Viva Granada!

Granada 2014 - Alhambra, voneDa ist es wieder, mein Fernweh. Der nass-kalte Winter vor meiner Berliner Haustür gefällt mir gar nicht. Was hatte ich für sonnige Tage in Andalusien, in einer der schönsten Städte Spaniens, in Granada. Ich denke an die märchenhaften Paläste der Alhambra, den flammenden Flamenco und die andalusische Lebensart mit all ihren kulinarischen Köstlichkeiten. Deshalb bleibt der Schal heute am Haken, ich mache es mir gemütlich und blättere in meinem andalusischen Tagebuch.

Welch Anblick: Im Abendlicht leuchtet die im 13. Jahrhundert erbaute maurische Burg rötlich, deshalb nannten die Araber sie auch al hambra, die Rote – ein Meisterwerk islamischer Baukunst. Umgeben von herrlichen Granada - Alhambra 1Dekorationen aus Marmor, edlen Hölzern und kunstvoll bemalten Kacheln, lebten hier einst die Sultane, Kalifen, deren Diener und Haremsdamen. Aus reich verzierten Brunnen sprudelt kostbares Wasser und es duftet nach Mandelblüten und Orangen. Wer hier spazieren geht, erliegt einem unvergesslichen Zauber.

Gegenüber der Alhambra befindet sich das Albaicin, das älteste arabische Wohnviertel Granadas. In diesen engen steilen Gassen mit den vielen Basars und Bars spürt man noch sehr die maurische Zeit. Spektakuläre Sehenswürdigkeiten gibt es Granada - Wegkaum, dafür ist die Atmosphäre betörend.

In einer dieser geheimnisvollen Gassen betrete ich eine Bodega, es ist 13 Uhr, Tapas-Zeit in Granada – Zeit auch für mich, die andalusische Küche kennenzulernen. Unter einem Himmel voller Schinken stehen die Leute dicht gedrängt am Bartresen, essen und trinken, reden laut und durcheinander. Auch wenn ich kein Wort verstehe, die Atmosphäre gefällt mir. Plötzlich höre ich neben mir vertraute Wörter, ein junges Pärchen studiert gerade das Tapas-Angebot. Ich gebe mich als Granada- und Granada 2014 - Tapasbar 7Tapas-Fan zu erkennen – sie kommt aus Berlin, er aus Valencia und beide haben das Glück, hier in Granada studieren zu dürfen. Schon sind wir uns einig und lebhaft im Gespräch. Ich bestelle zwei Alhambra-Biere und einen Tee und lasse mir erklären, woher die köstlichen spanischen Granada 2014 - Studenten„Häppchen“ kommen.

So behauptet eine Quelle, dass die Sherry-Gläser im heißen Andalusien früher mit einer Scheibe Brot vor Fliegen und anderen Insekten geschützt wurden. Daher bedeutet der Begriff „Tapas“ übersetzt: „Deckel“.
Eine andere Quelle erzählt davon, dass im 13. Jahrhundert König Alfonso anordnete, dass Wein nur noch in Verbindung mit kleinen Speisen ausgeschenkt werden darf. Der Grund dafür: Die Postkutscher tranken damals oft einen über den Durst, was sich natürlich negativ auf die Postbeförderung auswirkte. Die kleinen Häppchen sollten also die Wirkung des Weines schwächen.

Granada 2014 - BierTapas Salat, Ei, Oliven, Tabacosauce -JPG„Probieren Sie die Hähnchenspieße mit der cremigen Bananensauce, sie schmecken großartig. Aber auch die gebackenen Fleischbällchen mit Kapern sind hier ein Genuss“, empfehlen mir die beiden.  Ich danke für die Tipps, habe mich aber schon für die geschmackvoll aussehenden Salat-Nester mit halben Eiern, Oliven, Mayonnaise und Tabascosauce entschieden.

Granada 2014 - Tapas-Bar 4Ich blicke nach oben auf die hängende Jamón-Parade. Es muss ein fragender Blick gewesen sein, denn schon bekomme ich eine Erklärung:
„Der Schinken dort ist eine Delikatesse, er stammt von weißen Schweinen direkt von hier aus der Region Granada, aus 1700 Meter Höhe der Sierra Nevada, aus dem Dorf Trévelez. Dort sind die Winde kühl und trocken, was für eine gute Reife wichtig ist. Und die kleinen umgedrehten Schirmchen am Schinken-Ende fangen das Fett auf, was tropfen kann“, erzählt mein neu gewonnener spanischer Freund.

Hinter dem langen Tresen wirbeln die Kellner artistisch um die Wette. Jeder Handgriff sitzt, keine Bewegung ist umsonst. Die Bestellungen werden wie Kommandos von einem Bar-Ende zum anderen gerufen. Reibungslos werden die vielen Wünsche der Gäste erfüllt – auch der meine. Es schmeckt köstlich, mein Appetit steigert sich mit jedem Happen! „Senor, por favor, otra vez dos servezas de Alhambra y un té“ rufe ich dem Barmann zu.

Granada 2014 - Flamenco-Senora 1Es ist November! Aber auf der Plaza Nueva scheint die Sonne wie im Sommer. Es wird Flamenco getanzt. Ich bleibe stehen und bin von der Leidenschaft des Tanzes fasziniert. Das kraftvolle Stampfen mit den Füßen, die Arme und Hände bewegen sich wie Schlangen, mal wütend, dann wieder sanft und zärtlich – Flamenco ist gelebtes Leben!

Ein altes Sprichwort lautet:
„Quien no ha visto Granada, no ha visto nada – Wer Granada nicht gesehen hat, hat gar nichts gesehen“.
Damit klappe ich gerne mein Tagebuch zu.

Tapas-Foto aus:
„Das Foto-Kochbuch – Tapas“
ditter.projektagentur GmbH

Bodegas Castaneda

Calle Almireceros 1
18055 Granada
Tel.: 958 21 54 64

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