Lieber Weihnachtsmann!

Himmelfort - Wunschzettel, Titel, neuIch höre meine Mutter noch aus der Küche rufen: „Schreib sauber, damit der Weihnachtsmann deinen Wunschzettel gut lesen kann und nimm das Löschblatt.“ Natürlich kam dieser Hinweis zu spät, denn schon beim ersten Buchstaben floss die Tinte wohin sie wollte. Ich durfte damals schon mit einem Füllhalter schreiben, in den die Tinte vorher vorsichtig, wie bei einer Blutabnahme, aus einem Fässchen gesaugt wurde. Am Ende wurde daraus eine „Geht-so-Schrift“. Schaue ich mich heute um oder höre den jungen Eltern zu, erfahre ich, dass viele Kids schon im August an der Tastatur sitzen und ihre Weihnachtswünsche ganz ungeniert dem Internet anvertrauen.

Himmelpfort - BaumHimmelpfort - SchildAuf einem meiner Ausflüge quer durch die Uckermark gelangte ich an einen Ort, der mir aus der Kindheit bekannt vorkam: „Himmelfort“. Natürlich, in einer dieser Straßen muss der Weihnachtsmann wohnen. Wohnt er heute noch hier? Das wollte ich wissen. So machte ich mich auf die Suche nach dem Haus des großen Meisters mit der tiefen Stimme und dem weißen Bart. Um den kürzesten Weg dorthin zu wählen, fragte ich den Briefträger, der gerade um die Ecke bog, denn der musste es ja wissen! „Aber klar gibt es das Haus noch, hinten links – dort neben dem Baum mit dieser gehäkelten Bauchbinde. Ob dit Kunst sein soll? Na ick weeß nich, aba viel Arbeit hat’s jemacht – iss also nicht weit“

Ich bedankte mich und steuerte auf das Kunstobjekt zu. Gleich daneben stand das Haus des Mannes, dem ich also damals meinen Wunschzettel schickte. Die Tür war geöffnet, ich betrat den Raum und war gerührt. Das Weihnachtsmann-Bett, der Himmelpfort - WeihnachtsmannbettHimmelpfort - SchrankHimmelpfort - SchreibtischKleiderschrank mit den ersten Geschenk-Kartons darauf, sein roter Mantel, all die Dinge kannte ich aus meinen Kinderträumen. Hier stand ein Schreibtisch mit einem Telefon wie aus Uropas-Zeiten. Auf diesem Schreibtisch herrschte Ordnung, kein Laptop, keine Maus war zu sehen. Ich fragte den Engel an der Eingangstür, dessen Aufgabe es war, mich zu begrüßen, ob denn hier im Briefkasten noch echte Briefpost landet, so mit der Hand geschrieben und mit Briefmarke drauf. „Natürlich, aber vergessen sie den Briefkasten, die Post kommt kiloweise in Wäschekörben an. Die Briefe kommen aus allen Ländern, sogar aus Übersee. Im letzten Jahr waren es über 270 000 Sendungen, ich bin gespannt, wie Wunschzette014viele es in diesem Jahr werden“, war die Antwort. Ich staunte und begann über meine vorgefasste Meinung nachzudenken. „Und was wünschen sich die Kinder heute?“, fragte ich weiter. „Ach da ist alles dabei, von der Ritterburg bis zum Handy, von der Spielkonsole bis zum Pony. Ganz schlaue Kinder stecken iHimmelpfort - adresse2n den Briefumschlag sogar Bonbons oder einen Lutscher, um den Weihnachtsmann spendabel zu stimmen. Allerdings sind auch andere Wünsche dabei, zum Anfassen und lieb haben, wie: Grüße bitte auch die Oma, die jetzt im Himmel wohnt oder: Mein Papa arbeitet im Ausland. Er soll doch pünktlich zu Heiligabend zu Hause sein.“, bekam ich zur Antwort.

Also werden doch noch Wunschzettel geschrieben und den Kindern ist es nicht zu nehmen, an den Weihnachtsmann und die Erfüllung ihrer Wünsche zu glauben!

Himmelpfort - Feuerwerk 4Nun nahm ich Kurs auf das Weihnachtsmann-Café gegenüber. Bei Glühwein und Brandenburger Stolle überlegte ich mir meine Wünsche zum Fest. Ich könnte sie hier an Ort und Stelle auf eine Postkarte schreiben und gleich beim Weihnachtsmann in den Briefkasten stecken. Viel Arbeit würde ich ihm nicht machen, denn mein Wunsch wäre: „Weiße Weihnachten“ und zu Silvester soll es zwischen großen Schneeflocken ein buntes Feuerwerk geben!

Am Himmel leuchten die Sterne hell und klar, allen Lesern ein frohes Fest
und ein gutes neues Jahr!

Titelfoto: „punkt 3“
Foto-Nr. 7: „StZ“

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