Déjà vu – schon erlebt

Im französisch beeinflussten Berlin treffe ich häufig auf Begriffe, die aus Napoleons Zeiten stammen und in den normalen Sprachgebrauch übernommen wurden. Abgesehen davon, dass der Kaiser der Franzosen in diesem Restaurant auch ein „déjà vu“ hätte und nichts auf der Speisekarte vor ihm sicher wäre – hier geht es mal nicht um Historisches. Dieses Restaurant in Pankow, ganz versteckt hinter einer Hecke an der Häuserschlucht der Binzstraße, ist ein guter Tipp, um Erinnerungen an den Frankreich-Urlaub nachzuschmecken, noch einmal zu erleben, wie es war, bei gutem Essen in vertrauter Runde zu sitzen, den roten und weißen Wein vom Fass zu genießen – genau wie „schon gesehen“. Denn das wäre die korrekte Übersetzung von „déjà vu“. Dieser Begriff ist Programm bei Pascal Marson aus Caen, er ist seit sieben Jahren Küchenchef und Inhaber. Der Normanne ist vom Fach und kocht mit Lust und Leidenschaft. Die 32 Plätze im Restaurant sind fast jeden Abend besetzt, darum empfiehlt es sich, bei einem wichtigen Termin unbedingt zu reservieren.  Pascal stellt sich gerne auf seine Gäste ein, erfüllt auf Anfrage auch Sonderwünsche und hat dann nur noch eines im Sinn: Ihnen mit allen Registern seiner französischen Kochkunst einen herrlichen Abend zu bereiten. Sein kleines Team hat er gut im Griff, ob in der Küche, am Tresen oder im Service. Speisen und Getränke werden aufmerksam und freundlich von einem Garcon mit langer Schürze serviert, der sehr französisch aussieht.

Vom Haus bekomme ich schon eine Aufmerksankeit auf den Tisch gestellt: ein Glas Cidre aus der Normandie, dazu Brot und Aioli. Darum muss es zuerst eine Pariser Zwiebelsuppe sein, die ich den flambierten Crevetten oder Weinbergschnecken vorziehe. Dann muss die übliche Entscheidung fallen: Fleisch oder Fisch. Barsch oder Rotzungenfilet? Die klangvollen Namen der Fleischgerichte erinnern mich noch mehr an den Urlaub, und ich bestelle Filet mignon. Mir wurde erzählt, dass Pascal Saucen-Spezialist sei, darum stehen sie in der Karte auch immer an erster Stelle, das Fleisch ist die Beigabe. Wie würden Sie entscheiden: Sauce Saint Augur, Périgueux, Confuse oder Chasseur? Was sich dahinter verbirgt, sollten Sie bald probieren! Neben mir wird Coq au vin serviert und die Rotwein-Rosmarin-Sauce duftet verführerisch. Mir schmeckt es vorzüglich, und das Staunen über die äußerst fairen Preise unterstütze ich mit einem Eau die Vie. Birne, Himbeere, Kirsche, Mirabelle? Diese feinen Obst-Brände sind wirklich „Lebenswasser“.

In dieser Gegend scheinen viele Feinschmecker zu wohnen, die trotz der Speisenvielfalt alle ein Leibgericht haben: Hähnchenbrustfilet auf frischem Spinat in Weißweinsauce ist der Renner, verrät Pascal. Die beliebten Crêpes sind allerdings auch nicht zu vergessen. Die herzhafte Variation ist mit Fleisch, Gemüse oder Käse gefüllt, dazu natürlich eine feine Sauce. Die Süßen werden auch schon als Dessert genommen, mit heißen Kirschen oder Himbeeren. Für Kinder ist so ein Crêpe häufig schon das Hauptgericht, das weiß Vater Pascal aus erster Hand, denn sein kleiner Sohn bringt häufig Freunde mit zum Crêpe-Essen. Maman hilft natürlich auch aus, wenn der Andrang zu groß ist, oder größere Feiern auszurichten sind. Aber am Abend ist hier reine Männerwirtschaft, da will sie beim Kind bleiben. Nach Hause haben sie es nicht weit und Papa wird nachkommen, wenn der letzte Gast aus der Nachbarschaft seinen Calvados ausgetrunken hat.
Im kleinen Biergarten vor dem Haus sitzen die letzten Raucher und erzählen sich, wie hoch die Wellen an der Atlantikküste waren. Déjà vu – diese hohen Wellen habe ich auch schon gesehen.

Déjà vu
Binzstraße 16
13189 Berlin
Tel.: 030 – 470 367 10
Dienstag – Sonntag: ab 16 Uhr
Warme Küche: bis 22 Uhr

0 Gedanken zu „Déjà vu – schon erlebt

  1. gerade kommen wir aus der Ecke des „deja vu“ zurück – hätten wir es vorher glesen, wären wir glatt auf ein steak minute eingekehrt. Vielleicht das nächste Mal…

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