Der Kaiser von China

ist in meiner Geschichte „Der Kaiser von Zeuthen“. Heute bin ich mit der S-Bahn unterwegs, Richtung Süd-Ost. Mein Schulfreund hat mich in seinen schönen Berliner Vorort nach Zeuthen eingeladen und tat sehr geheimnisvoll. Schmunzelnd empfängt er mich um die Mittagszeit und verspricht, dass ich heute bedient und hofiert werde wie ein Kaiser von China.
Nach drei Minuten Autofahrt halten wir vor einem von zwei Löwen bewachten Gebäude mit dem Namen „Kaiser-Pavillon“. Aha! Uns empfängt eine sehr angenehme, freundliche Atmosphäre, die durch den Auftritt der Inhaberin, Frau Anan Zhu, noch verstärkt wird. Nach der herzlichen Begrüßung serviert sie uns einen Kokos-Cocktail, danach reicht sie uns mit fern-östlichem Lächeln die umfangreiche Speisekarte und empfiehlt Spezialitäten des Kaiser-Pavillons. Die Verwöhnung nimmt ihren Lauf und beginnt bei mir damit, dass ich meine traditionelle Sauer-Scharf-Suppe essen kann und nicht gleich Experimente machen muss. Auch beim Hauptgang kann ich mich nicht für exotische Angebote wie „Vogel im Nest“ erwärmen, sondern bestelle die „Kaiserliche Ente“, die kross gebacken, mit Nudeln und Sauce auf den Tisch kommt. Mein Freund liebt Meeresfrüchte und bestellt „Die guten Garnelen von Szechuan“. „Die sind schön scharf“, sagt er.

Beim chinesischen Bier „Tsing-Tao“ warten wir nun gespannt auf unser Essen. Frau Anan Zhu gesellt sich zu uns, um die Wartezeit plaudernd zu verkürzen. Seit 2009 ist sie die Chefin dieses großzügig angelegten Restaurants. Ihre Tage sind lang, denn neben dem normalen Geschäft sind sie und ihr Küchenteam häufig für die Ausrichtung privater Feiern gefragt. Sie gerät ins Schwärmen, wenn sie von den stattfindenden Hochzeiten, Jubiläen und Geburtstagen berichtet. Dann hat sie ein volles Haus und jeder der 170 Plätze ist besetzt!

Ich frage sie nach kulinarischen Vorlieben der chinesischen Küche und erfahre, dass in der Gegend von Szechuan schärfer gegessen wird als in Shanghai, dort ist die samtige, milde Küche zu Hause. Nun will ich wissen, was man auf keinen Fall beim chinesischem Essen tun sollte. Lachend antwortet sie und rät mir, nicht mit den Stäbchen zu spielen oder sie im Reis stecken zu lassen. Aber im Vergleich zu unseren Tischmanieren sei lautes Schlürfen in China durchaus normal.

Nach dem köstlichen Essen serviert sie uns noch einen echten Kräuterschnaps aus ihrer Heimat. So gut ist es mir lange nicht ergangen, denn ich fühle mich wie ein Kaiser und war rundum von der Chefin eingeladen, genauso mein Freund, dem sie sehr verbunden ist. Während seiner langen Zeit als Bürgermeister von Zeuthen hat sich zwischen dem großen China-Fan und ihr eine herzliche Freundschaft entwickelt.

Nun kommt die zweite Überraschung, denn nach dem Essen bin ich zu einem Spaziergung gegenüber des Kaiser-Pavillons eingeladen. Hier verbirgt sich hinter einer (chinesischen?) Mauer ein großer, öffentlicher China-Garten, durch den mich mein Freund voller Stolz führt, denn auf seine Initiative hin konnte dieser „Garten der Harmonie“ als Erholungsort entstehen. Er erklärt mir, dass dieser Garten hier am Zeuthener See der 9. Chinesische Garten in Deutschland ist und nach einer alten chinesischen Redewendung benannt wurde: „Neun Kurven und achtzehn Ecken.“ Die 9 steht in China als Glückszahl für alles, auch für Macht, den Kaiser, den Drachen, die Freundschaft. Alle Elemente in diesem schön angelegten Garten, wie bizarre Felsen, Bambus, Wasserbecken und verschiedene Blumen stehen für bestimmte symolische Bedeutungen. Der Bambus zum Beispiel, steht in China für ein langes Leben!
Ich genieße die Ruhe und Harmonie, die von diesem Kleinod ausgehen und fühle mich einfach wohl. Der Kaiser von Zeuthen hat mir einen schönen Tag bereitet.

Kaiser-Pavillon
Seestraße 10
15738 Zeuthen
Tel.: 033762 – 2 16 15
Öffnungszeiten:
So.-Do.: 11.30 bis 23.30 Uhr
Fr. Sa. und feiertags: 11.30 bis 23.30 Uhr
www.kaiser-pavillon.de

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