Im schönsten Salon Europas

Venedig - KatedraleNicht nur Kaiser Napoleon war hier zu Gast. Aber von ihm stammt diese schöne Zeile, mit der er den Markusplatz in Venedig meinte. In diese viel besungene und beschriebene Stadt zieht es seit Jahrzehnten die Liebenden, die Sehnsüchtigen, die Touristen aus aller Welt. Sind sie angekommen, können sie die Lagunenstadt gut zu Fuß oder mit dem Vaporetto erkunden. Den lauten Lockrufen der Gondoliere kann dabei kaum jemand widerstehen und viele lassen sich gleich zwei Mal von einem Ufer zum anderen Ufer rudern. Hat der Gast die Haltestelle San Marco erreicht, entlässt ihn der freundliche Gondoliere im Ringelpullover mit Strohhut (seine Dienstkleidung) an diesem phantastischen Ort. 

Venedig - FlorianEr steht im Wohnzimmer der Renaissance, umgeben von prachtvollen Palästen und Säulenarkaden. Auf dieser unendlich großen Piazza befindet sich eines der berühmtesten Cafés der Welt: das 1720 gegründete Café FLORIAN, das seinen Namen nach dem ersten Besitzer erhielt. Noch heute hat es eine stilvolle Einrichtung, allerdings aus dem 19. Jahrhundert. Die Wandgemälde, Venedig - innenvergoldete Ornamente, viele Spiegel, zierliche Möbel und alte Teppiche tragen ein nötiges Maß an Patina, so dass sich der Besucher wie auf einer Opernbühne fühlt. Wären nicht so viele Japaner und Amerikaner in üblicher Lautstärke drum herum, wäre das Bühnenbild noch ein wenig echter und typischer.

Hier traf  sich also einst die elegante venezianische  und internationale Gesellschaft!  Zu den berühmten Gästen zählten  Johann Wolfgang von Goethe und Lord Byron, der Dichter des Weltschmerzes, der seine Italien- und Griechenland-Abenteuer in Verserzählungen hier niedergeschrieben haben soll. Der Geheimrat Goethe hat für diesen Ort einen Cocktail namens BELLINI unsterblich gemacht. Dazu wird weißes Pfirsichmark mit Champagner aufgegossen. Nicht gerade ein Venedig - Kellnerpreiswertes Getränk. Aber das ist hier auch gar nicht vorgesehen. Wer ab 17.00 Uhr im Café oder unter dem Arkaden Platz nimmt, kommt in den Genuss des Platz-Orchesters. Ein Obolus von 6,- Euro pro Person wird automatisch auf der Rechnung vermerkt und erst dann wird der Tourist fast ohnmächtig, weil er sieht, was er sich in den zwei Stunden bei Sonnenuntergang zusammengetrunken hat. Aber ein Blick auf die Gäste rings herum, auf die weiß uniformierten Kellner, die ihr Lachen polieren, auf die berühmten Tauben und die Musiker in den zerschlissenen Anzügen, entschädigen für den nächsten Konto-Auszug.

Bis heute ist das FLORIAN ein Treffpunkt für Literaten, Künstler vieler Genres geblieben. Es würde wohl keinen wundern, wenn plötzlich Casanova um die Ecke kommen Venedig - Marktplatzlwürde, der sich hier tatsächlich nach seiner Flucht zu einem amourösen Rendezvous traf. Zur Zeit des Karnevals im Februar werden diese Klassiker in den Original-Kostümen sicher auftreten. Bis dahin kann mancher Venedig-Fan jedoch nicht warten, so bestellt er sich lieber einen Cocktail aus dem 21. Jahrhundert, der APÉROL SPRIZZ heißt, in der Abendsonne orangefarben glänzt und mit einer Schale großer Oliven, Mandeln und Blätterteig-Gebäck serviert wird. Das ist Luxus pur. Dazu spielt die Kapelle ihm dann Melodien aus den Verdi-Opern. Und er wird seinen Augen nicht glauben, wenn er auf eine beschwipste Gruppe trifft, die nach dem Gefangenenchor aus Nabucco schunkeln. Alles schon gesehen!

Venedig BarkaroleDie Stadt lebt vom Fremdenverkehr. Eine Hafenstadt, in der es keine Polizeistunde gibt. Nach den reichlich kleinen Köstlichkeiten der regionalen Küche, die das FLORIAN unbedingt bereit hält, ist für viele die Stunde der Barkarole gekommen. Neben den öffentlichen Verkehrsmitteln, den Vaporettos, hoffen unzählige schwarz lackierte Gondeln auf ihre Taxigäste. Wer abschließend gerne mit O SOLE MIO in den Schlaf gesungen werden möchte, wird umsonst darauf warten. Das Lied ist hier nämlich streng verboten, denn es gehört nach Neapel!

Caffè FLORIAN
Piazza San Marco 56
I – 30124 Venezia
Tel.: 39 – 045 – 520 5641
Geöffnet: täglich ab 9.00 Uhr

0 Gedanken zu „Im schönsten Salon Europas

  1. Einen Kaffee dort zu trinken, lohnt sich in der Tat! Er ist zwar nicht gerade preiswert, aber wird auf einem silbernen Tablett serviert, zusammen mit einigen köstlichen Keksen und braunem Zucker – wunderhübsch anzusehen. Im Hintergrund spielt eine kleine Band in angenehmer Lautstärke. Für sie und das kleine hübsche Tässchen sind glatte 20 € zu entrichten

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