Ausflug in die Hochkultur

Literaturhaus - HausDer Kurfürstendamm ist lang und hat viele Querstraßen. Ich biege in die Fasanenstraße ein, denn in unmittelbarer Nähe residiert das LITERATURHAUS. Hier ist heute Abend eine Veranstaltung, die mich interessiert. Schon der Anblick dieser Gründerzeit-Villa in einem Skulpturengarten mit alten Bäumen, schönen Sträuchern und Blumen ist eine Erholung. So empfinden es sicherlich auch die Gäste, die hier draußen zu Abend essen, denn die Küche im CAFÈ WINERGARTEN hat einen guten Ruf. Aber ich möchte mich noch nicht vom Duft des Wild-Ragouts mit Steinpilzen verführen lassen, denn in diesem Haus steht ja die Literatur an erster Stelle!

Literaturhaus - FoyerMeine Veranstaltung ist für den „großen Saal“ angekündigt, und ich betrete die Heilige Halle durch ein holzgetäfeltes Foyer, dann durchschreite ich einen etwas merkwürdigen, weihevollen Marmorbogen mit dekorativem Mosaik. Die Veranstaltung ist restlos ausgebucht und die zu spät Gekommenen drängen sich an den Rändern des Raumes, um den Worten des Preisträgers zuzuhören. Es wird immer voller und wärmer hier oben. Vor dem Raum wird jetzt ein Getränkebuffet aufgebaut, aber ausgeschenkt wird erst, wenn der Griffel gefallen ist. So lange kann ich nicht warten, die hohe Kultur möge mir verzeihen; ich begebe mich eine Treppe tiefer in die Niederungen Literaturhaus - Gaeste 2des Biergenusses! Inzwischen fühle ich mich wie in der Sahara, denn die Bedienung schein Pause zu machen, oder ein Buch zu lesen, denn eine weitere Treppe tiefer befindet sich eine exklusive Buchhandlung: KOHLHAAS & COMPANY. Die Auswahl, die komplette Beratung und der Herzschlag dieses Hauses machen den Unterschied zu den Bücher-Ketten-Läden. Ein Haus für Leser und eine Begegnungsstätte mit Autoren aus aller Welt, das waren die Gründungsideen, die andere Städte inzwischen aufgenommen haben.

Literaturhaus - WintergartenIm Wintergarten sitzen lauter
Leute, die nach Literatur aussehen. Entweder lesen sie in teuren Zeitschriften, oder sie unterstreichen in dicken Büchern wichtige Passagen. Einige unterhalten sich über den Literaturbetrieb oder besprechen die Aufführungen der Saison. Kurze Unterbrechungen, wenn der überlastete Service die Speisen bringt, werden genehmigt. Ich sehe kleine Portionen auf großen Tellern. Es duftet angenehm, darum bestelle ich mir eine Kürbiscreme-Suppe mit Apfelstückchen und zwei große Garnelen. Ich kann es nachvollziehen, dass die Gäste begeistert sind, denn meine Suppe schmeckt vorzüglich und der Teller mit französischen Rohmilch-Käsesorten ist die Krönung. Das Brot ist knapp, wird aber auf ausdrücklichen Wunsch nachgeliefert.

Inzwischen füllen sich die drei ineinander übergehenden Räume des CAFÈS mit Leuten aus der Veranstaltung oben. Das Personal hat viel zu tun, darum legen manche Gäste eine Raucherpause ein. Obwohl es in diesen Rahmen gut passen würde, sehe ich leider keine Frau mit langer Zigarettenspitze oder Feder-Boa. Lediglich an einem kleinen, frechen Hut, den eine Madame X trägt, kann ich eine Feder entdecken.

Literaturhaus - GaesteFür viele Charlottenburger ist das Haus seit 1986 zu einer Institution geworden, die sie gerne besuchen. Sehen und gesehen werden, aber bitte mit Stil, das ist hier die Parole. Auch literaturinteressierte Touristen kehren hier gerne ein, denn das Haus bietet gute Veranstaltungen. Geleitet wird es von dem rumänischen Literaturwissenschaftler und Lyriker Ernst Wichner. Internationale Festivals, Preisverleihungen, große Autorenabende, Lesungen, Ausstellungen, Diskussionsrunden und sogar musikalische Darbietungen gehören zum umfangreichen Programm, das so abwechslungsreich ist, wie Literaturhaus - Schaukastendie Geschichte des 1889 erbauten, jetzt denkmalgeschützten Hauses. Später war es unter anderem: ein Lazarett, eine Volksküche, ein Teil der Humboldt-Universität, Bordell und Diskothek. Dann sollte es zu Gunsten einer Stadtautobahn abgerissen werden, aber eine Bürgerinitiative hat es gerettet. Und das ist gut so!

LITERATURHAUS BERLIN
Fasanenstraße 23
10719 Berlin
Tel.: 030 – 88 254 14
Geöffnet:
Täglich von 9.30 Uhr bis 1.00 Uhr

0 Gedanken zu „Ausflug in die Hochkultur

Schreiben Sie einen Kommentar