Sommer in der Provence

AIX - Fontaine de la RotondeEs ist Sommer und die Sonne lockt mich in den Süden Frankreichs, in die Provence, direkt nach „AIX“, wie die Franzosen die schöne Stadt Aix-en-Provence gerne kurz nennen. Auch sind sie stolz auf deren lange Geschichte, denn schon den Römern gefiel der Ort, die Nähe zum Mittelmeer und vor allem die vielen Thermalquellen. So schmücken noch heute zahlreiche bescheidene wie auch majestätische Brunnen die Stadt, dieser trägt den Namen: Fontaine de la Rontonde.

AIX - BlumenmarktAuf dem Place de Verdun ist heute Markttag. Schon befinde ich mich mitten im bunten Treiben. Auf meinem Gang entlang der herrlich dekorierten Stände entdecke ich inmitten eines Blumenmeeres Gemüse jeder Sorte: Auberginen, Zucchinis, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, sämtliche Kräuter der Provence und einen Stand mit bestem Olivenöl, kurzum, alles was man für eine köstliche Ratatouille braucht. Saftige Früchte locken in leuchtenden Farben. Am ausgestrecktem Arm, einem Lächeln dazu und heiteren Worten wechseln Ware und Geld die Besitzer.

Ich wechsle die Straßenseite, biege links ab und befinde mich auf dem Cours Mirabeau, der prächtigen Flaniermeile im Zentrum von AIX. Entlang der schattigen, platanengesäumten Allee bestaune AIX - Puppenich die schmucken Fassaden der Adelshäuser und finde das Café, auf das man mich in Berlin bereits hingewiesen hatte. Es ist das herrliche Traditions-Café „Les deux garcons“. Oben am Fenster sehe ich sie, die beiden Puppen-Jungs, den Koch und den AIX - Garcons 1Kellner, den cuisinier und den garcon, zur Begrüßung der Gäste angetreten. In einem Korbstuhl nehme ich Platz und schon eilt ein Kellner auf mich zu und fragt nach meinen Wünschen. Weil ich mich wie Gott in der Provence fühle, tue ich so, als wohnte ich nur um die Ecke und antworte: „S’il vous plait un crème monsieur“, was eigentlich korrekt ein café crème ist und noch ausführlicher, ein café au lait. Aber Kellnerzeit ist kostbar, das weiß hier jeder einheimische Gast – der Kellner nickt und ist schon wieder weg.

AIX - Fontaine de leau chaudeVom „créme“ gestärkt, gehe ich weiter auf dem Cours Mirabeau in Richtung Place de la Rotonde. Es ist heiß in AIX, ich flüchte vor der Sonne und suche einen schattigen Platz, am besten mit sprudelndem Wasser. Ich finde ihn mitten auf der Straße, den Brunnen Fontaine de L’eau chaude, völlig mit Moos bewachsen. Ein Kunstwerk!

Kurz vor dem Rontonde entdecke ich ein Geschäft, das in AIX eine Attraktion ist, ein Magnet für jeden Freund des süßen Lebens. Hier also gibt es die berühmten CALISSONS, das köstliche Konfekt, die Spezialität von Aix-en-AIX - Callisons. WerbungProvence. Ich betrete dieses Schlaraffenland und bewundere die verführerisch gestalteten Auslagen. Von meinen französischen Freunden weiß ich, dass diese kleinen Schiffchen Calissons heißen und aus Mandeln und kandierter Melone AIX - Calissons, Praesentbestehen. Oft werden für die Füllung aber auch Mandarinen, Aprikosen oder Orangen genommen. Auf allen befindet sich eine dünne, glänzende Zuckerglasur. Mit seiner fast alchemistischen Kunstfertigkeit genießt ein Calissonier in der Provence hohes Ansehen, denn in einen Calisson zu beißen, heißt: Widerstand erwarten und auf Zartheit treffen. Ich koste, kaufe und bin überzeugt, dass sich meine Berliner Freunde über das köstliche Präsent freuen werden.

Aix-en-Provence, Stadt der Kunst und Kultur! Eine Reihe von kleinen messingfarbenen Platten im Pflaster weisen mir den Weg dorthin, zu AIX - Cezanne, Atelier 2Paul Cézanne, einem bedeutenden impressionistischen Maler, der hier geboren wurde. Ich betrete sein Atelier und frage mich sofort, wo ist der große Meister? AIX - Cezanne, StolpersteinAls hätte er gerade erst sein Atelier verlassen und befände sich auf einem Spaziergang, so schaut es hier aus. Dort hängt sein Mantel, sein Hut, Pinsel und Farben liegen bereit. Cézanne kann nicht weit weg sein. Wie schön, das Atelier atmet noch!

In einer Nebengasse höre ich verträumt einem Straßenmusiker zu. Voller Hingabe spielt er auf seiner Geige das Chanson „La mer“.

AIX - Spiel 2Am Musée Arbaud  tummeln sich die Künstler, es wird musiziert, getanzt, gesungen. Das Festival „C’est sud“ (Es ist nach Süden) bittet um Aufmerksamkeit. Ich setze mich leise in den Zuschauerkreis zu den Eltern und Kindern, denn die Vorstellung hat bereits begonnen. Kein Laut ist zu hören, nur das Akkordeon des Jungen im schwebenden Globus flüstert eine Melodie.

In der Rue Verdun beobachte ich, wie in einen oAIX - Auto, Gemaelde 2ffenen Lieferwagen zu allerlei Trödel als Letztes ein Gemälde aufgeladen wird. Wenn das mal kein Cézanne ist! Es müssen wohl die Sonne, die Farben, die Düfte, das Flair sein, die meiner Phantasie gerade einen Streich spielen. Auch frage ich mich, welchen Tag wir heute haben, welches Datum? Das alles kann einem passieren, hier im heißen Sommer in der Provence.

Ein Gedanke zu „Sommer in der Provence

  1. Salut Thomas, bei diesem Beitrag bekomme ich sofort Fernweh. Gerne werde im nächsten Jahr dieses schöne Städtchen besuchen! Ich lese deine Berichte immer mit gro8em Vergnügen. Weiter so, herzliche Grüße – Andrea

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.