Eiscreme in der Einflugschneise

Alle zehn Minuten recken die Gäste im bunt blühenden Garten des Cafés „Canapé“ das Gesicht in die Höhe. Was es dort zu sehen gibt, höre ich bereits. Durch die Baumwipfel donnert es nun deutlich und laut: das muss ein Airbus oder eine Boeing sein!
Gerade habe ich die herrschaftliche Wohnanlage „Amalienpark“ bewundert. Nach Amalie, der Schwester Friedrichs des Zweiten, wurde dieses Ensemble unter den hohen dunklen Bäumen benannt; ganz im englischen Landhausbaustil strahlt es schlichte Vornehmheit aus. Das gegenüberliegende Café wurde mir empfohlen, als ich neulich ein Konzert hier ganz in der Nähe besuchte, in der Kirche „Zu den vier Evangelisten“ in Alt-Pankow. Darum bin ich bei dem überraschend schönen Wetter mal wieder unterwegs und erkunde den Norden Berlins. Nach einem Abstecher zum Bürgerpark und dem Schloss Schönhausen bin ich nun endlich hier gelandet und habe mir einen Kaffee verdient.

Im Garten steht sogar ein Strandkorb, der natürlich schon besetzt ist, auch auf den anderen Gartenmöbeln hinter romantisch hoher Hecke unter schattenspendenden Bäumen ist kein Platz mehr frei, nur noch einer am Eingang – der ist der meine. Ich bestelle einen doppelten Espresso (köstlich!) und eine Portion Eiscreme, die muss sein. Danach sehen wir weiter.

Bei meinem Rundgang durch die gemütlichen Innenräume erfahre ich, dass an manchen Abenden Lesungen und kleine Konzerte stattfinden, die leider von den Geräuschen der anfliegenden Flugzeuge gestört werden. Das ist wirklich kein reines Vergnügen für Wirtsleute, Gäste und Darsteller! Aber in den 18 Jahren, die das Café an der Wolfshagener/Ecke Crusemarker Straße nun schon besteht, tat das dem Spaß keinen wirklichen Abbruch, denn wer hier wohnt, lebt mit den Flugzeugen. Verständlicherweise hatten sich alle auf diesen Sommer ohne Fluglärm gefreut, denn in den Stoßzeiten sind die Intervalle der brausenden Maschinen noch kürzer. Aber bis jetzt sind die Bilder der gerade laufenden Ausstellung von Peter Becker noch nicht von der Wand gefallen. Der Titel „Vollendetes und Unvollendetes“ könnte die Situation nicht besser beschreiben. Ich mag ja Orte, an denen ich mich als Gast besonders gerne niederlasse, wenn sie eine kleine „Schräglage“ haben.

Statt Kuchen vom Blech konsumiere ich inzwischen einen fruchtigen Cocktail für 5,10 €, denn die Sonne hat bereits einen so tiefen Stand erreicht, das ich mir Hochprozentiges erlaube. Den angepriesenen „Irish Coffee“ für nur 3,10 € hebe ich mir für wirklich kalte Tage auf.

Die Diskussion um den wieder verschobenen Eröffnungstermin des neuen Flughafens verstummt natürlich nie ganz im „Canapé“, das ist klar. Aber das Leben hält ja auch noch anderes Interessantes bereit. So erfahre ich, dass das Café über einen ausgezeichneten Catering-Service verfügt, der häufig von Gemeindemitgliedern genutzt wird. Ob private Feiern verschiedenster Anlässe, Festlichkeiten im Rahmen des Kirchen- und Gemeindelebens in den Räumen der Kirche oder anderswo, Frau Laurentius sorgt mit ihren Leuten zuverlässig für das leibliche Wohl der Gäste. Wer einmal ihr Speise-Angebot getestet hat, wird es gerne weiterempfehlen, der familiäre Stil kommt bei vielen, die das Extravagante nicht so mögen, sehr gut an.

Mit meinem Drink setze ich mich auf eines der Canapés und schaue dem Treiben zu. In dieser beschaulichen Wohngegend kann ich mal ausruhen. Kein Straßengetöse und keine eiligen Menschen, die mit Kaffeebechern nervös über die Straße laufen oder laut in ihre Handys sprechen. Alles was hier laut ist, kommt von oben.

Café Canapé
HAUS und GARTEN
Renate Laurentius
Wolfshagener Str. 87
13187 Berlin
Tel.: 030 – 47 53 93 13
Montag in der Ferienzeit – Ruhetag, sonst:
Mo. bis Fr.: 12 bis 24 Uhr
Samstag: 14 bis 24 Uhr
Sonntag: 10 bis 18 Uhr
(Frühstücks-Buffet 10 bis 14 Uhr)

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