Im Zoo – am Zoo

„Zoologischer Garten“ tönt es aus dem Lautsprecher. Hier muss ich heute umsteigen und erblicke durch die großen Scheiben des Bahnhofgebäudes das Zoo-Gelände, von einer großen Hecke und einem hohen, grünen Gitterzaun umgeben. ZOO steht in goldenen Buchstaben vor buntem Herbstlaub und schon habe ich mich überredet, die Mittagszeit hier zu verbringen, denn  ein Restaurant wird es hier doch geben. Wann war ich zuletzt hier im Zoo am Zoo? Es muss vor etwa zwanzig Jahren gewesen sein. Davor machten wir oft Ausflüge in den Tierpark nach Friedrichsfelde, dem größten Landschafts-Tiergarten Europas. So bin ich also Superlative gewöhnt und zögere nicht, mir eine Eintrittskarte zu kaufen.

Ich betrete den artenreichsten (1.500 Arten) Zoo der Welt, der in Mitte im Ortsteil TIERGARTEN liegt. Wo sonst? Es ist kein Wochenende, dafür sind erstaunlich viele Menschen unterwegs, viele mit Kameras und Stativen ausgerüstet. Vor jedem Freigehege treffe ich auf Ansammlungen dieser Hobby-Künstler, denn es gilt auch hier, die Stars unter den Tieren zu verewigen. Ich erinnere mich noch genau an den Eisbär KNUT, der vor Jahren die große Attraktion war. Davor gab es schon die Flußpferde KNAUTSCHKE und BULETTE sowie die Gorillas BOBBY und KNORKE. Das liebt der Berliner: auf Augenhöhe mit den Zoo-Bewohnern.

Inzwischen stehe ich vor dem historischen Antilopenhaus, voller Bewunderung für diese schöne Zoo-Architektur. Innen herrschen ideale Bedingungen, um die Tiere artgerecht zu halten und zu präsentieren. Aber es scheint Ruhepause oder Fütterungszeit zu sein, denn ich sehe keine Antilope weit und breit, dafür spüre aber auch ich ein Hungergefühl und gehe den Wegweisern mit dem Hinweis RESTAURANT nach. Groß, hell und übersichtlich ist diese Selbstbedienungskantine. Die Schlangen sind lang, alle haben jetzt Appetit, auch die Kinder, denn auf jedem zweiten Tablett sehe ich große Mengen „Pommes Rot-Weiß“, Wiener Würstchen, Buletten oder Nudeln in Tomatensauce. Ich entscheide mich für ein fleischloses Gericht, meinetwegen muss kein Opussum zu Hackbraten verarbeitet werden; ich nehme Spinat-Omlette und Bratkartoffeln. Schmackhaft, übersichtlich in den Portionen. Das Personal ist freundlich und verhilft mir zu einem Bier, das ich vor lauter Gästen im SB-Schrank gar nicht entdecken konnte. Alles bestens, es geht mir gut hier in der Herbstsonne.

Diese Gastronomie kann natürlich auch für Familienfeiern (innen 200, draußen 300 Plätze) gemietet werden. In der Werbung heißt es: „… heiraten Sie bei Ihren Lieblingstieren, oder veranstalten Sie einen Grillabend …“. Das kommentiere ich lieber nicht, sondern wende mich den verschiedenen Gänsen und Enten zu, die sich in großer Vielfalt auf dem Teich neben dem Restaurant tummeln.

Ich muss mich leider auch tummeln, meine Mittagszeit habe ich schon überzogen. Aber es ist so interessant hier, dass ich eine Weile bei den schönen Zebras verbringe. Kein Designer hat an ihrem Fell mitgewirkt, ganz im Gegenteil, die Natur wurde vielfach kopiert!

In der WALDSCHÄNKE nehme ich schnell noch einen Kaffee und habe damit die Zoo-Gastronomie für heute genug unterstützt. Das BISTRO am Aquarium und die verschiedenen TO GO-Buden werde ich bei meinem nächsten Besuch in zwanzig Jahren ausprobieren. Jetzt tauche ich unter einem großen Schwarm schwarzer Vögel durch (Hitchcock lässt grüßen) und erreiche das berühmte ELEPHANTENTOR am Ausgang Budapester Straße. Man sollte beim Umsteigen aufmerksam schauen, wo man sich befindet, vielleicht lohnt es sich, die Fahrt zu unterbrechen. Heute hat es mir besonders viel Freude gemacht, einfach mal AUSzusteigen!

Zoologischer Garten
Hardenbergplatz 8
10787 Berlin
Tel.: 030 – 30 25 40 10
Geöffnet täglich ab 9.00 Uhr
z.Zt. bis 17.00 Uhr
(Schließzeiten aktuell erfragen)

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