Marmorkuchen im Museum

Gropius - EingangSo viel Marmor wie hier im Treppenhaus und im atemberaubend großen Lichthof habe ich selten in einem Museum gesehen. Der Vergleich mit dem bekannten und beliebten Rührkuchen kommt mir jetzt etwas lächerlich vor, aber genau so ist der Begriff entstanden: Durch das Verrühren von hellem und dunklem Teig, der mit Kakao gefärbt wird, entsteht beim Backen ein Schlierenmuster, das mich an Marmorkuchen erinnert. Ein Stück davon kann der Kunstfreund sogar ganz entspannt im CAFÉ GROPIUS genießen.

Ich befinde mich in einem der schönsten Bauwerke Berlins, im MARTIN-GROPIUS-BAU in Kreuzberg. Dieser Leuchtturm der großen Künste wurde im Jahr 1881 als Kunstgewerbe-Museum eröffnet und wurde von den Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden im Gropius - BuchshopStil der italienischen Renaissance erbaut. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude schwer getroffen und erst in den 1970er Jahren restauriert. Es liegt unmittelbar an der Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg. Diese Lage war schon speziell, denn die Berliner Mauer verlief bis 1990 direkt vor dem Hauptportal.
Ich stehe jetzt von echtem Marmor umgeben im Treppenhaus eines der schönsten und außergewöhnlichsten Ausstellungsgebäude Deutschlands. Hochklassige Ausstellungen brachten Millionen von Besuchern.

Bevor ich mir eine Eintrittskarte kaufe, zieht es mich jedoch erst einmal in die hauseigene Buchhandlung, die dem Café direkt gegenüber liegt. Sie ist ständig von Besuchern umlagert und bietet unendlich viele schöne Postkarten, Bücher, Plakate und Geschenkartikel intellektueller Art an.

Die große Treppe führt mich in die Ausstellung der Sammlung Bayer und ich kann mich nach Lust und Interesse tummeln und mir mein Lieblingsobjekt zwischen den Werken „Von Beckmann bis Warhol“ aussuchen. Nach so viel Kunst und so vielen Menschen, die mir ständig die Sicht versperren, fühle ich mich Gropius-Bau - Cafeerschöpft und brauche dringend eine Erholungspause dort unten im Café, auf den Lederbänken unter Kristall-Lüstern an Marmortischen! Den Marmorkuchen könnte ich der Dame am Nebentisch empfehlen – mir tut jetzt ein erfrischendes Bier gut. Und aus der „gehobenen Gastronomie“ der Tageskarte suche ich mir „Tafelspitz vom Kalb“ mit Meerrettichsauce, Bouillonkartoffeln & Rote Beete-Salat aus. Der leicht gehobene Preis ist wohl normal an diesem Ort. Wäre ich bis 14 Jahre alt, so könnte ich mir laut Karte Nudeln mit Tomatensauce für 3,50 € bestellen, oder ein „Gemüsetöpfchen mit weißen Bohnen“ für schlappe 3,- €. Doch eigentlich bin ich froh, dass ich schon über 14 bin und mir hin und wieder eine Erwachsenen-Portion mit allem Drum und Dran leisten kann!

Gropius - Koeche2Langsam leert sich das Bistro, die Mittags-Schlacht haben die Köche und Kellner wieder einmal geschlagen und legen nun eine kleine Pause an der frischen Luft ein. Nur hier im Freien darf geraucht werden – und als Gruppe raucht es sich doppelt schön (sowohl bei den Gästen, als auch beim Personal in Schwarz und Weiß), und man kann dabei das Neueste vom Tage austauschen. Nur wenige Schritte weiter wartet eine Reisegruppe auf weitere Bedienung und hebt schon die Gläser gen Himmel, was wohl „Nachschub“ bedeuten soll.
Gropius - SchweizerIm Sommergarten des Gropiusbaus verweilt der Kulturfreund gerne, weil er dort getrennt von der lauten Straße sitzen kann. Noch ist es ein „Frühlingsgarten“, denn die großen Eisbecher mit Sahne-Türmchen und schwarzen Kirschen und Waffeln werden noch nicht aus der Küche herüber geschleppt. Hier geht es heute weniger üppig zu: Weinschorle, Bier, Limo, Kaffeesorten und Salate sind bei dieser fröhlichen Truppe angesagt. Nach der kleinen Auszeit läuft der Betrieb normal weiter, denn die Kaffeegäste müssen dringend mit Marmorkuchen versorgt werden.

Café + Bistro Gropius im
MARTIN-GROPIUS-BAU
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
Tel.: 030 – 25 48 64 03
Geöffnet:
Mittwoch bis Montag: 10.00 bis 20.00 Uhr

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