Freitags Fisch

Fischfabrik - Matrosen-Crew 1Hier fehlt nur noch der Blick auf die hohe See. Es kann natürlich keiner verlangen, dass Berlin am Meer liegt und in der Danziger Straße die Nordseewellen an den Pflasterstrand plätschern. Der Name des Stadtteils Prenzlauer Berg erinnert eher an das Gegenteil, allerdings will ich keinen Berg besteigen, sondern etwas Gutes essen. Heute habe ich mir die FISCHFABRIK ausgesucht, denn es ist Freitag und zu Hause gab es an diesem Tag immer Fisch. Gekocht, gebraten, gedünstet, meistens mit Senfsauce. Jetzt bin ich gespannt, was mich hier bei der Matrosen-Crew erwartet.

Fischfabrik - aussen, NachtNordseekrabben im Spiegelei und Bratkartoffeln, Backfisch oder Tintenfisch – Riesengarnelen, gar Austern? Die Auswahl gefällt nicht nur mir! Das kleine Fisch-Bistro mit seinen dreizehn Plätzen ist bereits angenehm voll, so dass die zwanzig Freiluftplätze auch schon rar werden. Besonders der kalte Weißwein zu Austern oder Hummer verführt die Leute zum Bleiben.

Die beiden Inhaber, Emanuel Baran und Andy Schröter hatten vor vier Jahren die geniale Idee und sanierten einen ehemaligen Dönerladen komplett durch, um daraus diese beliebte FISCHFABRIK zu machen. Inzwischen besteht das Team aus vier ausgebildeten Köchen und fünf Service-Fischfabrik - LachszubereitungFischfabrik - GarnelenMitarbeitern, die im Wechsel für das Wohl der Gäste sorgen. Es ist ein Genuss, diesen Profis bei der Arbeit zuzusehen. Ob Austern geknackt werden oder ein geräucherter Lachs von Sebastian seziert wird, die Kunden können bei allen Operationen zusehen.

Jedes Gericht wird frisch zubereitet und deswegen tut man gut daran, etwas Zeit mitzubringen. Die vergeht für mich sehr schnell, denn ich genieße die Atmosphäre und schaue dem Treiben hier gerne zu. Hinterm Tresen wird schnörkellos Hand in Hand gearbeitet, jeder Griff sitzt. Gegenüber vom Tresen vermischt sich das Fischfabrik - DenizPublikum, Gläser werden angestoßen, Teller werden mit Genuss leer gegessen und mittendrin fragt ein Gast nach „Malzessig“ für sein Fisch- und Chips-Gericht. Und ich werde heute mal die Fischküche meiner Mutter vergessen und bestelle mir einen Mix-Teller, von allem etwas, was das Meer so her gibt. Der Württemberger Weißburgunder funkelt im Glas, das Bier hat Pause. Und schon bringt Deniz mir meinen „Meeresteller“ – ein Kunstwerk für den Gaumen!

Die blau-weiß gestreifte Markise unter dem Schriftzug FISCHFABRIK vermittelt bei den Vorbeieilenden häufig den Eindruck, dass dies hier ein normales Fischgeschäft sei. Erst einmal eingekehrt, wird die Idee vom Fischkauf für zu Hause schnell zu einem Mittag- oder Abendessen auswärts, direkt in der Danziger Straße, wo das Leben tobt. Doch Fisch für die häusliche Küche wird natürlich auch verkauft. Deshalb sei schon jetzt daran erinnert: Bestellungen für Weihnachts- und Silvester-Karpfen werden Fischfabrik - Rettungsringrechtzeitig entgegen genommen, da reicht die Warteschlange nämlich fast bis zur U-Bahnstation.

Statt Mutters eingelegter Heringe könnte es mal etwas Besonderes sein: schwarzer Kabeljau vielleicht oder weißer und schwarzer Heilbutt, gegrillter Oktopus mit mediterranen Gewürzen oder Sardinen vom Grill? Alles kein Problem! Ich schließe mich der Meinung der Bistro-Matrosen an: „Für immer Fisch“, ganz so, wie es auf dem Rettungsring steht.

Nach dem köstlichem Mahl nehme ich mir vor, mit dieser flotten Crew (Philipp, Andy, Deniz, André und Sebastian) bald wieder auf Kaperfahrt zu gehen, vielleicht treffe ich dann auch „Manfred“ wieder, den treuen Gast, der täglich hier Bratkartoffeln mit Salat und Überraschungs-Fisch isst. Der Koch darf nämlich frei entscheiden, was ihm schmeckt.

Fischfabrik - Eberswalder Str.  - neuBis zur verkehrsreichsten und bekanntesten Kreuzung „Ecke Schönhauser“ (die in vielen Berlin-Filmen eine wichtige Rolle spielt), ist es nicht weit. Vor der U-Bahn-Station „Eberswalder Straße“ ist ab Nachmittag immer Freiluft-Konzert. Hier probieren sich die zukünftigen Pop-Stars aus, an den Wochenenden sogar bis tief in die Nacht. Der heutige Künstler hat mich schon im Visier und legt gleich los. Hoffentlich spielt er: „What shall wo de with the drunken sailor“.

Fischfabrik Berlin
Danziger Straße 24
10435 Berlin
Tel.: 030 – 64 314 581
Geöffnet:
Montag – Samstag: 10:00 bis 22:00 Uhr
Sonntag: 14:00 bis 22:00 Uhr

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