Bom dia Lissabon (2)

Wir blieben bis in den Abend, um dort die heimische Küche weiter kennen zu lernen und natürlich, um Fado zu hören. In der Rua de S. Pedro entdeckten wir ein kleines authentisches Restaurant, in dem man auf Bänken gesellig zusammen sitzt. Weit hinten sah man in die Küche, wo an einer grünen Kachelwand sorgfältig aufgereiht die polierten Töpfe hingen. Der Raum füllte sich mit Gästen, Einheimischen und Neugierigen verschiedenster Nationen. Unaufgefordert wurde die kleine Vorspeise serviert, Brot, Butter, Käse, Schinken und Oliven. Wir wählten aus der portugiesischen Speisekarte eine kalte Gemüsesuppe aus Tomaten, Gurke und Knoblauch. Dann Carne de porco com ameijoas, Schweinefleisch mit Muscheln und Zwiebeln. Dazu verlangte mein Durst nach einem Servesa, einem Bier. Die Freude entschieden sich für Rotwein aus der Karaffe, schon in Vorfreude auf den Gesang des Fado. Wir genossen das Mahl, lobten die Freundlichkeit der Bedienung, gaben Komplimente an die Küche. Zwei Senhores nahmen in der kleinen Nische hinter dem Fenster Platz und griffen zu den Gitarren. Zeit für Fado, Zeit für die Saudade, dem nur den Portugiesen eigenem Lebensgefühl. Ein Mythos – ein Geheimnis. Wir erkannten sie wieder, es kam die Köchin, nun nicht mehr mit weißem Haarnetz und Schürze.
Es wurde still. Sie sang vom süßen Weltschmerz, vom Schicksal, von Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht. Sie schloss die Augen, gab sich ganz. Applaus! Jetzt sang der Gitarrist, war die Strophe beendet, erhob sich hinter uns an der Tür spontan ein kleiner Mann, zahnlos sang er inbrünstig dem Gitarristen zu. Zwischenapplaus! Es folgten andere Sänger, einfache Leute, die im Wechsel den Fado scheinbar nicht enden ließen. Lobende Zwischenrufe – Lachen! Fado kann auch fröhlich klingen. Wir schauten uns um und auch auf uns. Fado beruhigt die Seele, stimmt einen weich und die Mühen des Lebens bekommen einen milden Glanz.
Vier Tage Lissabon reichten nicht. Wir versprachen wieder zu kommen. Wollten uns bedanken, doch wie? Wir diskutierten beim Bico das Wort „danke“ und baten den Kellner um Rat. Er erklärte: die Senhora bedankt sich mit „obrigada“, der Senhor mit „obrigado“, hat man es eilig, reicht auch ein kurzes „obrigad“. Ich breitete die Arme aus und rief: Obrigado lisboa!
Tipp: Caldo Verde (Grüne Suppe)
Zutaten: Ca. 500 g geschälte Kartoffeln, 1 Hartwurst, 1 kg geputzten Wirsingkohl in Streifen geschnitten, ca. 300g geviertelte Zwiebeln, 1/16 Liter Olivenöl, Meersalz.
Zubereitung; Die Kartoffeln, die Wurst, die Zwiebeln, das Öl mischen Sie und kochen es in 1 ¼ Liter Salzwasser weich, nehmen die Wurst heraus, geben jetzt den Kohl dazu und kochen alles noch einmal auf. In Suppentassen mit je einer Scheibe Wurst wird angerichtet.

0 Gedanken zu „Bom dia Lissabon (2)

  1. Schade, dass Lissabon nicht um die Ecke liegt. Würde sofort hingehen. Der Text weckt die Sehnsucht – und das Bedauern, dass es in Germany so grau und kalt ist – und kein Lied erklingt, das die Gemeinschaft, das Zusammenleben fördert.

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