Durst und andere wichtige Dinge

Irish Pub - TitelAuf der Grünen Insel soll Durst ein schlimmer Zustand sein, der vorwiegend in PUBs geheilt wird. Diese Tatsache ist bis nach Berlin gedrungen. Die großen, hallenartigen Kneipen, in denen überwiegend „Stout“ und Whiskey ausgeschenkt werden, erfreuen sich auch in unserer Metropole großer Beliebtheit. Mein Irish Pub heute nennt sich THE DUBLINER und befindet sich direkt neben dem Kino „Colosseum“ in der Gleimstraße, im Stadtteil Prenzlauer Berg. Nach einem Film mit Überlänge findet die trockene Kehle den etwas versteckten Zugang direkt vom Kino aus trotzdem schnell, zumal jeden Samstag ab 22.00 Uhr Live-Musik ist. Da geht der durstige Mensch einfach der Musike nach!

Irish Pub - EingangAn solchen Abenden scheint die gute Laune nicht zu enden. Die Band spielt auf einer Tribüne über dem Innenraum, allein das ist sehens- und erlebenswert. Gegen 23:00 Uhr erreicht die Stimmung dort ihren Höhepunkt und viele Gäste singen mit. Die irischen Musiker und Sänger/innen wissen genau, wie sie ihr Publikum beglücken können und stimmen eine Art Hymne an: „The Rose from Tralee“. Mit dieser Ballade aus dem 19. Jahrhundert kann der Fan eigentlich immer rechnen, wenn irische Musik gespielt wird. Aber zugehört wird ja nebenbei, eigentlich sind wir zur Durstbekämpfung hier und Irish Pub - Band 2bestellen die legendäre irische Spezialität: frisches Guinness, das in Original-Gläsern zu 0,56 l serviert wird. Das dunkle Starkbier mit 4,2 oo/oo Alkohol schmeckt deutlich anders als unser deutsches Bier, es ist sehr süffig und trinkt sich wie von selbst. Der Barmann erklärt, dass die feste, weiße Krone deshalb zustande kommt, weil das Bier mit einer Mischung aus Kohlensäure und Irish Pub - Ginness - neuStickstoff gezapft wird. Wieder was gelernt! Es schmeckt fast zu gut wie ich sehe, denn die Gäste an der Theke vermitteln den Eindruck, als ginge es bei jedem Guinness darum, heute noch ins gleichnamige Buch zu kommen!

Anders ist es beim Irish Whiskey, der sich schon durch die Schreibweise mit „e“ vom schottischen Whisky unterscheidet. Das Destillat wird in deutlich kleineren Gläsern als das Stout serviert. Irischer Whiskey wird in vielen traditionellen Häusern gebrannt, allen voran seit 1608 beim Marktführer Bushmills. Nachdem die Regierung per Gesetz Steuern auf den Whiskey erhob, wurde Irland zu einer Nation von Schwarzbrennern. In dieser Zeit entwickelten sich – je nach Zugabe von Kräutern und Wurzelwerk – unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Der Whiskey sollte niemals zu stark sein, da er sonst die Geschmacksnerven betäubt. Er sollte Zimmertemperatur haben und mit Spring Water (stilles Tafelwasser) verdünnt werden. Eiswürfel sind bei echten Genießern verpönt.

Mit diesen beiden Hauptgetränken verbringt der Pub-Besucher den Abend, unterstützt von durstigen Freunden oder in einer Nische ganz allein mit der Philosophie über Alles und Nichts. Traditionell hat jeder Pub nicht nur einen angemessenen Raucher-Raum, sondern auch viele Nischen. Früher durften Frauen und Irish Pub - Gaeste 2Priester nicht öffentlich Alkohol trinken, darum wurden diese Nischen mit Vorhängen ausgestattet, die bei Bedarf zugezogen werden konnten. Dass noch heute jeder Pub mehrere Ein- und Ausgänge hat, entspricht nicht nur den sicherheitsbedingten Richtlinien, sondern waren „Fluchtwege“ ganz im Wortsinn. Trinkfreudige Iren bringen wohl auch heute noch lieber das Geld in den Pub als in die Haushaltskasse oder auf das Konto. So konnte im Notfall, wenn ein Gläubiger auftauchte, die Flucht auf einem dieser gleichnamigen Wege angetreten werden.

Irish Pub - Uwe1Im THE DUBLINER kann sich der Gast an ausgezeichneten irischen Spezialitäten erfreuen. Hausgemachtes „Irish Stew“ zum Beispiel. Das ist in Guinness geschmortes Rindfleisch mit Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Pastinaken und Rüben. Oder Sheherd’s Pie, Lammkotelett mit grünen Bohnen, Rumpsteaks, Schnitzel, Chili con Carne, Chicken Wings oder Backkartoffeln mit Quark und Fleisch oder Fisch. Aber das ist nur Zugabe, denn in erster Linie geht es hier wirklich ums Trinken, weniger ums Essen! Und wenn ein Irish Pub - Gaeste, PanoramaLand seinen Einwohnern diese göttlichen Getränke schenkt, können sie sich kaum dagegen wehren. „Versuchungen soll man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen.“ Der Ire Oscar Wilde wusste, wovon er sprach. Abende im Pub können sehr lang werden, aber damit die Volkswirtschaft nicht zu sehr leidet, wurde in Irland der Ladenschluss erfunden. Um 23.00 Uhr heißt es dort „Last Order“, denn am nächsten Morgen klingelt der Wecker. „Arbeit ist der Fluch der trinkenden Klasse.“ O.W.

THE DUBLINER
Gleimstraße 33 – 35
10437 Berlin
Tel.: 030 – 44 039 241
Geöffnet:
Täglich ab 16.00 Uhr
bis Ihr nicht mehr könnt …

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