Hier ist BIO Pflicht

BIO-Markt - aussenUnd zwar von Haus aus! Endlich ist das Rad aus dem Keller und ich fahre mal wieder durch die „gehobene Gegend“ im östlichen Teil Berlins. Prenzlauer Berg ist bekannt für die vielen gepflegten Einzelhandelsgeschäfte und Bio-Läden. Die LPG BIOMARKT ist inzwischen eine große Kette und betreibt hier auf zwei Etagen den größten Bioladen weit und breit – mit angrenzendem Bistro an einer zentralen Ecke: Kollwitzstr. / Senefelderplatz. Vor der Tür werde ich von einer großen, glücklichen Kuh begrüßt, an der kein Kind vorbei kann, ohne ihr die Hand ins Maul zu stecken.

BIO-Markt - RolltreppenVom riesigen Angebot werde ich fast erschlagen. Obst und Gemüse aus der Region nehmen viel Platz ein. Die riesige Käsetheke und eine ganze Wand voller Kühlschränke mit Glastüren, die das Frische-Angebot sichtbar machen, imponieren, ebenso das Laufband, das in die erste Etage führt. Im großen Kühlregal stehen Produkte, die Firmennamen wie Rapunzel und Zwergenwiese tragen. Muss Öko verniedlicht werden, damit es besser schmeckt?

Oben wird das Lebensmittel-Angebot noch um einiges erweitert: Kinder- und Erwachsenenbekleidung, Spielzimmer mit Karussell und kleiner Rutsche; ein großes Programm an Biokosmetik und ein WC mit Wickelmöglichkeit finden die jungen Familien, die hier vorwiegend in Begleitung Ihrer Kinder einkaufen, vor. Das tranig verträumte Image der früheren Ökoläden, die man nur mit selbst gestrickten, grauen Socken betreten durfte, hat sich gründlich geändert. Es riecht nicht mehr nach Tofu und radikalen Gedanken, sondern nach Marketing mit einem guten Konzept.
BIO-Markt - SchilderIch reihe mich in die Backshop-Schlange ein. Hier gibt es alle möglichen gesunden Brotsorten und Brötchen, Kuchen und Torten, die nicht mit dem gefährlichen Industriezucker gesüßt sind, sondern mit Ahorn-Sirup oder Guaven-Dicksaft. Ich nehme einen schlichten aber unbedingt „fair gehandelten“ Espresso. Ich spüre ein angenehmes Hungergefühl und werde mich nach nebenan ins Bistro begeben, denn man soll ja nicht hungrig einkaufen!

Hier ist Selbstbedienung, aber vorher wird natürlich das Angebot studiert. Die Salate und Desserts in der Glasvitrine sehen verlockend aus und die warmen Speisen decken für Fleischesser und Veganer gleichermaßen nach allen Regeln der Öko-Küche unter Weglassung von Gluten, Lactose und anderen Fremdworten das moderne Ess-Bedürfnis ab. BIO-Markt - Kinder 2Ich wundere mich über die vielen Eltern mit kleinen Kindern, die hier zu Mittag essen. Fliehen sie vor der Putzfrau, die zu Hause wütet? Oder hatte Muttern in der Schule keinen Kochkurs belegt? An der Kasse werde ich aus den Gedanken gerissen, weil ich nach meiner Karte gefragt werde. Nein, ich habe keine. Da es sich hier um einen Genossenschaftsbetrieb handelt, kann man gegen Geld Mitglied werden und erhält eine Mitgliedskarte. Beim Zahlen vorgezeigt, erhält der Kunde Rabatt, alle anderen müssen die gesalzenen Preise zahlen.

BIO-Markt - Mutter-KindAber ich habe für 6,50 € schon schlechter gegessen, mein Lamm-Ragout war sehr schmackhaft und der Milchreis mit Apfelmus als Dessert für nur 2,20 € ebenso. Ich könnte mich an dieses frisch zubereitete Essen gewöhnen. Mit etwas Glück und einem Blick auf die günstige Uhrzeit kann man auch hier ungestört sitzen, konsumieren und schauen. Manchmal hat man Pech und muss sich das Getue der Nonkonformisten und Frankreich-Urlauber anhören, die hier nach einem bestimmten Hühner-Käse aus der Bretagne suchen. Die schwarzen Nerd-Brillen und 5-Tage-Bärte werden hoffentlich irgendwann wieder unmodern. Und die Parkas mit Pelzkragen verschwinden aufgrund steigender Temperaturen bald.

BIO-Markt - WeinNachdem ich brav mein Tablett zurück gebracht habe, mache ich eine große Biege, um von hier aus wieder in den Laden zu gelangen. Jetzt bin ich satt und habe nicht das Bedürfnis, ein paar Gramm Frischfleisch zu kaufen. Gutes und Gesundes hat nun mal seinen Preis. Eine große Auswahl bester Wein- und Sektsorten steht vor mir und ich sehe, wie ein junger Mann mit Rucksack gleich sechs Flaschen mit gleichem Etikett in den Einkaufswagen legt. Wahrscheinlich will er in den  Rabatt-Genuss kommen, denn beim Kauf von sechs Flaschen von einer Sorte gibt es die Siebente gratis! Na bitte, Bio lohnt sich doch!

LPG BioMarkt
Kollwitzstraße 17
10405 Berlin
Telefon: 030 – 322 97 14 00
Geöffnet: Montag bis Samstag  9.00 bis 21.00 Uhr
Backshop: Montag bis Samstag 7.00 bis 21.00 Uhr
Sonntag 9.00 bis 15.00 Uhr

BISTRO
Täglich geöffnet von 11.00 bis 18.00 Uhr

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