Cantina Popolare

Schräg gegenüber der Pfefferberg-Kulturanlage in Prenzlauer Berg soll diese Cantina sein, über die ich schon Verschiedenes hörte. Hier beginnt die Schönhauser Allee und birgt noch so manches gastronomische Abenteuer. Es ist schönes Wetter und die Menschen bevölkern auch die Gärten der umliegenden Lokale. Eine Studentengruppe vor mir erklimmt über die ausgetretene Treppe den Garten dieser legendären Pizzeria „DUE FORNI“ mit der angepriesenen cucina casalinga popolare. Sie hat einen etwas zwiespältigen Ruf, das macht mich neugierig.

Der Berliner liebt es ja, wenn nicht alles so schnieke ist ….. hier fühlt er sich wohl und übersetzt mit seinen Urlaubskenntnissen der Italienischen Sprache, dass es hier „Hausmannskost“ gibt. Das ist sicherlich richtig, denn unter dem Begriff laufen bei uns Königsberger Klopse oder Erbsensuppe. Deftig und sättigend. Auch beim Italiener handelt es sich um Kohlenhydrate, aber eben in Form von Pasta und Pizza – Hausmannskost südlicher Herkunft. Alora, ich bestelle Spaghetti Bolognese. Der Kellner hält inne und schaut mich erstaunt an. Er sagt: „Frrreitags nur Pasta mit Fiiisch“. Ist das ein Zugeständnis an die Gläubigen, „isst“ man hier katholisch? Das sage ich eher leise zu mir. Freitag ist Fischtag, das kennt man ja auch aus unserer Region ….. also einverstanden, ich nehme das Tagesangebot: Bandnudeln mit Tintenfischringen und Tomaten-Sugo. Die meisten Gäste um mich herum haben sich allerdings für eine wagenrad-große Pizza entschieden. Ich kann nicht bei jeder Pizza erkennen, um welche Sorte es sich handelt, die Bedienung ist einfach zu schnell. Aber neben mir wird eine Pizza gegessen, die fast unter der Ruccola-Auflage verschwindet, sieht hübsch grün aus. Darunter befindet sich Parma-Schinken. Wer dem Nachbarn lange genug aufs Essen schaut, wird mit Informationen belohnt!

Jetzt zum Vino della Casa (so wie er zur Hausmannskost erwartet wird): Ein schlichter, wohlschmeckender Wein vom Fass, der mit Brotkörbchen und Besteck schnell gebracht wird. Besteck und Serviette werden hier in einer geschlossenen Papiertüte an den Tisch geliefert. Das finde ich angenehm hygienisch.

Die Pizzabäcker am Holzkohle-Ofen der Cantina singen bei der Arbeit. Das ist ein gutes Zeichen. Fröhlich führt mir einer von ihnen kleine Kunststücke mit dem Pizzateig vor, den er durch die Luft wirbelt und reicht mir anschließend die große Schüssel mit Oliven. Ich darf einfach mal zulangen.

Bei schönem Wetter sitzen natürlich kaum Gäste in diesem großen, volksküche-ähnlichen Innenraum. Das ändert sich jedoch komplett zum Abend hin, dann hat man Glück, mal einen Einzelplatz zwischen dem vorwiegend jungen Publikum aus allen Ländern zu erwischen. In der Umgebung der Pizzeria befinden sich einige Sprachschulen und Hotels, so dass deren Studenten und Gäste schon einen guten Teil des Publikums ausmachen. Die betont einfache Einrichtung und die vollgeschriebenen Wände bestimmen die Dekoration. Das große Bild vom „Kommandate“ Che Guevara soll die politische Haltung und das genossenschaftliche Denken demonstrieren. Die Holztische werden, sobald man Platz genommen hat, mit einer karierten Tischdecke versorgt, die wieder abgenommen wird, wenn die Gäste gehen. Ein Zeichen dafür, dass dieser Platz nun FREI ist. Super-Idee! Der manchmal lockere Service und die wackeligen Stuhlbeine gefallen bestimmt nicht jedem. Wer einen „Gemischten Salat“ bestellt, muss selbst schnippeln und Vinaigrette mixen, der Koch hat schließlich auch nur zwei Hände ….. Aber das sehe ich eher als Stilmittel in dieser volksnahen Cantina – ebenso das Einheits-Glas zu jedem Getränk. Ob mittags oder abends: die Stimmung ist gut bis sehr gut, die Musik laut und italienisch, das Dessert hervorragend: Mousse au Chocolat, Panna Cotta mit Erdbeersauce, Tartuffo und Crème Caramel.

Inzwischen ist kein Stuhl mehr frei. Die Bambini toben auf dem kleinen Spielplatz, der mit zum Anwesen gehört und eingezäunt ist, so dass die Eltern aus der Umgebung (kinderreichster Stadtteil) in Ruhe ihre „Involtini à la Nonna“ oder die „Lasagne al forno“ genießen können.
Es ist hier ein wenig lauter und schriller als anderswo und ich bemerke am Schluss, dass es hier nicht so billig ist – aber ich habe gut gegessen, getrunken und Spaß gehabt. Viele andere haben es mir gleich getan. Bella Ciao, Ciao … bis zum nächsten Mal in der

Trattoria-Pizzeria DUE-FORNI
Cucina Casalinga Popolare
Schönhauser Allee 12
10119 Berlin
Tel.: 030-44 01 73 33

0 Gedanken zu „Cantina Popolare

  1. Wow, kannte ich noch gar nicht. Ich bin oft in der Ecke unterwegs und ist mir nicht aufgefallen. Danke für den Tipp, werde ich garantiert noch in diesem Sommer ausprobieren.

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