Leuchtendes Berlin

Immer im Oktober – und das schon seit acht Jahren – bin ich dabei, schultere meinen Kamera-Rucksack und mache mich auf den Weg durch die Nacht der Berliner City, um das „Festival of Lights“ zu genießen und auf den Chip zu bannen. Gestern war es wieder soweit. Schon in der S-Bahn wurde mir klar, die Nacht wird zum Abenteuer, denn ich war nicht allein: wie Sardinen in der Büchse standen die Fahrgäste dicht gedrängt und hielten ihre Kameras fest. Aber auch Flaschenbier, Brezeln, Wein und Snacks aller Art waren dabei. So viel Proviant für die Reise ins bunte Lichter-Meer. Am „Hackeschen Markt“ stiegen die Kaffeebecher dazu. Prost Mahlzeit, jetzt fehlte nur noch, dass der Kellner kommt. Er kam nicht, denn richtig: man diniert heute mobil.

Endlich ausgestiegen, verteilten sich die Fahrgäste in alle Richtungen. Ich folgte dem Schwarm, der den Weg zum Brandenburger Tor gewählt hatte. Schon „Unter den Linden“ genoss ich die bunte Atmosphäre, ich war mir sicher, die ganze Stadt ist hier auf den Beinen und hat  ein Ziel: das Brandenburger Tor. Welch ein 3-D-Erlebnis dort! Unser Tor hatte sich in ein hell erleuchtetes Wohnhaus verwandelt. Ich sah Türen, Fenster, dahinter Menschen, die ihr Tagwerk taten … wie in meinem Kiez. Tolle Idee!

Am Berliner Dom begrüßten mich die Österreicher mit ihrer Lichtshow, zauberten eine Winterwelt an die historische Fassade. Ich erkannte eine Almhütte, Eiszapfen, Skiläufer und dachte an meinen letzten Ski-Urlaub in den Bergen. Die Bilder wechselten und die Winter-Fans hatten ihren Spaß daran. Die Nachrichten berichteten heute: in Vorarlberg soll schon Schnee liegen.

Die Fassade des „Hotels de Rome“ hinterm Bebelplatz bot mir eine Märchenwelt zum Träumen an. Erst waren es nur ein paar Dornen-Zweige, die sich um die Säulen rankten und mit jedem neuen Bild wuchsen sie weiter – fanden sogar ihren Weg um die Fenster. Eine verwunschene Welt – wie poetisch! In diesem Hotel war Dornröschen abgestiegen – in welcher Suite mag sie wohl schlafen?

Auf dem Gendarmenmarkt schaute ich dem bunten Treiben zu. Der Französische Dom erstrahlte in Blau-Weiß-Rot, den Farben der Trikolore. Auf dem Platz vor mir spielten zwischen lodernden Töpfen Künstler mit dem Feuer, was für ein Zauber – ein Marktplatz der Illusionen – im wahrsten Sinne Wortes. Ich hätte hier stundenlang stehen können.

Die Fotos waren im Kasten. Ich schaute noch einmal in Richtung Alex, zur Marienkirche und zum blauen Tele-Spargel und war zufrieden mit mir. Der Weg in die leuchtende City-Nacht hatte sich gelohnt. Nach solch einem nächtlichen Abenteuer wollte ich jetzt noch einen würdigen Abschluss haben. Da ich ohne Proviant bis hierher gekommen war, hatte ich allen Grund einzukehren. Zu dieser spektakulären Nacht passte am besten ein Besuch bei „Lutter & Wegner“. Diese Idee hatten viele andere auch, aber ich fand einen Platz am großen Tisch und ließ mir das Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffel-Gurken-Salat schmecken. Dieses Restaurant ist berühmt für seinen Weinkeller, darum wählte ich einen Schoppen vom besten Rheingauer Riesling. Der wurde allerdings vom Kellner gebracht!

Lutter & Wegner
Charlottenstraße 56
10117 Berlin
Tel.: 030 – 20 29 54 – 0
Öffnungszeit:
täglich von 11.00 bis 3.00 Uhr

3 Gedanken zu „Leuchtendes Berlin

  1. Auch in diesem Jahr lohnt sich der Weg zum Brandenburger Tor –
    im Schotten-Look erstahlt es. Wer es mag….trinkt einen Scotch
    aus der mobilen Bar in der Manteltasche.

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