die große Flügeltür in der Mitte macht es möglich. Mit meinem linken Ohr höre ich, wie ein 60. Geburtstag geplant wird. Jeder Gast soll an seinem Platz eine kleine Vase mit seinen Lieblingsblumen vorfinden …. die Leute haben Ideen …., aber möglich ist ja alles und Geld spielt sowieso keine Rolle mehr. Das weiß ja inzwischen jeder. Ich habe die Blume, die auf meinem Tortenteller lag, nicht mitgegessen. Es wird Zeit, dass ich wieder nach Berlin komme. Ahoi – ihr Hanseaten!

Himmel und Erde
Floristik und Café
Hofweg 8, 22087 Hamburg
Geöffnet:
Mo. – Fr.: 9 bis 19 Uhr
Samstag: 9 bis 17 Uhr

Nö mit „Ö“ in Mitte

Schon während des kurzen Fußweges von der U-Bahnstation „Stadtmitte“ versuche ich zu ergründen, warum dieses Berliner Café und Weinrestaurant in der Glinkastraße heisst. Schön ungewöhnlich, gefällt mir schon jetzt. Ich muss nicht lange suchen, denn mein Ziel ist von Weinlaub umrankt und sieht zwischen den grauen Mauern links und rechts romantisch aus. Ein großes Sofa mit vielen bunten Seidenkissen vor Jens Kluges Weingalerie lädt die Raucher und Freiluft-Konsumenten ein. Ein Bühnenbild. Dieser Gedanke setzt sich im Inneren fort. Das warme Licht, die schöne Dekoration, ehrliche Holztische und -Stühle, die sich gut anfühlen, vorbeihuschendes Personal; Koch und Köchin annoncieren die fertigen Speisen durch ein buntes, bleiverglastes Fenster. N_-_KC1Schaut da nicht die Tochter von „Frau Holle“ raus oder befinde ich mich schon mitten in „Hoffmanns (kulinarischen) Erzählungen“? Ein Wunder wäre es nicht, denn das „Berliner Schauspielhaus“ am Gendarmenmarkt und die „Komische Oper“ Unter den Linden sind nicht weit von hier. Das ! ist ein beliebter Treffpunkt vor oder nach einer Aufführung. Die Speisekarte bietet darum viele interessante Kleinigkeiten aus der süddeutschen und mediterranen Küche, die gut zu den Weinen passen. Ich lasse mich gerne beraten und trinke einen Sauvignon blanc zu kleinen Brotscheiben mit gratiniertem Ziegenkäse, Chorizio und gerösteten Pinienkernen (5,50 €). Ich bemerke, die Dame mir schräg gegenüber ist verzückt, dass die Speckpflaumen (die vorher in Rotwein eingelegt wurden), stückweise berechnet werden, ab 10 Stück gibt es 10% Rabatt. Dazu trinkt sie einen weißen Elsasser Wein, den auch die Leute an unserem großen Tisch loben, die dazu Flammkuchen essen. Aber es werden durchaus auch richtige Abendessen-Portionen auf großen Tellern serviert. Fisch, Fleisch, Pasta, Salate und Desserts werden durch dieses bunte Glasfenster geschoben. Alles duftet verführerisch. Nach dem Dessert kann sich der geneigte Raucher zum Cognac eine Zigarre aus dem „Humidor“ kommen lassen. Allerdings muss er seine „Monte Christo Nr. 1″ oder die „Romeo und Guilietta“ auf dem bunten Sofa draußen rauchen. Ist ja klar. Wer nicht raucht, kann sich der Kunst widmen. An den Wänden können Künstler ihre Werke präsentieren. Heute blicken wir auf die „Märkischen Landschaften“ von Lothar Maertius.

Bei meinem Rundgang durchs Café sehe ich auf dem Tresen die schlanken Flaschen der -Hausweine, die zum Preis von 6,-/6,50 € erworben werden können. Dieser rote und weiße Burgunder wird speziell für vom Weingut Hermann Dörflinger (Müllheim/Baden) abgefüllt.

Der originell gestalteten Speise- und Getränkekarte entnehme ich, dass es Spiele am Tresen gibt und auch eine Lesebrille für Vergessliche und Kurzsichtige. Ob heute Abend noch jemand mit mir Schach, Dame, Mühle oder Mikado spielt? Dieses spezielle Angebot habe ich so bisher in keinem Berliner Restaurant wahrgenommen. Ab sofort werde ich darauf achten, denn in „Mensch ärgere dich nicht“ bin ich unschlagbar.
Und wer mal nicht von seinem coolen Smartphone telefonieren will, um zu sagen, dass es später wird, darf ein richtiges Telefon aus den 60ern dafür benutzen.
Ein Ort voller Überraschungen, für den man abends eine Reservierung haben sollte, denn die 50 Plätze sind schnell besetzt.

