Grüner Veltliner beim Roten Poeten

Majakowski - Speisekarte„Um zu lachen, muss man ein Gesicht haben“, so lautet ein Zitat des großen sowjetischen Poeten Wladimir Majakowski. Auf diesem Foto hat er keinen Grund zur Freude, weil er das Speisen- und Getränkeangebot des Gasthauses, das seinen Namen trägt, noch nicht kannte. Majakowski starb 1930, das Gasthaus im Nord-Berliner Stadtteil Niederschönhausen am Majakowskiring, mit der jetzigen, äußerst angenehmen Bewirtschaftung, gibt es in diesem Stil aber erst seit zehn Jahren. Zu frühen DDR-Zeiten standen hier für die Staatsbesucher noch ganz andere Dienste zur Verfügung: eine Schneiderei, ein Friseursalon und ein Schuhmacher. Damals war man in Repräsentationspflichten noch ungeübt, darum musste bei Gästen und Gastgebern oft „nachgebessert“ werden.

Die Inhaber, Andreas Herrmann-Mai und seine Frau Ante kommen von der Bühne, sie war Tänzerin, er Regisseur. Da ist es kein Wunder, dass sie sich mit dem Namen ihres Gasthauses MAJAKOWSKI wohl fühlen, denn der futuristische Dichter schrieb unter anderem auch Theaterstücke. Seine Themen waren Majakowski - Haus(natürlich) Liebe, Revolution, Religion und Kunst, die er sehr eigenwillig umsetzte. Seine Sprache war die Sprache der Straße.

In Moskau trägt eine Metro-Station seinen Namen. Und in Berlin trägt eine Straße seinen Namen, die nicht nur seinetwegen berühmt wurde. Der Majakowskiring war zu DDR-Zeiten ein geheimnisumwittertes Gebiet, denn hier wohnten die Mächtigen in feinen Villen mit großen Gärten. Im Volksmund war es die Straße der Oberindianer, die kein Normalbürger betreten konnte, denn hier war alles verriegelt. Das „Städtchen“ wollten Walter Ulbricht, Erich Honecker, Otto Grotewohl, Hilde Benjamin und auch Johannes R. Becher, etc. für sich haben. In den „Wohnzimmern der Macht“ brauchte man keine Zuschauer und erst recht keine Kritiker.

Majakowski - draussen, rechtsDarum ist die historische Fachwerkvilla heute um so einladender. Der schöne Sommergarten unter alten Bäumen bietet allen Feinschmeckern, Familien, Geschäftsleuten und Liebespaaren eine schöne Bühne. Wenn in der Dunkelheit die alten Lichterketten mit den NARVA-Glühlampen aus DDR-Rest-Beständen angehen, ist man froh über diese Nostalgie, denn kein Spar-Licht ist so stimmungsvoll. Die hochgelobte Küche hat eine vorzügliche, wöchentlich wechselnde Abendkarte, aber auch Kohlrouladen, Majakowski - VorbereitungNeulandbratwürste mit Bayrischem Kraut, Brotzeit, köstliche Salate und hausgemachte Kuchen zu fairen Preisen.
Das umfangreiche Getränkeangebot hat an diesem Sommerabend einen Star. Grüner Veltliner vom Weingut Krell aus dem Weinviertel in Österreich. An den umliegenden Tischen werden ebenfalls die gut gekühlten, beschlagenen Halbliter-Karaffen serviert. Eine Freude, auch am Genuss der Tischnachbarn teilzuhaben, denn dieser Wein schmeckt auch nach dem Dessert, einer schön dekorierten Mandel-Torte mit Aprikosen-Sauce und Minz-Blättern.

Dieses ehemalige Gästehaus der DDR, das zwischen Bürgerpark und Schloss Niederschönhausen liegt, ist so zu seinen Ehren gekommen. Was einst nur für Staatsbesuche vorgesehen war, ist heute für jeden Gast zugängig. Majakowski - Feier, draussenProminente von heute feiern hier ihre Jahrestage und Hochzeiten wie auch Gregor Gysi oder Giovanni di Lorenzo. Bestimmt haben sie hier unter den Lindenbäumen gesessen und über den Staatsbesuch von einst geschmunzelt: Nikita Chruschtschow trank dort, wo heute das Büro der Geschäftsführung ist, Champagner.

Damals gab es hier auch noch keinen Buddelkiste für Kinder und keine Schaukel, aber heute können sich die Muttis aus den durchsanierten Nachbarvillen ganz ungestört in der Kaffeestunde mit ihren Freundinnen treffen und sich gegenseitig Gedichte von Majakowski vorlesen. Oder sie wählen mit dem MP3-Player die musikalische Variante und singen mit Udo Lindenberg noch einmal den „Sonderzug nach Pankow“.

majakowski.gasthaus
Inh.: Andreas Herrmann-Mai
Majakowskiring 63
Pankow-Niederschönhausen
13156 Berlin
Tel.: 030 – 49 91 82 50
Geöffnet:
Dienstag – Sonntag: 12.00 bis 24.00 Uhr

0 Gedanken zu „Grüner Veltliner beim Roten Poeten

  1. Für uns ist es eine kleine Tagestour ins „Wohnzimmer der Macht“, aber es hat sich jedes Mal gelohnt. Das Essen ist immer sein Geld wert. Im Sommer liebe ich den Garten! Claudia

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