Alles in BUTTER

Es ist Sonntag früh, Brunchzeit. Für mich heute mal nicht in der eigenen Küche. Ich muss mich beeilen, denn wer zu spät kommt, wird von denen bestraft, die bereits einen Platz erobert haben – dort im Café BUTTER, in Prenzlauer Berg. Außerdem bin ich mit meinem Schachfreund verabredet, der seinen Sieg vom letzten Mal wiederholen möchte – was ihm hoffentlich nicht gelingen wird, weil ich in Siegerlaune bin, denn ich habe im Café BUTTER ein Heimspiel. Hier sitze ich häufiger und schaue gerne auf das bunte Berliner Kiezleben, das es hier schon immer gab.

Damals hieß dieses Café noch „Eckstein“ und war ein beliebter Treffpunkt. Autofahrer fanden vor dem Eckcafé Pappelallee/Gneiststraße noch Parkplätze. Später dann kaum noch und erst recht nicht an jenem legendären Sonntag im Juli 1995, als Bruce Springsteen und Wolfgang Niedecken hier zu den Gitarren griffen und den Hit „Boom Boom“ sangen. Da bebte die ganze Pappelallee. Heute noch erzählt die Fangemeinde begeistert von diesem Konzert. Manch einer versichert sogar, sich rockend auf dem Video bei YouTube erkannt zu haben.

Die Sonnenschirme vor dem Café sind aufgespannt. Familien haben an den hölzernen Gartenmöbeln Platz genommen. Auf den Tischen ist es bunt: große Teller, kleine Teller mit den unterschiedlichsten Kreationen der eigenen Speisewahl. Dazu Kaffeetassen, Saftgläser, Biertulpen; für den glücklichen Raucher gibt es Aschenbecher und für den BUTTER-4Familienhund einen Trinknapf. Ich zwänge mich durch die Eingangstür und sehe schon meinen Schach-Amigo, er hat Platz gefunden und sich mit Chicken Wings und frischem Salat bedient. Die Schachfiguren sind aufgestellt. Noch weiß mein Spiele-Partner nichts von seinem Pech. Pech will ich nicht haben, darum gehe ich gleich zum Bufett. Das Angebot ist groß. Der Herr vor mir legt sich Rührei mit Bratkartoffeln auf. An den Mini-Bouletten kommt er auch nicht vorbei. Ich greife zu den ofenfrischen Brötchen, nehme dazu Butter und Honig. Ach ja, ein 5 Minuten-Ei vom freilaufenden Bio-Huhn hätte ich fast vergessen. Hinter mir gibt es Gedränge. Die Dame vor mir nimmt sich Zeit, sucht und findet Süßes: Rote Grütze, Mousse au chocolat, Joghurt in allen Farben. Alles für 7,90 €!

Ich kehre zu unserem Schachtisch zurück und setze den ersten Zug. Der Kaffee tut meinen strategischen Gedanken gut. Mein Gegner trinkt Tee. Zug um Zug komme ich in Form. Zum ganzen Glück fehlt mir jetzt nur noch ein Zug aus der Zigarette. Ich bitte um eine Auszeit. Fast wäre ich mit der flinken Bedienung an der Tür zusammengestoßen, die pausenlos beidhändig abräumt und serviert. Sie ist für alles zuständig, was nicht am Bufett zu haben ist, aber in der Tageskarte angeboten wird. Für Getränke aus aller Welt einschließlich.

Gerade habe ich meinem Schachpartner den Turm genommen. Sein König sitzt in der Falle. Mit der Stellung meiner Figuren dagegen scheint „alles in Butter“ – wie der Berliner sagt, wenn er meint, dass alles gut ist. Wie das Spiel auch ausgeht, im Café BUTTER ist es das sowieso – und nicht nur zur Brunchzeit.

Café BUTTER
Pappelallee 73
10437 Berlin
Tel.: 030-526 859 33
Mo. – So. 9.00 bis 1.00 Uhr

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