Weiße Ostern

Osterbaum 2013Liebe Leserinnen und Leser,
auch wenn sich in diesem Jahr der Winter noch nicht hinter die rauen Berge zurückgezogen hat und der eisfreie Frühling auf sich warten lässt, können Sie sich an Ihre Schulzeit erinnern, als es Pflicht war, Goethes „Osterspaziergang“ auswendig zu lernen? Was haben wir uns morgens auf dem Weg zur Schule in der S-Bahn gegenseitig abgehört! Ratternde Räder und lautes Schließen der Türen begleiteten das im Tal grünende Hoffnungsglück. Die Verse wollten einfach nicht ins Hirn. Nach so vielen Jahren gebe ich heute gerne zu, dass die Mühen nicht vergebens waren.
Kürzlich saß ich in meinem kleinen Café an der Ecke und bemerkte, dass am Nebentisch zwei Gymnasiastinnen beim Milchkaffee scheinbar die gleichen Sorgen hatten wie ich einst. Sie stritten sich sogar, ob es sich am Ende des Gedichtes um „Gewimmel“ oder „Getümmel“ handelt. Mir war klar, dass ich es wusste, mischte mich aber nicht in ihr Gespräch ein. Trotzdem wollte ich absolut sicher sein und stürzte zu Hause zum Laptop. Schnell fand ich meinen Gedanken bestätigt und war zufrieden mit mir! Weiterlesen

Hier können Familien frühstücken!

Eierschale - aussentFrüher konnte man an vielen Berliner Wirtshäusern lesen: „Hier können Familien Kaffee kochen“. Damals war alles knapp: der Kaffee, der Schnaps, der Kuchen und das Geld. Den Kaffee brachte man mit, für das heiße Wasser zahlte man ein paar Pfennige. Trotzdem war die Lust, die freie Zeit in frischer Luft mit der Familie zu verbringen groß. Picknick war die eine Form der Verpflegung, der „Kaffee- und Biergarten“ die andere beliebte Möglichkeit. Treptow im Teltower Land mit seinen lichten Buchenwäldern war schon immer ein beliebtes Ausflugsziel der Berliner. Dort, wo heute die Puschkinallee der Spree ganz nahe kommt, liegt seit 110 Jahren das beliebte Ausflugslokal ZENNER mit der EIERSCHALE. Volksvergnügen aller Art: Disco, Bingo, kulinarische Spezialitätentage, Miss-Wahlen – alles kann in dem Saal, der 400 Personen fasst, stattfinden. Weiterlesen

Schön schwarz!

Schwarzes Cafe - aussen 2Im alten Westberlin gibt es ein Lokal, das niemals ruht. Es ist seit 1978 jeden Tag 24 Stunden lang geöffnet. Im Fenster zur Kantstraße hängt ein Papagei aus bunten Leuchtröhren. Vor zwanzig Jahren hatte ich mich schon gewundert, warum ausgerechnet ein bunter Vogel ins SCHWARZE CAFÉ lockt. Auch heute fällt mir und den Leuten hinter dem Tresen dazu keine Erklärung ein. Genau so unerklärlich ist mir auf dem Weg dorthin, der Hype um die PARIS BAR, die auch immer noch dort ist. Und noch immer sitzen in den Fenstern erstarrte Touristen, die Prominente sehen wollen. Das ist in diesem Teil von Charlottenburg nicht schwer, denn rund um den Savignyplatz war schon immer viel Tag- und Nachtleben. Weiterlesen

Erst das Fressen, dann die Moral!

BE-Kantine - bbDiese Worte schleuderte einst Bertolt Brecht der Bourgeoisie entgegen. In seiner bekannten DREIGROSCHENOPER kommt das satte (voll gefressene) Bürgertum nicht gut weg. Die Ballade „Wovon lebt der Mensch?“ erklärt dann, dass nur moralisch handeln kann, wer genug zu essen hat. Ich will nicht zu philosophisch werden und die essenden und trinkenden Leser langweilen. Aber heute hat mich ein abendlicher Spaziergang am Spree-Ufer zum „Berliner Ensemble“, zum Brecht-Theater geführt. Kurz bevor der Schiffbauerdamm eine Biegung macht, stehe ich vor dem Theater-Eingang dem großen Meister gegenüber.

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