Das Kult-Kaffeehaus

Einstein - Titel, neu„Im Kaffeehaus sitzen Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen“. Diese Worte des Wiener Schriftstellers Alfred Polgar (1873 – 1955) machten mich neugierig. Darum führt mein Weg heute in das berühmteste Kaffeehaus in Berlin. 1978 wurde es in der sogenannten Henny Porten-Villa eröffnet und gilt seitdem als angesagter Künstlertreff.

Ein solcher Ort trägt gut zur Legendenbildung bei, denn angeblich hat Joseph Goebbels dieses Haus seiner Liebschaft, der Schauspielerin Henny Porten vermacht und es seinerzeit als Offiziers-Kasino genutzt. Auch ein geheimer Spielclub, in dem die Oberschicht das Geld verprasste, soll in den 30er Jahren hier residiert haben. Heute hat das CAFÉ EINSTEIN - Gaeste 1EINSTEIN Mutmaßungen über die geheimnisvolle Vergangenheit nicht nötig, denn es genießt einen erstklassigen Ruf.

Ob man wirklich allein sein will unter vielen oder in großer Klicke das berühmte Frühstück einnimmt – darüber wacht keine Vorschrift. Ältere Leute, Familien, Prominente – alle, die sich die gehobenen Preise leisten können, sind willkommen.

Die hohen Räume, der knarrende Holzfußboden, die roten Samtvorhänge – die gesamte Einrichtung hat etwas Theaterhaftes, das dieses EINSTEIN-Stammhaus ausmacht. In den Ledersitzen vor EINSTEIN - Gastraum 1den kleinen Marmortischen versinkt man leicht und wartet eigentlich darauf, dass Hans Moser als grantelnder Kellner um die Ecke biegt, wie man es aus unzähligen alten Filmen über die Donau-Monarchie kennt. Irrtum, das Personal ist  jung, tüchtig und zahlreich.

Die vielen kleinen EINSTEIN-Ableger in der Stadt haben alle eigene Geschäftsformen, wie auch das große Pendant „Unter den Linden“.
Als literarisches Kaffeehaus verfügt das EINSTEIN über ein ausgewähltes Angebot internationaler Presse und eine Bibliothek mit verglasten Bücherschränken im ersten Stock. Hier befindet sich auch die Bar LEBENSSTERN.

EINSTEIN - PresseEINSTEIN - Bar, SchildÜber wenige Stufen gelangt man aus der Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre in ein Berliner Herrenzimmer der 20er Jahre. Das Portrait der Hausheiligen, Henny Porten, leuchtet über der Bar. 600 Sorten Rum, 150  Sorten Gin; das sind Superlative, die den Kaffeetrinker schwindelig machen. Es ist EINSTEIN - Garten-Schildnoch zu früh. Ich steige wieder hinunter zu den 20 Kaffee-Variationen und versuche einen Platz im lauschigen Garten zu finden, denn im großen Saal wird es inzwischen eng und der Lärmpegel ist entsprechend hoch.

Auch hier draußen wird alles flink und stilvoll serviert. Ob Kaiserschmarrn oder Apfelstrudel, Tafelspitz oder Schnitzel, die Qualität ist bewährt und gut. An der Kuchen- und Torten-Auswahl in den Vitrinen kann der Gast sich fast schon satt sehen, denn alles EINSTEIN - Autowird nobel und geschmackvoll dargeboten.

Der Ausflug ins wienerische Berlin war ein Erlebnis, es gab viel zu sehen, zu hören und zu schmecken. Ich mache mich auf den Heimweg. Der Weg zur U-Bahn ist von Bordsteinschwalben gesäumt, die aufreizend um Kundschaft werben. Ich laufe Slalom. Hätte ich ein so praktisches kleines Auto, würde ich an ihnen vorbeifahren.

Café Einstein Stammhaus
Kurfürstenstraße 58
10785 Berlin
Tel.: 030 – 263 91 918
Geöffnet:
täglich von 8:00 Uhr bis Mitternacht

3 Gedanken zu „Das Kult-Kaffeehaus

  1. Das Einstein kenn ich schon sehr sehr lange, bin ja auch schon etwas älter, habe mich über den Artikel sehr gefreut, werde dort gern wieder hingehen beim nächsten Berlin Besuch…..momentan bin ich mitten in Brooklyn, New York …. Kleine einfache witzige Cafés, Restaurants , lustiges pulsierendes Leben…. Nur weiter so mit den Artikeln, das macht Spaß …. Immer!

  2. Was für ein tolles Zitat am Anfang des Textes! So alt und doch so modern.. . Auch ich kenne das Einstein von früher… Es hat, wie ich sehe, noch immer den alten Wiener Charme: bei einer Tasse Kaffee und einem Tortenstück die Vergänglichkeit zu genießen..

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.