Schwyzerdütsch trifft Berliner Schnauze

NOLA - Wiese 2Nicht etwa in der Schweiz, wo es die ganz feinen Weine gibt, findet das Aufeinandertreffen statt. Der Weinberg liegt in Berlin Mitte. NOLA’s AM WEINBERG heißt die interessante Adresse. Hier sind nicht wirklich Weinstöcke zu sehen, die guten Sorten werden importiert und im Restaurant angeboten. Der kleine Volkspark an der Weinmeisterstraße, nahe am Rosenthaler Platz, wird bei schönem Wetter von Sonnenanbetern gerne besucht, die hier (auch „oben ohne“!) dann dicht gedrängt wie die Sardinen in der Büchse beieinander liegen. Die Kinder spielen derweil auf dem großen Spielplatz, der zum Park gehört. Im Winter bei Schnee rutschen sie nicht in die Sandkiste, sondern rodeln vergnügt den kleinen Weinberg runter.

Nolas - SkiAn einem Wintermorgen im Jahre 2009, der Berlin-Mitte so viel Schnee beschert hatte, wie man es sonst nur aus der Alpenregion kennt, beschloss Stefan Schneck aus dem Kanton Zürich, hier ein Schweizer Berg-Restaurant zu eröffnen. Das Gebäude aus den 50er Jahren hatte einen schrillen Charme und musste nur entsprechend ausgebaut werden. Es wurde viel Holz verarbeitet, ein Kamin eingebaut und Opas Holz-Skier wurden dekorativ an die Wand genagelt. Eine vergilbte Schweizer Landkarte, Plakate mit (der für die Schweiz typischen) Rivella-Werbung und hier und da dezent aber Nolas - Streichhoelzerpräsent ein Schweizerkreuz auf Gläsern oder Streichholzschachteln sorgen dafür, dass es ins Bewusstsein dringt, wo der Gast sich befindet. Diese Luxus-Ski-Hütte bekam noch eigenwillige Deckenlampen mit Schirmen aus Papier, so dass es im Winter an Gemütlichkeit nicht fehlt. Seitdem kommen die heimatlosen Schweizer in Scharen hierher und treffen sich zum Nola's - innenChäs-Fondue, zum Züri Geschnetzelten oder Tessiner Rösti und trösten sich danach gerne noch beim Appenzeller Alpenbitter, einem Chrüter (Kräuterbrand) oder einem edlen Vodka Xellent (mit Gletscherwasser).

In der wärmeren Jahreszeit ist die Terrasse mit ihren 250 Plätzen an der Sonne unschlagbar. Der schweizfreundliche Berliner führt die Gäste aus dem Westen dann gerne am Sonntag zum Brunch hierher oder kommt sowieso mit der janzen Mischpoke, denn in der Hauptstadt wurde „Brunchen“ zur 5. NOLA - Gaeste rechtsJahreszeit erklärt. Darum wieder einmal die wichtige Empfehlung an dieser Stelle: Reservieren Sie! Von 10.00 bis 15.00 Uhr tobt hier die Schlacht am Buffet. Gäste mit Ausdauer oder Spätkommer erwischen dann den köstlichen Apfelstrudel mit Vanillesauce aus großen Karaffen. Frisches Obst wird ständig nachgelegt, und das berühmte Bircher Muesli ist reichlich im Frühstücksangebot. Blinis und Lachs, dazu Dillschmand oder wohlschmeckende Tomaten (die auf Buffets selten sind) mit handgemachtem NOLA - SchriftBasilikum-Pesto und Büffel-Mozzarella sind Qualitäts-Indikatoren. Rührei mit Speck und Bratwürstchen kann ja jeder ….. Wer über den Standard-Kaffee oder -Tee hinaus noch aufstocken will, bestellt beim freundlichen Personal, das sonntags Marathon läuft, was NOLA’s aus Küche und Keller zu bieten hat.

An anderen Wochentagen wird hier ebenfalls Frühstück gereicht, aber dann bestellt man sich „Gmischts z‘ Morgä“ oder nur Ovomaltine mit Milch (Häsch dini Ovi hüt scho gha?). Aber zum Glück heißt hier Espresso doppio ebenfalls espresso doppio. Man sollte auch den original Schweizer Durstlöscher, das Rivella probieren! Es ist gesund, natürlich und einzigartig, weil es auf Milchkomponenten basiert. Den weniger gesund Lebenden sei das St. Galler Klosterbräu empfohlen, ebenso das tschechische Schwarzbier Krusovice oder das helle Franziskaner Hefeweizen. Alles frisch vom Fass. Die Biere passen gut zur „währschaften“ Schweizer Küche. Wein-Liebhaber kommen NOLA - Gaeste linksebenfalls gut auf ihre Kosten.
Fendant ist der Pflichtwein zum Fondue. Ebenfalls gut und geradlinig ist der Chasselas Romand aus der Westschweiz. Bei den Roten werden hier die Walliser Weine Bacchus und Humagne Rouge empfohlen, oder die Goldbeere aus der Ostschweiz. Dem Heimweh-Alpenländer wird dann als Dessert auch noch zum „süessi Tröimli“ verholfen und danach zum Verdauerli.

Ein schöner Fleck Schweiz in Berlin, über den sein Inhaber sagt:
„Umgeben von deutscher Gründlichkeit, französischem Savoir- vivre und italienischem Dolce vita  hat sich in der Schweiz seit 100 Jahren eine Gastlichkeit von Weltruf etabliert. Mir froied ois uf euiä Bsuäch“.

Die Berliner Schauze wird von den Schweizern gerne gehört und verteidigt. In diesem Dialog muss der Berliner aber mal zurückstecken, weil er einfach nichts versteht!

NOLA’s am Weinberg
Veteranenstraße 9
10119 Berlin
Tel.: 030 – 44 04 07 66
Geöffnet: täglich 10.00 bis 1.00 Uhr
(Küche bis 23.00 Uhr)

0 Gedanken zu „Schwyzerdütsch trifft Berliner Schnauze

    • Als halbe Schweizerin – jedes Jahr im Engadin.. ist das ein toller Tipp und sehr witzig geschrieben. Danke für den Tipp … denn obwohl als Viel-Leserin war es mir NEU!! Bitte, weiter so!!!

  1. Wie absolut wunderbar. Ich komme ursprünglich aus der Schweiz und arbeite gleich am Rosenthalerplatz. Ich habe das Restaurant schon oft gesehen, habe aber noch nicht realisiert, dass das ein Schweizerlokal ist. Da werde ich schnellstmöglich speisen!

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