Wolga-Romantik mit Ludmilla

Voland EingangEs ist Freitagabend, „höchste Zeit“, um mal wieder Live-Musik zu hören und die Seele und den Magen nach Ost-Europa zu begleiten. Das russische Restaurant VOLAND bietet seinen Gästen freitags und samstags ab 21.00 Uhr ein musikalisches Programm an. Für vier Euro pro Person (die der Rechnung zugeschlagen werden) wird hier professionell gesungen und musiziert, denn den Wochenend-Künstlern merkt man ihre gute Ausbildung an. In diesem kleinen Show-Raum ist jeder den Vortragenden sehr nah. Bei einem vorigen Besuch erfreute mich ein Klavier/Violine-Duo mit bester Musik. Heute habe ich das Glück, mich von einer schönen Sängerin unterhalten zu lassen, denn das Programm wird von LUDMILLA K. und  einem Gitarristen bestritten. Französische Chansons und Russische Romanzen stehen heute auf dem Programm.

Voland -GaesteDie ukrainische Bedienung kümmert sich höflich und unaufdringlich um mein Wohlbefinden. Noch vor dem ersten Ton habe ich eine Schale Borschtsch mit einem großen Klacks Smetana (saure Sahne) und frischem Dill vor mir. Mir wird wohlig warm und das russische Bier schmeckt gut. Es  wird außerdem tschechisches, lettisches und deutsches Bier angeboten. Zur Suppe passend erklingen nun die sehnsuchtsvollen Lieder von Wolga und Don. Ludmilla K. ist ganz in ihrem Element. Von den bekanntesten Liedern singt sie die Strophen nacheinander in Russisch, Englisch und Französisch. Ein Sprachtalent! Richtig in Fahrt kommt sie jetzt mit Voland - Musik 1jiddischen Liedern. Im Publikum scheinen Gäste zu sein, die sich besonders angesprochen fühlen und laut mitsingen. Nun macht das Duo Pause und erfrischt sich mit ein paar Gläsern „Kwas“ am Tresen. Das alkoholfreie, kohlensäurehaltige Nationalgetränk der Russen wird auch ausserhalb der Heimat gern und viel getrunken.
Für mich wird nun der Hauptgang serviert. Passend zur heutigen Umgebung gibt es Boeuf Stroganoff mit geröstetem Buchweizen. Damit sich auch alles gut verteilt, trinke ich eine der neun Wodka-Sorten zwischendurch. Man gönnt sich ja sonst wenig – und hier wird das „Wässerchen“ stilecht serviert, Voland -Baraus schlanken Gläsern mit Eiskruste. An den Nachbartischen wird ebenfalls geschlemmt. Blinis, Pelmeni, Wareniki, Piroschki mit verschiedenen Füllungen, von Spinat, gebratenen Pilzen und Hackfleisch bis zu Keta-Kaviar mit saurer Sahne, sind heute Abend die Renner. Das sind  unterschiedliche Teigtaschen in allen Formen und Füllungen, gebacken, in Brühe gekocht oder mit Zwiebeln und Knoblauch in der Pfanne geschmort. Sie haben einen großen Stellenwert in der russischen Küche. Fleisch und Fisch, landestypisch serviert, haben natürlich auch ihren festen Platz in der VOLAND-Speisekarte.

Es ist  gemütlich-harmonisch hier. Das dunkle Gestühl und braun-goldene Dekostoffe, die etwas zerschlissenen Teppiche und die Sträuße getrockneter Blumen, das warme Licht der Wandlampen und Kerzen Voland -Gaeste 2verstärken die Wohnzimmer-Atmosphäre, in der wir jetzt ausreichend gestärkt wieder Heimweh-Musik hören, obwohl wir zu Hause sind. Ludmilla und ihr Gitarren-Begleiter sind im zweiten Teil zu fröhlichem Kleszmer und Schlager-Improvisationen übergegangen.

Auf dem kleinen Podest, der angedeuteten Bühne dreht die Sängerin sich nun in einem Fransentuch zu den Klängen vom „Pariser Tango“. Zeit für eine Papirossi, bei den Rauchern vor der Tür hört man Insider-Tipps. Das Datum für die nächste „Wodka-Verkostung“ habe ich mir schon notiert. Donnerstags soll es hier von 18.00 bis 22.00 Uhr ein großes russisches Buffet geben. Für wenig Geld viel zu essen! Das hat noch immer seinen Reiz! Und zum Ende fließt der Armenische Brandy.

Die aparte Sängerin verabschiedet sich nun mit Edith Piafs unvergesslichem „Milord“ und das Publikum, vom guten Essen, Bier, Wodka und georgischem Wein angeheizt, klatscht sie noch einmal hinter dem roten Samtvorhang hervor.

Restaurant und Café
Wichertstraße 63
10439 Berlin
Tel.: 030 – 444 04 22
Geöffnet:
Montag bis Freitag von 18.00 bis 23.00 Uhr
Samstag von 18.00 bis 01.00 Uhr
Sonntag von 18.00 bis  24.00 Uhr

0 Gedanken zu „Wolga-Romantik mit Ludmilla

  1. Na, da hätte sich doch dieser gewisse Französische Schauspieler die Einbürgerung ersparen können- Rußland so nah und lecker…super Bericht!!!Danke. Heike Koerber

  2. Welch Glücksfall, sang gestern mit einer Freundin russische Lieder aus Kindertagen. Werde Sie beim nächsten Berlinbesuch vielleicht zum Russischen Essen einladen?
    Danke für den Tipp!
    Andrea Dreifuß-Martin

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