Alt-Berlin im Nikolaiviertel

Eine „Instanz“ im Berliner Stadtkern, ganz in der Nähe des Roten Rathauses, ist das Restaurant  ZUM NUSSBAUM. In der heutigen Form existiert es seit über 30 Jahren und ist ein Anlaufpunkt für Touristen aus aller Welt. Darum geht der Berliner lieber „antizyklisch“ vor und hebt seine Molle zu später Stunde, wenn die vielen Besucher ihre Wanderfüße in eine gnädige Hotel-Badewanne tauchen oder sich für den nächsten Tag in unserer aufregenden Hauptstadt fit schlafen. Darum bin ich in dieser Gegend lieber unter der Woche und ergattere in Nussbaum-Nähe vor dem Haus einen schönen Platz. Ich kann unter vier Biersorten wählen. Das Jubiläums-Pils steht schon bald auf dem Tisch und die warme Bulette mit Senf und Brot schmeckt dazu ganz trefflich.

Hier können Sie Berlin erleben, wie es isst und trinkt. Omas Küche lebt und wird in Form von Erbsen- und Gulaschsuppe, Riesen-Kohlroulade, warmer Blut- und Leberwurst mit Bratkartoffeln, Sülze mit Remoulade, Harzer Käse mit Zwiebeln, Schmalzbrot und Sol-Eiern serviert. Auch ein Eisbein mit Erbsen-Purée steht auf der Karte! Das werde ich mir nachher bestellen und hoffe sehr, dass mein Ernährungsberater beide Augen zudrückt. Eine Busladung europareisender Russen scheint diese Sorgen nicht zu haben, fröhlich wird alles bestellt, was  Spaß macht. Nein, die Bedienung spricht kein Russisch, eher ein wenig Englisch. Aber das sprechen die russischen Gäste nicht, trotzdem klappt alles. Und das Wort Bier ist ja schon lange international: Piwo

Ich blicke auf die weiße, historische Kutsche, die Besucher durchs Viertel bringt. Das passende Kopfsteinpflaster gibt es an dieser Stelle auch noch. Doch es wird langsam kühl und ich beziehe einen der rustikalen Holztische im Inneren. Hier wird in einer Nische Skat gespielt, an einem anderen Tisch wird der Berliner „Haushalt“ diskutiert; die Damen und Herren beenden hier sicher ihren Arbeitstag im Roten Rathaus.

Es ist ur-gemütlich: die holzvertäfelten Wände, der alte Tresen, bleiverglaste Fenster und nostalgische Leuchten runden das Bild von der echten Berliner Budike ab. An den Wänden hängen Bilder und Drucke, die über die vergangenen Zeiten Auskunft geben. Seit 1507 war an dieser Stelle ein Wirtshaus, das den Kriegen aber natürlich nicht standhielt.

Als Napoleon 1806 in Berlin einmarschierte, gab es bald Neuerungen für die Berliner: etwa 2.000 durften einen Verwaltungsausschuss wählen, eine Art Parlament, das in der gegenüberliegenden Nikolai-Kirche vereidigt wurde. Hinterher ging es dann zur weltlichen, flüssigen Besiegelung in den „Nussbaum“. Darum steht hier auch heute noch selbstverständlich Champagner auf der Getränkekarte!

Das Wirtshaus ist nicht nur eingebettet in eine historisch interessante Umgebung mit sehenswerten Gebäuden, in denen zum Teil Museen untergebracht sind (die Souvenir-Läden an diesem touristischen Brennpunkt muss man einfach hinnehmen) – es  liegt auch einmalig verkehrsgünstig, sozusagen mit Gleisanschluss zur U-Bahn Linie 2, Station Klosterstraße. So ist der Führerschein sicher und die Gäste müssen nicht wein- oder bier-selig unter Absingen bekannter Trinklieder die Nachbarn wecken, denn „jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht“ (Napoleon Bonaparte).

ZUM NUSSBAUM
Am Nussbaum 3
10178 Berlin
Tel.: 030-242 30 95
Täglich von 12 bis 24 Uhr geöffnet

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