Berlin und die Franzosen

Revolutions-Emigranten und französische Hugenotten bestimmten Ende des 18. Jahrhunderts die soziale Struktur und das Stadtbild. Jeder zehnte Berliner war ein Franzose! Bis 1900 sank dann der Anteil auf 1 Prozent, aber der französische Wortschatz traf auf Berliner Mundwerk und ist mit anderen kulturellen Einflüssen bis heute geblieben. Französische Straße, Pariser Platz, Bellevue und Gendarmenmarkt sind nur einige Beispiele. Heute stehe ich auf dem Gendarmenmarkt, einem der schönsten Plätze Berlins und schaue mich um. Dieses Ensemble entstand unter Friedrich dem Großen und erhielt den Namen nach den Stallungen des Regiments, der Gents d’armes, die es hier einst gab.

Der Berliner ist stolz auf diesen Gendarmenmarkt, Höhepunkt klassizistischer Baukunst. Und auf dieses Preußenjahr, das wir gar nicht genug feiern können, trinke ich jetzt hier im BISTRO an der Ecke Markgrafenstraße ein frisch gezapftes BERLINER KINDL. Es existiert noch keine 300 Jahre wie der Geburtstag des großen Preußen, aber schon zu DDR-Zeiten wurde hier frisch Gezapftes ausgeschenkt. Der damals bekannte Satz: „Sie werden platziert“ kam hier eher selten zur Anwendung, denn die übersichtliche Lokalität fasst nicht mehr Personen als eine Wohnstube zur familiären Geburtstagsfeier. 20 Leute haben Platz am großen Tresen oder an den kleinen Tischen mit den Spitzendecken. Es ist gemütlich eng. Nach Theater- und Konzert-Ende bekommt der Durstige mit Glück einen Stehplatz, denn auch der ist begehrt, weil et eben so schön mittenmang iss!

Wenn auch der Name BISTRO an französische Verköstigung erinnert, darf der Gast hier inzwischen nur die unkomplizierte Berliner Küche erwarten. Die angebotenen Speisen sind preiswert und gut. Die Haute Cuisine mit entsprechend hohen Preisen hat aber in den umliegenden Restaurants ihren Platz und wird ebenso intensiv besucht.
Meinen Appetit stille ich zur vorgerückten Mittagszeit mit der
bester Gulaschsuppe, die ich seit langem aß und bestelle mir zum Nachtisch gleich noch eine ….. die Köchin staunt und freut sich.

Der Herr hinter mir wünscht sich Kartoffelsalat mit Klopse, dem Berliner als Bulette bekannt. Ich kann mich nicht zurückhalten, wende mich um und beglückwünsche ihn zu der Entscheidung mit der ersten Zeile des Altberliner Gedichtes: „Ick sitze an‘ Tisch und esse Klops ….. / der Herr lächelt mir zu und überrascht mich mit der Fortsetzung: „…. uff eenmal klopts“. Wir Berliner sind uns einig und rezitieren zusammen weiter: „Ick kieke, staune, wundre mir, uff eenmal jeht se uff die Tür! Nanu, denk ick – ick denk nanu, jetzt is se uff, erst war se zu. Ick jehe raus und kieke – und wer steht draußen? Icke!“.

Wir lachen! Im Nu sind wir vom Klops über die Bulette im Gespräch und denken weiter über Wortmischungen mit französischen Anteilen nach. Mit kindlicher Freude fallen uns ein: Kleedage, Stellage, Kneippier, Retourkutsche, Stippvisite, schikanös, bonfortionös, schniebel de bon/schniebel de pö und aus „Pour le Mérite“ wird in der Kneipe die „Pulle mit Sprit“.

Das alles erlebt der Berliner von heute vom kleinen BISTRO aus mit Blick auf das großzügige und würdige Areal: Links und rechts des von K.F. Schinkel entworfenen Konzerthauses erheben sich die architektonischen Brüder: der Französische und der Deutsche Dom.

Und im Frühling sitzen auch Sie hier hoffentlich vor dem BISTRO zwischen Blumenkästen und fröhlichen Leuten und freuen sich!

BISTRO am Gendarmenmarkt
Markgrafenstraße 41
10117 Berlin-Mitte
Tel.: 030-204 15 01
Öffnungszeiten
Mo. – Fr.: 12 bis 24 Uhr
Sa. + So.: 13 bis 24 Uhr

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