Unsterblicher Wilhelm Busch

Max u. Moritz - EingangFür Viele gilt  er heute als einer der Pioniere des Comics, andere schätzen die Volkstümlichkeit seiner Geschichten und Gedichte. Fest steht, dass sein Name seit über 100 Jahren aus keinem Bücherregal wegzudenken ist und fest zum deutschen Kulturgut gehört. Seine Zweizeiler sind Teil unserer Umgangssprache geworden. „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“, hat sicherlich jeder schon gehört oder verwendet.
In Berlin-Kreuzberg wurde ihm zu Ehren 1902 eine Kneipe mit dem Namen seiner bekanntesten Anti-Helden eröffnet: MAX und MORITZ. Im Sommer 2011 wurde in diesem „Kulturwirtshaus“, wie es sich jetzt im Untertitel nennt, alles frisch renoviert. So viele Jahre der wechselvollen deutschen Geschichte hat in Kreuzberg kaum ein Gasthaus dieses Formates überlebt.

Max und Moritz - Schornstein, neu1902 feierte Wilhelm Busch (1832 – 1908) seinen 70. Geburtstag und freute sich über die Ehre, das „Denkmal“, das der Wirt ihm damit setzen wollte. Für die kostenlose Vergabe dieses „Markenzeichens“ machte W.B. zur Bedingung, dass an jedem Donnerstag für die notleidende Bevölkerung der Umgebung Erbsensuppe ausgeteilt werden sollte. So will es die Legende. Andere Schlaumeier behaupten, es sei Kartoffelsuppe gewesen, die darum noch heute ein wichtiger Bestandteil der aktuellen Speisekarte im MAX und MORITZ ist. Freunde deftiger Kost wissen beide Suppen zu schätzen! Ob Kartoffelsuppe mit Speck und Würstchen oder die Witwe Bolte-Schlachteplatte, „Lehrer Lämpel“ und „Tobias Knopp“ hätten kräftig zugelangt!
Dem Genuss von Alt-Berliner Spezialitäten kann sich der Freund der deutschen Küche mit Wonne hingeben, denn die Speisekarte enthält typische Gerichte wie: „Hoppel-Poppel“ (Bauernfrühstück mit Streifen von Kasslerbraten), „Kutscher-Gulasch“ (Kesselfleisch vom Rind), „Bollenfleisch“ (Lammragout mit grünen Bohnen, Möhren und Kartoffeln), Max u. Moritz - Gastraum„Königsberger Klopse“ und natürlich „Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree“.

Eines meiner Berliner Lieblingsgerichte, „Tote Oma“ steht leider nicht auf der Karte (warme Blut- und Leberwurst mit Stampfkartoffeln). Aber die Getränkekarte ist wieder ganz nach meiner Fasson, denn es gibt hier die „Kreuzberger Molle“, die natürlich und ungefiltert ins Glas gezapft wird. Prost! Die anderen vier Sorten Fassbier werde ich heute nicht durchprobieren, vielleicht noch das westfälische Barre-Bräu, das der heimatverbundene Wirt empfiehlt.

Max u. Moritz - ThekeSeit 1902 hat sich Vieles verändert, anderes ist glücklicherweise geblieben, was das Flair dieses traditionsreichen Wirtshauses ausmacht: das Gründerzeitmobiliar, die Schmiedearbeiten, die in Blei gefassten Glasfenster, die blaugrünen Wandfliesen und darüber die Reliefs, die MAX und MORITZ bei ihren Streichen darstellen – wie wir sie alle kennen.

Max u. Moritz - BlechwerbungInzwischen habe ich auf einem der Schellack gestrichenen Café-Stühle Platz genommen und habe freien Blick in den Saal. Neben mir könnte Wilhelm Busch mit Molle und Korn sitzen, Heinrich Zille oder auch Paul Lincke, der hier die ersten Noten seiner „Berliner Luft“ zu Papier gebracht hätte. Im Schankraum ist es natürlich uriger als in den Sälen, die auf Vorbestellung größerer Ess-Veranstaltungen eingedeckt werden (Geburtstage und Feiern aller Art). Max und Moritz - Rabe 2Der große Raum unten und die Bel Etage mit dem Bibliotheksraum oben, werden häufig für Kulturveranstaltungen vermietet. Sonntags ab 20.00 Uhr ist Tango-Nacht. Mit und ohne Eisbein! Vereine und Parteien treffen sich hier regelmäßig. Dichterlesungen, Buch-Vorstellungen, Theatergruppen, Musik- und Kabarett-Darstellungen gehören zum Max u. Moritz - Werbung, aussenganzen Programm über das Jahr.

Multikulturell, wie Kreuzberg selber, ist dieses schöne Gasthaus mit seiner sehenswerten Einrichtung, nahe der U-Bahn-Station „Moritzplatz“ gelegen. Durch diese zentrale Anbindung wird es von vielen Gästen gerne besucht. Kreuzberger Nächte sind lang und Rauschmittel stehen reichlich zur Verfügung. Darum würde Wilhelm Busch jetzt raten: „Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, das man lässt!“

Wirtshaus
Max & Moritz
Oranienstraße 162
10969 Berlin
Tel.: 030 – 69 515 911
Geöffnet:
täglich 17:00 Uhr bis 01:00 Uhr

0 Gedanken zu „Unsterblicher Wilhelm Busch

  1. Ach, wie schade, dass Berlin dann doch so weit von mir entfernt ist.
    Ein Hoppel-Poppe, darüber wäre ich jetzt froh . Wilhelm Busch war einst der Schrecken meiner Kindheit, aber alles ist gut ausgegangen, ich habe meinen Daumen noch.

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