Ein Tier namens Schnitzel

Zum 3. Mann - SchnitzelDas Leibgericht von Björn Nitz ist das Wiener Schnitzel, das echte aus Kalbfleisch, das in 180 Grad heißem Butterschmalz schwimmend ausgebacken wird. Vorher wird es fein paniert, wobei die Brösel nicht zu fest angedrückt werden dürfen, damit die Panade „soufflieren“ kann und das Fleisch gleichmäßig gart. Das gute Stück gibt es in seinem Restaurant als große oder kleine Portion, die mit Erdäpfel-Radieschen-Salat und Rahmgurken serviert werden.

Die Liebe zur österreichischen Küche manifestierte sich bei Björn Nitz durch dieses „Nationalgericht“ und er sattelte vom Energie-Elektroniker um und wurde Koch. Die Ausbildung erfolgte noch in Stolpe, aber dann lockte auch schon ein Arbeitsplatz in Berlins berühmtester Schnitzelstube, dem Restaurant Borchert am Gendarmenmarkt, wo die Freundschaft zur feinen Küche vertieft wurde. Es folgten Gastronomie-Erfahrungen auf Mallorca und im Restaurant „Schoenbrunn“ im Volkspark Friedrichshain.

Zum 3. Mann - aussen - neuEnde 2008 konnte er sein zukünftiges Restaurant im Prenzlauer Berg in Berlin übernehmen. Er investierte viel Kraft, Zeit und Geld, um sich diesen Traum zu erfüllen und ein österreichisches Restaurant für gehobene Ansprüche entstehen zu lassen. Es sollte auch einen besonderen Namen haben und sich so von der übrigen Gastro-Szene absetzen. „Zum dritten Mann“ sollte es heißen.

Zum Lieblings-Essen gesellte sich der Lieblings-Film: der 1949 in Wien gedrehte Spionagefilm von Carol Reed, DER DRITTE MANN, der von einer Schieberbande im Nachkriegs-Wien erzählt und durch seine ungewöhnliche Kameraführung und der weltberühmt gewordenen Zithermusik zu einem wahren Kultfilm wurde. Inspirationen aus diesem Film bestimmen Zum 3. Mann - innen, Bardie Einrichtung. Licht und Schatten sind geschickt eingesetzt, Tresen und Bar sind durchgehend mit Rhomben/Rauten-Muster dekoriert und beleuchtet. Die Wände sind passend dazu ebenfalls „gerautet“, die edle Tapete nimmt das Muster durchgehend bis zu den Waschräumen auf.
Außer Licht und Schatten bestimmen die Farben Schokobraun und Erbsengrün den elegant und sparsam eingerichteten Gastraum. Ich bin gespannt, wie sich mein Appetit farblich entwickeln wird. Der Gruß aus der Küche duftet jedenfalls versprechend: Ein Steinpilz-Maronensüppchen wird im Glas serviert und schmeckt vorzüglich. Der Korb mit zwei Sorten fein geschnittenem Brot kommt mit einer Portion Rote-Beete-Butter. Eine Premiere für mich und wieder ein Geschmackserlebnis! Ich bin schon total begeistert, bevor mein bestelltes Hauptgericht kommt: Rindertafelspitz mit Apfel-Meerrettich-Rahm, Bouillongemüse und Erdäpfel-Kräuterstampf. Ein sehr schmackhaftes Abendessen, das ich bestimmt bald wiederholen werde. Es gibt hier nichts Grobes, der Service ist ebenso fein wie die Speisen: gut und unaufdringlich, perfekt! Die Weinempfehlung heißt heute Welschriesling und passt gut zum Essen.
Zum 3. Mann - KinderraederZum 3. Mann - wartende Gaeste
Meine Tischgenossen stoßen zu ihrem köstlich duftenden Backhendl von der Poulardenbrust mit St. Georgen Blaufränkisch an. Es sind Nachbarn aus der Straße, die ebenso des Lobes voll sind. Sie berichten, dass es im „3. Mann“ abends durchaus noch möglich ist, spontan einen Platz zu bekommen, während am Wochenende doch großes Gedränge herrscht und die Außenplätze bei gutem Wetter auch im Herbst sehr schnell besetzt sind. Der kinderreiche Stadtteil Prenzlauer Berg hat natürlich auch Fahrrad-Parkplätze für die jüngsten Gäste direkt vor dem Restaurant!

Der „3. Mann“ serviert ausgezeichnetes Frühstück, das à la carte zusammengestellt werden kann. Eine Wohltat, dass es auch mal ohne Brunch-Buffet geht. Die Hinweise auf Bio oder Vegan fehlen. Das Prinzip: nur beste Zutaten und Liebe zum Beruf bedürfen keines besonderen Hinweises, meint der Chef.

Zum 3. Mann - Chef, draussenInzwischen ist bei angenehmen Gesprächen etwas Zeit vergangen und ich bin neugierig auf ein kleines Dessert geworden: Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröstern und Vanille-Eis wäre jetzt der typische Ausklang, so denke ich …., aber der Koch, stets um das leibliche Wohl seiner Gäste bemüht, nicht um Überfütterung, empfiehlt ein kleines Champagner-Parfait mit marinierten, hauchfeinen Apfelringen und karamellisierten Haselnüssen. Danach Espresso und Marillen-Brand. Völlig klar. Aber danach jage ich den „Dritten Mann“ nicht mehr – danach gönne ich mir zur Krönung des Tages nur noch ein Taxi ….. Servus!

Restaurant „Zum dritten Mann“
Catering – Homecooking – Feste aller Art
Kollwitzstraße 87
10435 Berlin
Tel.: 030 – 40 50 50 18
Geöffnet:
Dienstag – Freitag: 12.00 bis 01.00 Uhr
Samstag u. Sonntag: 10.00 bis 01.00 Uhr

0 Gedanken zu „Ein Tier namens Schnitzel

  1. Oh, was für eine zauberhafte Empfehlung. Klingt wirklich gut . Warum nicht Österreich in kulinarischer Form vor einem Wien-Besuch, genießen? Ich hätte Lust und Appetit…
    Danke

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