Hofmusik und Holunder-Brause

Zwischen Berlin und Potsdam habe ich auf meiner Natur-Tour eine Entdeckung gemacht. Etwas versteckt liegt ganz in der Nähe des Rathauses Wannsee an der Chausseestraße ein alter Hof. Schönes Kopfsteinpflaster und eine große Scheune mit seltenem Rautenfachwerk locken mich weiter hinein. Ich entdecke ein HOFCAFÈ, eine GÄRTNEREI, deren Mitarbeiter schöne Stauden und bunte Blumen der Region draußen dekorieren – hier ist ein Bilderrahmen-Atelier, dort eine Handlung mit Töpferwaren und schräg gegenüber ein gut sortierter Naturkostladen mit dem Namen „FEINE KOST“. Ich befinde mich bei „MUTTER FOURAGE“. Nein, kein Druckfehler! Ich dachte auch erst, hier sei eigentlich Brechts „Mutter Courage“ gemeint, denn auf diesem Hof-Gelände gibt es fast alles für den täglichen Bedarf, wie einst auf dem Wagen der Marketenderin „Courage“ im Dreißigjährigen Krieg.

Im französisch angehauchten Berlin wurde auf diesem Gelände um 1900 eine Fourage-Handlung gegründet, nichts anderes als eine Futtermittelhandlung. Und Futter, sprich Essen und Trinken, wird hier noch heute ganz groß geschrieben.
Der Schauspieler Wolfgang Immenhausen erbte diesen Hof und begann vor mehr als 30 Jahren mit seiner Heimat-Erkundung, die zur Instandsetzung dieses Anwesens führte. Behutsam wurde im märkischen Stil jedes Gebäude wieder hergestellt und seiner jetzigen Bestimmung übergeben. Die verschiedenen Gewerke sind Pachtbetriebe, die unabhängig geführt werden und doch wie aus einem Guss zu sein scheinen. Diese Zusammengehörigkeit beflügelt die einzelnen Abteilungen und erzeugt ein ganz spezielles Flair. Völlig klar, dass die Kultur nicht fehlen darf. Eine GALERIE, die vorwiegend Künstler aus der Region zeigt und eine KULTURSCHEUNE, die sich für musikalische und literarische Darbietungen eignet, gehören zum Ensemble.

Für das Kulturangebot werde ich mir mal einen Abend frei halten, denn das Programm kündigt eine Reihe bekannter Musik- und Theater-Künstler an, die längst das Kindertheater im Hof mit Clowns und Kasperle abgelöst haben. Wo einst Nachbarschafts-Feste gefeiert wurden, geht es heute professionell zu, aber immer mit einem Touch „Natur“.

Inzwischen werden große Frühstücks-Arrangements über den Hof getragen und mein Appetit meldet sich. Das Angebot liest sich gut. Lass ich mir für 3 Euro „C’est la vie“ (Croissant, Butter, Marmelade und Kaffee) oder den „Hahnenschrei“ für 3,50 € (2 Eier im Glas) kommen? „Sweetheart“ ist natürlich marmeladig und das Frühstück „Tierisch gut“ enthält Schinken und Salami. Es gibt eine interessante Mittagskarte und 50% der Gerichte sind vegan/ vegetarisch. Bei fast jedem Gericht trifft man auf wilde Kräuter, wilde Erdbeeren oder wilde Tomaten. Vegetarische Lasagne, Pizza und gebackener Ziegenkäse schmecken sicher genau so gut wie die Torten am Nachmittag, die gerade von einer bekannten Bio-Konditorei angeliefert werden. Nach dem zweiten Kaffee folgt bei mir nun eine Rhabarber-Schorle und Ofengemüse mit gebackenem Leberkäse.  Möhren und  Kartoffeln schmecken wirklich nach „Bio“, beim Leberkäse fehlt mir die Erfahrung. Es ist alles gut und ehrlich, wenn auch nicht gerade billig. Naturkost ist eben zuschlagpflichtig.

Es wird Zeit zurückzufahren. Ich blicke noch einmal auf den nahe gelegenen Wannsee. Intensiver Schiffsverkehr und viele Menschengruppen, die am Ufer wandeln, prägen das Bild. Genau so hat es der Berliner Impressionist Max Liebermann gemalt, der hier in der Nähe Wohnhaus mit Garten und Atelier hatte. Beides ist ebenfalls zu besichtigen.

MUTTER FOURAGE
Chausseestraße 15a
14109 Berlin-Wannsee
Tel.: 030-805 23 11
Täglich geöffnet von 9 bis 19 Uhr
zu allen Veranstaltungen

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