Tagsüber bietet dieser vielseitige Ort einen Mittagstisch zwischen 8,50 und 13,50 € an; von 15 bis 18 Uhr gibt es ein preiswertes Kaffee- und Kuchen-Gedeck für 4,- €. Es ist wirklich an alles gedacht, für alles gesorgt. Aber ich weiß noch nicht, wie es zu dem Namen kam. Nach dem wirklich allerletzten Glas Wein erfahre ich vom Wirt, dass er damals Herbert-Grönemeyer-Fan war, speziell von dessen Album „Ö“. Es scheint so, als könne man sich in einem Buchstaben verlieben, darum sollte der Restaurantname unbedingt ein „Ö“ enthalten. Und das „Ö“ war untergebracht. Also sitzen wir heute im ! Und zwar GERN!

Café NÖ!
Glinkastraße 23
10117 Berlin
Tel.: 030-2010871
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 12:00 bis o1:00 Uhr
Samstag: 19:00 bis 01:00 Uhr
Sonntag u. Feiertag: geschlossen
Küchenschluss: 24:00 Uhr

Herzhaftes aus Pankow

An der Grenze zum Bezirk Prenzlauer Berg beginnt das normalere Berliner Leben mit guter Hausmannskost. Die Stadt verändert sich auch in dieser Gegend sehr schnell, darum sehnt man sich doch manchmal nach Bodenständigkeit. Schon kurz vor Elf duftet es nach frisch gebratenem Schnitzel mit Mischgemüse und Kartoffeln (4,50 €), Schweinebraten mit Rotkohl (5,- €) oder Blutwurst mit Sauerkraut (4,80 €).

Mit Appetit betrete ich Herrn Eplers Fleischerladen und schaue sofort auf die Tafel mit den Tagesangeboten. Heute gibt es sogar meinen Lieblings-Eintopf: Grüne Bohnen mit Rindfleisch. Für 2,50 € werde ich davon den ganzen Tag satt sein. Der üppig gefüllte Teller steht dampfend vor mir. Hmmm….., dieser Duft nach Bohnenkraut trägt mich in Gedanken in den Garten meiner Oma. Ein donnerndes „Guten Hunger“ reißt mich aus meinen Träumen. Das Kesselgulasch neben mir steht auf der gestreiften Plastikdecke und wird von einem Bauarbeiter verzehrt, der gerade seine Pause macht. Er muss zehn Schritte weiter an diesem aufgerissenen Abschnitt der Berliner Straße (in Höhe U-Bahn Vinetastr.) arbeiten. Wir kommen schnell ins Gespräch und ich kann nur „Guten Hunger“ zurückwünschen, denn bei ihm gibt es zum Nachtisch 2 deftige Mettbrötchen, auch „Maurermarmelade“ genannt. Ein Kollege von der Straße kommt noch dazu und bestellt eine große Portion Kartoffelsalat mit 2 Buletten, sogenannte „Gewerbe-Pralinen“. Ich lerne schnell und gern, wenn es ums Essen geht.

Bei einem Kaffee, ganz ohne alles, erkundige ich mich, was der Speiseplan am nächsten Tag bieten wird. Eisbein (Preis nach Gewicht) mit Sauerkraut soll es geben. Da muss ich früh aufstehen, damit ich eins erwische, denn dieses beliebte Alt-Berliner Gericht „ist schnell aus“, sagt die Fleischersfrau. Hier essen viele Leute aus der unmittelbaren Umgebung, die keine Lust (mehr) haben, selbst zu kochen, oder die, die keine Zeit mehr finden, weil der Einzelhandel bis in die Nacht geöffnet hat. Es gibt viele unterschiedliche Gründe für ein warmes Mittagessen. Das gibt es hier normalerweise von 11 bis 14 Uhr. Warme Wurst oder Bulette mit Kartoffelsalat meistens bis Feierabend um 18 Uhr.

Der jetzige Jung-Meister hat das Geschäft hier in Pankow von seinem Vater übernommen, der schon zu DDR-Zeiten diesen Stadtteil mit Produkten aus eigener Schlachtung versorgte. Der ehemalige HO-Laden hat natürlich eine komplette Renovierung und Neu-Ausstattung hinter sich, aber die Liebe zum Handwerk und das heimelige Nachbarschaftsgefühl vor und hinter dem Tresen sind geblieben. Viele Kunden und auch die Mitarbeiterinnen hoffen, dass es so gut weitergeht. Das werde ich unterstützen und mir zu meiner nächsten Feierlichkeit den dort angebotenen Party-Service kommen lassen. Alles aus eigener Produktion. Ich sehe die Aufschnittplatten mit Salami, Roastbeef, Kassler, Fleischsalat, Schweinelendchen und gekochtem Schinken schon vor mir. Meine Gäste sollen es auch mal gut haben. Für Gemüter wie mich werde ich noch eine Extra-Portion Kartoffelsalat und Bockwürste bestellen. Wenn es sein muss auch Wiener, Frankfurter, Krakauer und Lyoner. Und Senf aus Bautzen. Keine Frage, auch im Norden von Berlin sind wir international!

