Buddhas Teehaus

Heute führt mich am frühen Nachmittag ein Spaziergang in die angesagte Berliner Shopping-Gegend rund um den Hackeschen Markt. Ich bin auf der Suche nach herbstlicher Kleidung und möchte mich inspirieren lassen. In der Rosenthaler Straße bekomme ich eine Nase voll Weihrauch, der mir aus einer großen Tor-Einfahrt entgegenweht. Es duftet plötzlich katholisch, sollte es im Hinterhof eine Kirche geben, von der ich bisher nichts wusste? Ich folge dem Hinweis meiner Nase und stehe tatsächlich in einem  Tempel, der mit bunten Kissen und Blumen, schönen Lampen aus Papier und vielen asiatischen Dekorations-Elementen bestückt ist. Diese „Kirche“ hat merkwürdig viele Tische und Stühle, an denen Leute sitzen, essen und trinken. Auf dem Tresen wird ein großer Buddha-Kopf von dampfenden Teekesseln eingenebelt. Wahrscheinlich hat mich der Weihrauch-Duft so betäubt, dass ich erst jetzt bemerke, dass ich in einem Hinterhof-Restaurant bin, mitten in Berlin!

Langsam erwache ich aus meinen orientalischen Träumen und werde von einem asiatisch aussehenden Knaben im sandelholz-farbenen Gewand nach meinen Wünschen gefragt. Ich möge wählen zwischen Mittagstisch oder Vietnamesischer Teestunde. Jetzt weiß ich, in welcher Abteilung der Welt ich gelandet bin.

Noch benommen von der Einrichtung, den Düften und der fremdländischen Musik, lasse ich mir einen Bananen-Salat mit Tofu und Koriander, frischer Minze und einem Zitronengras-Honig-Dressing empfehlen. Ich traue mich kaum, in dieser Kathedrale ein Bier zu bestellen. Es stellt sich aber schnell heraus, dass es damit kein Problem gibt – und schon steht eine Flasche TIGER-Beer (größte asiatische Biermarke) vor mir, das Essen gesellt sich bald dazu und wird in original vietnamesischem Tongeschirr serviert. Die Portion ist als Vorspeise gedacht, denn ich möchte unbedingt die „vietnamesische Teestunde“ bestellen, zu der Desserts, Kuchen und interessante Kekse gereicht werden. Ich entscheide mich für Grünen Bio-Tee und kann zusehen, wie aus dem Aufgießen eine kultische Handlung entsteht. Dabei erklärt mir der vietnamesische Tee-Koch, dass dieses Getränk heilende Wirkung hat (wenn man denn gerade krank ist – aber irgendwas ist ja immer). Die  Kuchen aus Aprikosen mit Kokos-Sauce oder die Schoko-Erdnuss-Creme locken verführerisch. „Gerösteter Sesam auf schwarzem Klebereis mit süßer Mango und Zitronengras“ ist natürlich auch eine Ansage. Ich fühle mich so wohl in dieser Hinterhof-Oase, dass ich glatt vom Bier- zum Tee-Trinker werden könnte. Für die Raucher gibt es im Hof neben einem Seerosenteich und riesigen Papyrus-Stauden kleine Tische und Bänke. Die sanften Klänge der asiatischen Musik beruhigen, ich schalte ab; die laute Welt bleibt draußen.

Inzwischen haben sich schon mehrere Gäste für das Tee-Stündchen entschieden und tun es mir gleich: Langsam genießen, abschalten, in eine andere Welt eintauchen. Dem Besitzer- und Einrichterteam ist es gelungen, hier eine besondere Atmosphäre herzustellen, in die der Leser beim nächsten Stadtbummel eintauchen sollte! Optisch und kulinarisch habe ich hier per Zufall einen Haupttreffer gelandet! Nach so viel Ingwer-Zitronengras-Tee fühle ich mich gesund und frisch. Jetzt mache ich mir keinen Einkaufs-Stress mehr. Ich nehme den ersten Mantel, der mir passt. 

Chén chè
Teehaus und Restaurant
Rosenthaler Str. 13
10119 Berlin
Tel. 030 – 28 88 42 88
Geöffnet:
Montag – Sonntag 12.00 bis 24.00 Uhr

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