Pilgern vor der Haustür

Ratzeburg - DomPilgern ist modern geworden. Man hört immer wieder von spannenden Geschichten auf dem mühevollen Weg zu Fuß nach Santiago de Compostela in Nordspanien. Noch befinde ich mich in Schleswig-Holstein und das Grab des Heiligen Jakobus ist viele Kilometer entfernt. Aber alles hat einen Anfang und der skandinavische Jakobsweg führt direkt an meinem jetzigen Standort Ratzeburg vorbei; er verläuft größtenteils auf dem „grünen Band“ der ehemaligen, innerdeutschen Grenze. Etwas ganz Wichtiges für Pilger ist die Herberge.

Ratzeburg - Cafe, aussenjpgZu Füßen des mittelalterlichen Doms lockt das CAFÉ BISCHOFSHERBERGE mit duftendem Kaffee, frisch zubereitetem Mittagstisch, großzügigen Kuchenportionen und einem besonderen Ambiente Pilger und weltliche Besucher an. Die Herberge stammt aus der Zeit um 1230 und hat im Lauf der Jahrhunderte einige Sanierungen erfahren. Im jetzigen Zustand bietet sie dem Gast keine Übernachtungsmöglichkeit mehr, wie es früher wohl auf Strohsäcken oder einfachen Betten üblich war. Dafür ist es hier jetzt mit hellem Mobiliar geschmackvoll eingerichtet.

Ob man die Bibel zum Kräutertee in einer der Fensternischen liest und auf den Ratzeburger See schaut oder zum Geschnetzelten mit Ratzeburg - GastraumBroccoli und Reis am Tisch Platz nimmt, ist ja keine Glaubensfrage, aber bequem soll es sein! Ich bin von der schönen, klaren Einrichtung der Räume und des Tresenbereiches begeistert und würde gerne eine dieser vielen Torten probieren.

Die Bewirtschaftung in diesem speziellen Café Bischofsherberge wird von der Diakonie betrieben, wie man es aus vielen Museums-Cafés kennt. Menschen mit Behinderungen finden hier attraktive Arbeitsplätze, Ratzeburg - Bewirtungdie eng am allgemeinen Arbeitsmarkt angelegt sind. Das Spezielle dieser Restauration wird noch durch die wunderbare Stille unterstrichen.Ratzeburg - Kellner Hier läuft im Hintergrund keine ruhige, nette klassische Musik. Die Gäste akzeptieren das und murmeln leise bei Milchkaffee und Rübli-Mascarpone-Torte oder Buchweizen-Sahne mit Kranenbeeren. Orgel und Choral erklingen Ratzeburg - Kuxchenangebotzwanzig Meter weiter. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind die „Ratzeburger Dom-Musikanten“.

Beeindruckt betrete ich den dreischiffigen, prächtigen Dom, den Heinrich der Löwe im 12. Jahrhundert erbauen ließ. Dieses spätgotische Bauwerk ist bekannt für seine ausgezeichnete Akustik und sein spezielles Flair. An diesem Nachmittag probt eine Schola gregorianischer Gesänge und so konnte ich mich von allem überzeugen, was in den Stadtführern gepriesen wird. Das Rot der Backsteine leuchtet in dieser schleswig-holsteinischen Region um die Wette mit dem Ratzeburg - Dom, ChorprobeBlau der Seen und dem Grün der Uferwälder. Der Ratzeburger Dom ist ein prächtiges Wahrzeichen der Insel- und Domstadt und zugleich ein kultureller Mittelpunkt des Herzogtums Lauenburg. Vor dieser eindrucksvollen Kulisse finden im Sommer Open-Air-Theater und Konzerte statt.

Nach viel Kultur und kulinarischer Pause fällt mir natürlich noch der „Ratzeburger Achter“ ein, der seit 1960 für die Stadt viele sportliche Ehren einbrachte. Hier trainierte einst Karl Adam die Ruderer, die Gold wert waren. Die Ruderakademie ist bis heute eine Institution.

Bei Kirche und Kuchen sind mir Dom und Löwe näher gekommen, ich war in unserer Ruderhauptstadt, der Jakobsweg muss warten. Außerdem ist mein Fahrrad dort gar nicht erlaubt und so gut zu Fuß wie Hape Kerkeling bin ich echt nicht. Aber man muss sich auch mal was entgehen lassen.

Café Bischofsherberge
Domshof 31 (direkt neben dem Dom)
23909 Ratzeburg
Tel.: 04541 – 863122
Geöffnet:
Freitag, Samstag, Sonntag: 14.00 bis 18.00 Uhr
Feiertage: 11.30 bis 18.00 Uhr
Das Café kann für Veranstaltungen gemietet werden!

0 Gedanken zu „Pilgern vor der Haustür

  1. Das sympathische Schleswig-Holstein – vielen Dank für diesen Bericht!
    Auch in Husum betreibt die Diakonie Cafés, in denen behinderte Menschen einen ArbeitsPlatz finden.

  2. Überall möchte ich gleich hinfahren!! Danke für all die schönen Artikel! In Ratzeburg war ich öfter mit unserem Chor, haben immer im Dom gesungen. Für mich ein magischer Ort….aber das Café habe ich nie wahrgenommen. Also auf nach Ratzeburg – zum wiederholten mal….

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