Palatschinken in Prag

PRAG-aussen

Mit dem Fahrrad bin ich schon weit gekommen. Diesmal habe ich es einfach im Eurocity von Berlin nach Prag mitgenommen. Ab Dresden fuhr der Zug an der Elbe entlang und ich sah vom Fenster aus die Sportler auf ihren Rädern. Irgendwann tue ich es ihnen gleich, aber vorher will ich das einzige kubistische Café der Welt in der Prager Altstadt besuchen. „Wenn du reinkommst, gleich links“, so lautete der Tipp eines Freundes.

So ist es. Ich passiere schöne Jugendstilfassaden und bleibe staunend vor jedem Haus stehen. Das schöne Eckhaus  „Zur schwarzen Mutter Gottes“ ist nicht zu übersehen, denn eine Madonnen-Skulptur in Schwarz und Gold prangt im Erker des 1. Stockwerks, das von einem umlaufenden Balkon geziert wird, auf dem auch schon Café-Gäste sitzen.

Ehrfürchtig betrete ich diese Einheit von kubistischem Museum und Grand CAFÈ ORIENT. Die Kaffeehaus-Atmosphäre wird von einem Pianisten mit wallendem Weißhaar unterstrichen. Hier passt alles zusammen. Die wunderschöne Einrichtung, die üppigen Torten in den Glasvitrinen und die Kellner in den weißen Jacken, die machen was sie wollen. Mit etwas Geduld und mehrfachen Versuchen der Kontaktaufnahme gelingt es mir aber doch, den viel gepriesenen Prager Palatschinken mit Kirschen und Schlagsahne zu bestellen. Dazu wird feinster Kaffee Oriental und ein großes Glas Wasser serviert. Ich genieße dieses Glück, lausche  der Pianomusik  und jetzt der tollen Jazzband, die draußen Platz genommen hat und loslegt. Auch für Jazz ist Prag berühmt. Hier am Ort mischen sich die Kulturen kulinarisch und musikalisch auf das Feinste!

Hören macht hungrig, darum bestelle ich mir zum großen Erstaunen des betagten Kellners noch einen warmen Apfelstrudel, für den das Haus berühmt ist. Das Zubereiten braucht Zeit, darum bilde ich mich mittels der aufwendigen Speisekarte weiter, die ein wenig über die Geschichte des Hauses berichtet: Der Kubismus war eine Stilrichtung der Kunstgeschichte, die aus Frankreich kam und die „Klassische Moderne“ einleitete, eine „Avantgarde“-Bewegung, die ab 1907 Neuerungen hervorbrachte. 10 Jahre währte die Glanzzeit, dann wurde das Café geschlossen, der Kubismus war „out“. 2005 besann man sich in Prag dieser Zeit und fertigte nach Skizzen und Fotos die gesamte Einrichtung des Cafés wieder an. Ich stelle fest: Reisen bildet ….. wenn jetzt noch der Kellner die Rechnung bringt, werde ich mich anschließend zum nächsten Bauwerk aufmachen. Und wenn ich nicht gestorben bin, dann warte ich noch heute auf die Rechnung. So ist das eben in den Prager Kaffeehäusern.

Grand Café Orient
Ovocny trh 19 (Altstadt)
11000 Praha 1
Tel.: 00420-224 224 240
Montag – Freitag: 9.00 bis 22,00 Uhr
Samstag + Sonntag: 10.00 bis 22.00 Uhr

2 Gedanken zu „Palatschinken in Prag

    • Wir haben auf dich gehört, und waren heute da.
      Bis auf die Palatschinken war ja auch alles in Ordnung,
      diese schmeckten aber nach nichts, waren wie aus Gummi und an den Rändern trocken. Leider nicht zu empfehlen!!

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