Fischers Fritze fischte frische Fische

Aber heutzutage heisst er Dietmar ROGACKI und betreibt in Berlin-Charlottenburg einen wahren Gourmet-Tempel. Dieser Name steht seit 1928 für Tradition und Qualität. Aus der kleinen Fisch- und Aal-Räucherei der Großeltern ist eine sehr frequentierte Institution geworden. Die blitzblanke Ladenfront samt Markise leuchtet mir in frühlingshaftem Grün entgegen. Es ist Samstag und ich habe für das Wochenende noch nichts besorgt. Die goldene Regel „Kaufe niemals hungrig ein“ kann ich hier leider nicht einhalten, denn zum Einkaufen komme ich erst gar nicht. Angezogen von köstlichen Küchen-Düften bleibe ich gleich an der ersten Imbiss-Insel kleben und will nie wieder nach Hause. Ein Koch wirbelt am Sofort-Grill und bereitet eine Dorade Royal mit Blattspinat zu. Köstlich, so etwas möchte ich auch essen! Aber ich bin noch nicht dran.

Am nächsten Stand werden Jakobsmuscheln und Hummerkrabben in Knoblauchöl gebraten und auf eine bunte Salatplatte geschichtet. Die Mitarbeiter in den Ständen servieren nicht nur herrliche Fisch- und Pasta-Gerichte, sie schenken auch intensiv Erfrischungs-Getränke aus, die in einem großen, mit Eiswürfeln gefüllten Pokal auf durstige Anwohner und Touristen warten. In der Mitte des Ladens scheint sich ein Stammtisch zu treffen: lautstarke Begrüßungen, Küsschen links und rechts. Es herrscht lebendige Herzlichkeit und bald ist an den zusammengeschobenen Bistro-Tischen kein Platz mehr, dort stehen jetzt Platten mit Austern und Schalentieren. Leere Sekt-Flaschen werden schnell gegen volle ausgetauscht.

Rogacki-4aIch kann mich erinnern, dass Berlin nicht so nah am Meer lag, denn man konnte sich nicht vorstellen, in dieser Stadt frischen Fisch zu bekommen. Aber wenn ich das fangfrische Angebot hier in den Auslagen betrachte (an die 70 Sorten Lebend- und Frischfisch), wird mir die neue Vorliebe des Berliners klar. Wann werden „Fisch und Chips“ (grob geschnittene Pommes) oder die Fisch-Bulette eines Tages die Currywurst abgelöst haben?

Staunend gehe ich durch das Geschäft und stehe vor den toten Fischen mit Kopf, die glänzend auf Eis-Schnee liegen. Aber für ungeübte Fischköche gibt es natürlich alles schon filetiert, ob Lachs, Seeteufel, Scholle, Hering, Butterfisch, Kabeljau, Zander, Hecht, Rotbarsch oder Brasse, alles wird gekauft, denn die Schlange ist lang. Lebendige Fische gibt es einen Schritt weiter. Vor meinen Augen wird ein Fisch aus dem Bassin geholt und bratfertig vorbereitet. Gleich daneben schaue ich lieber zu, wie frisch geräucherte Aale, Stemellachs, Schillerlocken und Makrelen über den Tresen gehen. Traditionell wird bei ROGACKI noch in „Altonaer Öfen“ aus der Gründerzeit geräuchert. Gäste und Kunden lieben es.

Vom Schauen bin ich aber noch nicht satt und kehre zurück zu einer der fröhlichen Runden, die jetzt in Zweier-Reihen um die Gourmet-Inseln stehen. Das Personal hat zu tun. Kaum habe ich mir ein Zander-Filet (auf der Haut gebraten) mit allerfeinstem Kartoffelpürée bestellt, 1 Glas von der Loire getrunken und über die Weltpolitik mit dem Mann neben mir verhandelt, da steht das Gericht auch schon duftend vor mir. Sofort fällt mir die goldene Regel Nummer 2 ein: „Fisch will schwimmen“. Weil ein freies Wochenende vor mir liegt und ich mich in weitere Gespräche vertiefe, muss mein Fisch nicht im schnöden Wasser schwimmen, sondern im Sauvignon blanc. Leicht schwankend bezahle ich die Rechnung und werde noch mit einem letzten Schluck „vom Haus“ belohnt.

Rogacki GmbH
Imbiss und Stadtküche
Wilmersdorfer Str. 145-146
10585 Berlin
Tel.: 030-34 38 25 0
Öffnungszeiten
Montag – Mittwoch: 9 bis 18 Uhr
Donnerstag: 9 bis 19 Uhr
Freitag: 8 bis 19 Uhr
Samstag: 8 bis 16 Uhr

0 Gedanken zu „Fischers Fritze fischte frische Fische

  1. Durch diesen Hinweis sind wir sehr neugierig auf das Rogacki geworden und werden es unbedingt bei unserem nächsten Berlin-Besuch aufsuchen!

  2. Fast mein ganzes Leben lang habe ich bei Rogacki die WeihnachtsGans, den SylvesterKarpfen und die Hummer zum GeburtsTag eingekauft – allerdings nie begriffen, warum ich den köstlichen KartoffelSalat mit BratFisch, dazu GurkenSalat, stets im Stehen zu mir nehmen mußte.
    Claudia Freyburg (69)

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