Ausflug nach Elbflorenz

Dresden - SchiffDer Berliner muss mal wieder die Nase in den Wind halten. In nur einer Stunde und vierzig Minuten ist er mit der Bahn in Sachsen, mitten im Herzen von Dresden, in der Stadt, die wegen ihrer vielen Kunstsammlungen und ihrer Architektur sehr an die toskanische Hauptstadt erinnert und deshalb gerne auch Elbflorenz genannt wird. Eine Stadt mit viel Flair und Herz, Kunst und Gold. Geprägt wurde sie von August dem Starken (1670 – 1733), der als Kurfürst von Sachsen gleichzeitig König von Polen war. Wilde Geschichten um Frauen und Macht ranken sich um ihn. Die Spuren seiner Regentschaft sind hier überall präsent und werden gerne fotografiert. Der berühmte Zwinger, die Frauenkirche und die Hofkirche sind durch seine Initiative entstanden.

Den schönsten Blick an der Elbe hat der Tourist von der Brühlschen Terrasse aus. Über die breite Freitreppe gelangt er an diesen begehrten Ort, auf dem die kostümierten Stadtführer in vielen Sprachen die Kunstschätze und Gebäude rings herum Dresden - Kostuenerklären.

Mit etwas Glück bekommt man einen Platz auf einer Bank und kann auf das andere Ufer und die herrliche Brücken-Landschaft links und rechts sehen. Von hier genießt der Kunstliebhaber den berühmten „Canaletto-Blick“. Der venezianische Maler war von dieser Aussicht fasziniert und hat sie bei seinen Besuchen vielfach gemalt.

Besichtigungen, Stadtansichten und Pflastertreten machen hungrig und müde, das kennt jeder. Sachsen ist bekannt als „Schlemmerland“, darum sollte man ausgiebig in einigen der vielen Cafés die typische Eierschecke, ein Ministück Stollen und Quarkkeulchen mit Zucker und Zimt kosten. Übrigens wurde in Dresden der Kaffeefilter erfunden, denn ein „Ä Scheelchen Hee8es“ gefiltert, trinkt der Sachse gerne und zu jeder Zeit!

Dresden - Elbe-BlickDresden - TerrasseDer Besucher verlässt die barocke Pracht über die Augustbrücke und arbeitet sich in der Neustadt zur Bautzner Straße Nr. 79 durch, denn dort soll es den „schönsten Milchladen der Welt“ geben. Wände, Fußboden und Decke sind mit farbig bemalten Fliesen der Firma Villeroy & Boch verkleidet. Ein herrlicher Anblick!

Dresden - Molkerei, ReproDer Laden ist traumhaft und ein „Muss“ für jeden Dresden-Gast. Der Landwirt Paul Pfund war 1879 mit 6 Kühen nach Dresden gekommen, die er hinter eine Glasscheibe stellte. So konnten die Kunden wählen, von welcher Kuh sie die Milch kaufen möchten. Daraus entstand eine der größten Molkereien Deutschlands, deren Kondensmilch und Milchpulver bis nach Amerika geliefert wurde. Heute kann der Kunde hier nicht nur frische Milch trinken, sondern auch aus über hundert Käsesorten von „frei weidenden Kühen“ wählen.

Über dem Laden lädt ein Café-Restaurant zu sächsischen Spezialitäten ein. Hier ist das panierte Schnitzel natürlich nicht aus Fleisch, sondern aus Käse – und es schmeckt zu dem gemischten Blattsalat mit Hausdressing (mit geriebenem Käse) sehr gut. Mit am beliebtesten sind die großen und kleinen Käseplatten (man sucht sich Dresden - Schriftzugdie Sorten unten am Tresen aus) mit Brotkorb, der wegen seiner inhaltlichen Vielfalt auch bemerkenswert ist. Sollte das Brot ausgehen, so ist die Heilige Backstube gleich gegenüber und liefert zur Not Hostien zum Käse.

Das Restaurant bietet zum Speise-Sortiment natürlich vorzügliche Weinsorten vom lokalen Elbufer an, vorrangig aus Meißen. Die sollte der Gast unbedingt probieren, da sie nicht so reichlich vorkommen und kaum exportiert werden. Weiterhin hält PFUND ein gutes bulgarisches Weinsortiment bereit. Die Dresden - FassadeWeinkarte ziert ein schöner Spruch des griechischen Philosophen Plutarch: „Der Wein ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Arzneimitteln das Süßeste, unter den Speisen das Angenehmste“. Das wird keinen gerne trinkenden Gast davon abhalten, nach dem Essen Pfunds Grappa zu probieren: denn der hat – wer hätte es gedacht – eine Milchbasis. Auch zum Händewaschen ist Milch angesagt, denn in PUNFDS Souvenirabteilung kann man für 4,50 € ein Stück Milchseife in nostalgischer Verpackung kaufen.

Dresden - JungeMit Blick auf die schönen alten Fassaden verlässt der Besucher die Bautzner Straße, denn er denkt an die Rückfahrt. Den Weg zum Bahnhof Dresden-Neustadt nimmt er locker zu Fuß und bleibt kurz am schönen Albertplatz stehen. Gegenüber geht die Königsbrücker Straße ab. Im Haus Nr. 66 kam Erich Kästner zur Welt, von dem wir alle „Emil und die Detektive“ und „Pünktchen und Anton“ kennen. Eine Skulptur zeigt ihn als Jungen auf der Gartenmauer.

Der Berliner verabschiedet sich von dieser charmanten Stadt mit einem Zitat des großen Literaten: „Es gibt nichts Gutes – außer man tut es“.

Café und Restaurant Pfund
Bautzner Straße 79
01099 Dresden
Tel.: 0351 – 810 59 48
Geöffnet:
täglich von 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr
(bei Reservierungen ab 20 Personen
gerne auch länger)

3 Gedanken zu „Ausflug nach Elbflorenz

  1. Ich freue mich jetzt täglich über meinen Porzellankaffeefilter- unterbewusst hat mich die berühmte Vergangenheit vom Kauf einer Maschine wohl abgehalten…. danke für die tollen Berichte, die auch immer interessante Verbindungen zur Geschichte herstellen.

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