Fleischerei Frank Epler
Berliner Straße 92
13180 Berlin
Tel.: 030-4715203

Lektion mit Stäbchen

Heute bin ich nicht mit dem Fahrrad unterwegs, denn in Berlin wimmelt es von Rikschas. Heute lasse ich mich bedienen, spiele Tourist und mache es mir bequem, lasse mich mit dem fernöstlichen Gefährt, das schon lange zum Berliner Stadtbild gehört, vom Alex zum Rosenthaler Platz bringen. Eine der verkehrsreichsten Kreuzungen Berlins liegt vor mir und der Student auf dem Rikscharad muss höllisch aufpassen. Von überall her dringen Geräusche herüber. Jetzt fehlen nur noch gefühlte 800 Fahrräder und das Hanoi-Feeling wäre perfekt! Nichts liegt darum näher, als mein Versprechen einzulösen und „Familie Dang“ aus Vietnam wieder einmal zu besuchen. In deren gemütlichem Restaurant aß ich letztlich ein wunderbar exotisch schmeckendes Hühnerbrustfilet mit Reis, Curry, in Kokosmilch, frischem Salat und asiatischen Kräutern. Allerdings bevorzugte ich aus Bequemlichkeit zum Essen Gabel und Löffel, legte die landesüblichen Stäbchen bei Seite. Heute möchte ich aber volles Risiko eingehen und mit diesen Stäbchen hantieren bis kein Reiskorn mehr in der Schale liegt.

Die Sonne scheint. Doch der Herbst zeigt seine kühle Schulter. Nur ein Gast harrt noch draußen am langen Tisch neben der Tür aus. Ich trete ein und werde wie ein guter Freund empfangen, setze ich auf meinen Lieblingsplatz und bemerke erfreut, ein neues Foto hängt an der Wand: ein Blick auf Heimatliches. Auch die Gastgeber wollen sich wohlfühlen wie die Gäste. Das Foto gefällt mir ebenso wie die asiatischen Klänge aus dem Lautsprecher. Die Hektik der lauten Kreuzung bleibt draußen.

Freundlich werde ich gefragt, ob ich wieder das Hühnerbrustfilet wünsche, aber ich zögere und schaue hinüber zur Angebotstafel „für diesen Tag“. Mein Blick bleibt gleich beim oberen Gericht hängen, denn heute habe ich Appetit auf Fleisch vom Rind. Ja, das „Gebratene zarte Rindfilet mit Ananas, Tomaten, Lauchzwiebeln, frischem Gemüse auf Reis, leicht scharf“ – das soll es heute sein.

Das bestellte Pils steht bereits vor mir, der Service ist hier landesüblich höflich und schnell. Ich schaue schon mal auf meine Finger. Zum Ausprobieren bleibt keine Zeit, denn im Nu wird mir das Essen in einer dieser schönen weißen Schalen mit den Worten „Chuc anh an ngon“ gereicht, was „Guten Appetit“ heißt. – das lernte ich bereits bei meinem letzten Besuch. Ich danke wie selbstverständlich mit „Cám ón“. Mein Vietnamesisch kommt gut an.

Ich greife zu den Stäbchen. Wie war das? Ich nehme das erste Stäbchen weit hinten zwischen Daumen und Zeigefinger. Das dünne Ende richte ich in Richtung Essen. Der Ringfinger stützt das Stäbchen. Geschafft! Jetzt greife ich zum anderen Stäbchen und nehme es zwischen Zeige- und Mittelfinger (als würde ich einen Stift halten). Nun liegen die beiden Spitzen der Stäbchen optimal übereinander. Es klappt! Jetzt muss ich nur noch damit essen! Ich bewege das zweite Stäbchen, wobei das Erste sich nicht bewegen darf und greife mir den ersten kleinen Reisberg. Ich bin ein Held! Alles schmeckt köstlich, Gabel und Löffel sind vergessen. Zum Bier greife ich lieber mit der linken Hand. Schade, das letzte Reiskorn will nicht mit – dann eben das nächste Mal.

Jetzt erst bemerke ich, wie hinterm Tresen in meine Richtung geschmunzelt wird. Ich lächle zurück und bin mit mir zufrieden – habe mich nicht blamiert und alles hat köstlich geschmeckt. Ich zahle am Tresen und schaue dabei noch einmal auf die Angebotstafel und nehme mir vor, bald wieder zu kommen, um die „Gebackene Ente mit Broccoli, Zucchini, Karotten auf Reis“ zu probieren. Ab sofort nur noch mit Stäbchen! Na dann: „Cháo anh nhé“ Familie Dang. „Auf Wiedersehen“. Bin mir sicher, dass ich auch diese Worte völlig akzentfrei aussprach.

Fam. Dang
Torstraße 125
10119 Berlin
Täglich: 11:30 – 24:00 Uhr