K wie Kunst unter Kiefern

Am Rand des Grunewalds soll es ein mehrfach ausgezeichnetes Café geben, in dem schon Redakteure vom „Feinschmecker“-Magazin das Angebot lobten und sich verwöhnen ließen. Da soll mir doch mit dem Rad kein Weg zu weit sein, und ich fahre ins Berliner Westend, um es mir dort fein schmecken zu lassen. Die Sensburger Allee mit ihrem alten Baumbestand wirkt geheimnisvoll und an den dunklen Backstein-Gebäuden hinter hohen Büschen des KOLBE-MUSEUMS wäre ich fast vorbei gefahren. Aber mit meinen Adleraugen erblicke ich noch rechtzeitig ein Hinweisschild und lege eine scharfe Bremsung hin.

Hier liegt das „Café K“ unter hohen märkischen Kiefern. Ich orientiere mich an leisen Gesprächen und Geschirrklappern, dabei schlängle ich mich durch Büsche und Blumenstauden zu den schwarzen, gusseisernen Tischen und Stühlen. Überall sind rote Wolldecken dekoriert, die mit den weißen Tischdecken einen geschmackvollen Kontrast ergeben. Eine Oase breitet sich vor mir aus:  Architektur, Skulpturen, ein Café mit Garten – alles atmet Kunst.

Die Radtour hat mich durstig gemacht, darum begehe ich in der Kultur erst mal eine Kulturlosigkeit und bestelle  ein Bier. Ich habe die Wahl zwischen vier Sorten. Zur Strafe bekomme ich eine fünfte Sorte: Alkoholfreies Bier, lese ich auf dem Etikett. Der Geschäftsführer entschuldigt sich für die Nachlässigkeit seiner Aushilfe, lässt mich aber mit dem Getränk allein. Schließlich ist eingeschenkt. Das nehme ich leicht und bin mit Heiterkeit darauf gespannt, was mit meiner nächsten Bestellung passiert. Tafeln geben einige Hinweise auf die Tagesangebote, aber ich wähle aus der Karte und werde nicht enttäuscht.

Ich bestelle eine Quiche Lorraine mit Salatbeilage, alles sehr gut! Nach dem Schock mit dem ersten Getränk lasse ich mir dazu glatt einen Tempranillo schmecken. An den Nebentischen werden bereits die schönsten Kuchenstücke serviert. Kaffeeduft weht herüber – doch ich lege einen Erkundungs-Spaziergang ein.

Der minimalistische Bauhausstil der beiden Gebäude trifft hier auf einen verwunschenen Garten mit Brunnen, Blumenspaliere und Skulpturen des Bildhauers Georg Kolbe, der bis zu seinem Tod im Jahr 1947 hier lebte und arbeitete. Das 1928/29 gebaute Wohnhaus beherbergt heute das CAFÈ K. Es wurde 1998 aufwändig saniert; die Innenräume sind schön gestaltet. An den Wänden werden wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Künstler gezeigt. Kunst und Kultur in Haus und Garten.

Man wandelt zwanglos zwischen Café und Garten. Für beides braucht der Kunst-Gast nichts zu zahlen. Das ist nebenan im einstigen Atelierhaus anders. Dort ist jetzt das Museum untergebracht und zum Besuch der Ausstellung muss eine Eintrittskarte gelöst werden. Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz; das Ensemble ist das einzige Künstlerhaus in Berlin, das als Museum für die Öffentlichkeit zugängig ist.

Mein Platz unter Kiefern ist inzwischen besetzt. Die Mitglieder einer Kulturgruppe diskutieren gemäßigt bei Cappuccino und Butterkuchen über das Aktzeichnen, das sonntags hier zum festen Kursangebot gehört. Skizzenblöcke werden herumgereicht und begutachtet. So bin ich also gerade allein unter Nackten, denn die Skulpturen im Garten sind auch nicht bekleidet. Es ist kühl geworden. Zu meinem letzten kulinarischen Erlebnis, einem großen Kaffee Crema, ziehe ich mir meine Jacke an.

Café K
Sensburger Allee 26
14055 Berlin
Tel.: 030 – 30 81 22 75
Dienstag – Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 22 Uhr

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