Eile mit Weile

Oxymoron - aussenDas Restaurant OXYMORON lockt mit seinem griechischen Namen. Werden hier Schafskäse, Grillteller und Restsina serviert? Das lässt sich schnell prüfen, denn ich sehe einen Aufsteller mit der Tageskarte. Pasta, Risotto, Gazpacho, Serrano-Chip, Brandenburger Spargel – das erinnert doch eher an mediterrane Küche mit regionalem Einfluss.
Ich befinde mich einmal wieder in Berlins verwegener Mitte und wollte die Besucher-Hochburg der Hackeschen Höfe eigentlich meiden – aber schließlich ist Berlin ja auch für die Berliner da.

Oymoron - H.MarktWas will der schwierige Name OXYMORON uns sagen? Das Lexikon teilt mit, dass es sich um eine rhetorische Figur handelt, von zwei Begriffen, die sich ausschließen, wie „bittersüß“, „Hassliebe“, „offenes Geheimnis“ oder „Eile mit Weile“. Im Griechischem (lag ich mit griechischer Küche etwas doch nicht ganz so falsch?) bedeutet oxys scharfsinnig und moros dumm. Welcher Widerspruch den Namensgeber des Restaurants 1997 bei der Eröffnung getrieben hat, liegt im Bereich der Spekulation. „Eile mit Weile“ gefällt mir am besten, weil ich dabei augenzwinkernd an das Personal denke.

Nach diesem schlauen Ausflug ist mein Kaffee kalt geworden, er dient jetzt nur noch der Schönheit, und ich wünsche mir zum Business-Lunch (zwei Gänge 9,50 / drei Gänge 11,- Euro) einen leichten Weißen aus Frankreich. „Entre deux Mers“: Ist „zwischen zwei Meeren“ auch ein Widerspruch? Dann wähle ich wohl doch einen Wein von der Loire, das ist eindeutig.

Oxymoron - innenHeute ist Karotten-Kokos-Ingwersuppe mit Korianderblättern der erste Gang. Feine Zutaten, die gut zu einander passen, sind ein Genuss!
Ein gebackenes Schollenfilet mit Zitronenbutter, Kartoffeln und Blattspinat begeistern nicht nur den Magen; zwei blaue Blüten und die Blätter der Zitronenmelisse waren sehr dekorativ an den Tellerrand gelegt.

Die Front mit den bodentiefen Fenstern bietet einen idealen Platz, um den Publikums-Strömen aus aller Welt zuzuschauen. Alle Besucher der weiteren Höfe müssen an dieser Ecke vorbei. Ich fühle mich wie im Kino.

Oxymoron - LeuchterEs ist Zeit, auch einen Blick nach innen zu werfen, der sich wirklich lohnt. Zwei großzügig geschnittene hohe Räume, üppige Messingleuchten unter der Decke, handgemachte Tapeten an den Wänden, gesteppte Ledersofas, gemütliches Holzgestühl, ein riesiger Tisch mit großem Blumenstrauß und umfassendem Zeitungsangebot in der Mitte – das alles in Braun-Beige-Gold-Tönen, wie eine Melange aus Pariser und Wiener Charme der 20er Jahre. Vom Bar-Mann, der noch heftig Gläser putzt, bevor die durstigen Damen und Herren Platz nehmen, erfahre ich, dass dieser Ort schon 1907 als marokkanisches Oxymoron - BogenRestaurant berühmt war. Eine letzte Erinnerung an den Beginn einer wechselvollen Nutzungsgeschichte ist der maurische Bogen an der Wand hinter der großen, ovalen Bar. Vor der Sanierung der Hackeschen Höfe Mitte der 1990er Jahre war hier eine Trabi-Werkstatt. Seit 1997 knüpft man wieder an die Ursprungsidee an, Gastronomie und Entertainment in einem boomenden Viertel zusammen zu bringen und aufleben zu lassen. Hier am Ort sorgen erfolgreich Einzelhandelsgeschäfte, Ateliers, Galerien, Kino, Theater, Kabarett und Festsäle für Abwechslung und Lebendigkeit. In den Höfen wird gewohnt, gearbeitet, und sich amüsiert, wie früher.
Oxymoron - draussenFreitags und samstags sorgt ein DJ mit perfekter Licht- und Tontechnik für „Lounge-Ambiente“. Bei gutem Wetter sind die 120 Plätze vor dem Restaurant schnell besetzt, denn so mittendrin schmeckt der Gin-Tonic oder der Campari-Orange erst so richtig nach Großstadt. Und das ist kein Widerspruch!

OXYMORON
Hackesche Höfe
Rosenthaler Straße 40/41
10178 Berlin
Tel.: 030 – 28 39 188 6
Geöffnet: täglich ab 8.00 Uhr
(Küche bis 24.00 Uhr)

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