Feiner Kaffee – röstfrisch!

Sieben kleine Kaffeebäumchen stehen auf der Fensterbank der Feinrösterei PAKOLAT in der Raumerstraße 40, im Helmholtz-Kiez zwischen Pappelallee und Lychener Straße. So habe ich mitten in Prenzlauer Berg nun doch „meine“ Kaffee-Plantage entdeckt. Aus der Nähe betrachtet kann ich noch nicht feststellen, ob es sich beim Fenster-Anbau um „Arabica“ oder „Robusta“ handelt. Bis zur Ernte wird es noch lange dauern, aber der Duft von frisch geröstetem Kaffee lockt mich schon jetzt an, und ich lasse mich davon leiten.

Vor dem Café stehen unter Lindenbäumen kleine grüne Tische, an denen intensiv gefrühstückt wird, alles ist hübsch dekoriert und ich zögere keinen Moment, mich hier niederzulassen. Der Kaffeeduft macht’s.

Ich betrete das Innere einer klassischen „Kolonialwarenhandlung“, denn jeder Einrichtungsgegenstand deutet darauf hin. Liebevoll zusammengestelltes Mobiliar, das zum Teil 100 Jahre alt ist, beherbergt die Köstlichkeiten, die zum Verkauf angeboten werden. Die Regale, die Schubfächer in unterschiedlichen Größen, Truhen, Tische und Stühle, Wandschränkchen und Vitrinen verraten die Profession des Inhabers: Andreas Kuhn ist Antiquitätenhändler. Mit dieser schönen Einrichtung hat auch er sich eine Freude gemacht.

Bunte Emaille-Schilder schmücken die Wände. Die witterungsunabhängigen Dauer-Plakate stammen aus der Zeit, als Werbung noch Reklame hieß. Die Originale sind begehrte Sammelobjekte. Es gibt noch einen zweiten Gastraum mit einer Glaswand, hinter der fleißige Bäcker und Konditoren dem Tagwerk nachgehen. Alles wird hier frisch hergestellt und wer genau hinsieht, kann sich bestimmt etwas für zu Hause abschauen. Aber nicht nur die Back-Show begeistert mich. Jetzt wird auch noch öffentlich geröstet! Die grau-grünen Bohnen des Rohkaffees knistern in der Röstmachine; der Chef bestimmt die Mischung und die Röstzeit. Zu viel Hitze kann die Bohnen schnell bitter machen, zu wenig Hitze lässt sie nach Seife schmecken. Das Rösten ist wirklich eine Kunst. Um so mehr werde ich gleich meinen „Café Americano“ genießen; ganz pur schmeckt mir dieser doppelte Espresso mit etwas mehr Wasser am besten. Alle Kaffeespezialitäten sind von hoher Qualität, neben den beliebten „Latte“-Produkten sind in diesem Café „Ricerin“ und „Moca“ die Renner, beides Mixturen aus Espresso und hausgemachter, heißer Schokolade. Dazu dann noch für die Damen ein Stück von der „Wirtschaftswunder-Torte“ mit Butterkrem und Obst ….. bestes Nervenfutter!

Aber es gibt hier auch salzige Variationen ohne Ende, von morgens bis abends nur Gutes. Die Stullen mit Salami, Schinken und Mortadella schmecken zu jeder Jahreszeit. Wurst und Schinken werden auf einer großen Berkel-Schneidemaschine von 1924 hauchfein geschnitten. Auf dieses Pracht-Exemplar ist das Team besonders stolz, denn es macht Spaß damit zu arbeiten. Für die Antipasti-Teller oder das große „Mailänder“-Frühstück kommt Scheibe für Scheibe frisch auf den Tisch, auch „to go“, denn mancher Anwohner holt sich hier verschiedene Sorten für den häuslichen Esstisch.

In diesem Kaffee-Paradies kann aber auch Tee getrunken werden. Vom edlen Kusmi-Lieferanten gibt es eine schöne Auswahl mit fantasievollen Namen wie „Prinz Vladimir“, „Anastasia“ oder „Kashmir Tchai“. Andere heiße Köstlichkeiten sind: Heiße Orange/Zitrone mit Honig, heiße Milch mit Honig, frischer Ingwertee oder Spearmint Green Tea mit Nanah-Minze.

Auf den seltenen Namen PAKOLAT finde ich keinen Hinweis im Laden. vermute aber etwas Sinnstiftendes, denn oft geht es ja nicht „ohne“. Auf die Frage bekomme ich die Antwort, dass lediglich die Großmutter des Inhabers Pate stand. Ich befinde mich also in einem 1920 gegründeten Familien-Unternehmen. Aus der einstigen FEIN-BÄCKEREI ist nun dieses gemütliche und schöne Café geworden, in dem man sich der Qualität und Tradition verpflichtet fühlt. Anspruch und Ausführung sind aus einem Guss. Laden und Café sind gut besucht, das entnehme ich dem häufigen Klingeln der alten Kasse aus dem Jahre 1913, die Plastikgeld nicht annimmt. Nächstes Mal zahle ich mit Talern und Silberlingen!

PAKOLAT
Andreas Kuhn
Raumerstraße 40
10437 Berlin
Tel.: 030 – 44 79 38 83
Montag – Freitag: 10 bis 19 Uhr
Samstag u. Sonntag: 10 bis 18 Uhr

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