Francescos Zukunftsidee

Futuro - Aussenwerbung 4Seit Francesco aus Pescara in Berlin-Neukölln ein Restaurant betreibt, nennt er sich FRANZ und Zukunft heißt jetzt FUTURO, ganz einfach. Und wie man an der großen violetten Leuchtwerbung sieht, geht es sogar ohne Worte. Es ist doch gut zu erkennen, dass dieses Logo futuristisch ist. Nachts leuchtet es besonders hell und schön, dann soll es all die Gäste anlocken, die den Abend bei cosmic music verbringen und sich molto bene fühlen wollen.

Futuro - Silberwand 2Franz stammt aus der Region Abruzzen, 200 km östlich von Rom, in der bester Wein angebaut wird, den er seinen Gästen hier in Neukölln serviert. Er und sein neapolitanischer Koch Alessandro sind keine gelernten Gastronomen, sie kommen beide aus der Musik-Branche und betreiben ein Label, das sich auf Italo-Disco-Music spezialisiert hat. Das heißt 80er-Jahre New Wave und cosmic/spacic Sound. Obwohl ich über diese Musikrichtung noch nicht lange nachgedacht habe, fühle ich mich hier wohl, es ist wie im Club, nur ohne Tänzer.

Der intime Charakter von Bar/Weinstube/Café/Restaurant/Club/Cinema wird durch die Retro-Einrichtung, Silberfolie, Disco-Kugel und viele, viele Kerzen unterstrichen. Der zentrale Ort ist die Theke, auf der am Freitag und Samstag von 19 bis 22 Uhr eine spezielle italienische Mahlzeit gereicht wird: der Aperitivo. Der Gast bestellt ein Getränk und kann dann gegen einen geringen Aufpreis von diesem Futuro - Alessandro 2Buffet so viel essen wie er mag. Alessandro trägt strahlend eine Platte nach der anderen auf.

Wie ich am Zischen, Rühren, Schneiden, Braten und Rösten höre, wird alles ganz frisch hergestellt. Für die sehr Hungrigen gibt es eine große Schüssel lauwarmer Pasta mit Tomaten-Sugo, daneben eine große Platte mit gerösteten Auberginen und Zucchini, gefolgt von Fenchelsalat, gemischten Oliven, Pilzen im Kräutersud, Rosmarinkartoffeln, Olivenöl-Meersalz-Brot, Olivenpasta, Cherrytomaten mit Kräutern, Blattsalaten und Taleggio-Käsehäppchen.

Futuro - BarDieses Angebot ist schon eine kleine Sensation im sogenannten „Reuterkiez“, dem ehemaligen Armenhaus Berlins. Diese Gegend hatte lange Zeit den Beinamen „Bronx von Berlin“ oder „Endstation Ghetto“. Aber inzwischen ist der Problembezirk total „in“ und die Besucher finden es hier so „authentisch“ wie nirgendwo. Alle möglichen Kleingewerbe- und Handwerks-Betriebe verschwanden. In den Läden findet nun Gastronomie in allen Variationen statt, veganer Imbiss neben Bio-Bar und Hühnerhaus. In den ehemaligen Puffs kann jetzt moderne Kunst bewundert werden.

Futuro - Aperitivo 1Futuro - KunstVor drei Jahren hat Francesco den Laden übernommen und das ehemalige „Café Rita“ als „Futuro“ weit nach vorne gebracht. Davor war es ein Bio-Laden, der sich nicht durchsetzen konnte. Neugierig frage ich, warum er sich diese Gegend ausgesucht hat. Die Antwort ist schlicht: „Ich habe hier in der Nähe für mich und meine Freundin eine Futuro - SchriftWohnung gefunden, es fehlte nur noch der Job.“ Dass ihm die Arbeit in diesem Bereich liegt, merkt man daran, dass er ständig neue Ideen entwickelt. Seine Pop-up-Dinners und Chakalaka-Abende erfreuen sich großer Beliebtheit. Oft kommen über vierzig Leute zusammen, die sich auf ein unbekanntes, spontanes Menü einlassen und übers Internet buchen. Oder die Küchenfans kochen aus ihren mitgebrachten Zutaten selbst und kassieren dann von den Gästen dafür. Francesco ist an solchen Abenden nur für die Getränke zuständig, für die er dann kassiert.

Futuro - Francesco 5Langweilig wird es dem Futuristen auf keinen Fall. Wenn er nicht gerade „auflegt“ oder den Gästen einen Vino Montepulciano d’Abruzzo aus seiner Heimat serviert, dann ist Montag, die Kinonacht im FUTURO. Francesco ist Anhänger des italienischen Neo-Realismus, also Filme, die vor 1972 gedreht wurden. Aber es kommt auch vor, dass er etwas ganz Verrücktes aus einer anderen Zeit präsentiert. Gerade zieht er die Leinwand herunter, gleich heißt es „Film ab“ und ich höre auf, ihn zu befragen. Arrividerci Francesco, Grazie e Saluti Vino Rosso!

Café Futuro
Pannierstraße 12
12047 Berlin

Tel.: 030 – 243 25 901
Geöffnet:
Täglich ab 18:00 Uhr
Samstag/Sonntag: ab 10:00 Uhr

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