Zu Land und zu Wasser

Kaffeekahn - SeglerhafenEin Freund hat mich eingeladen, er will mir sein Segelboot zeigen und wissen, ob ich noch seefest bin und Lust auf einen Törn über die Berliner Seen habe. Er erwartet mich im Südwesten von Berlin, in Schmöckwitz gleich hinter der Brücke auf einem alten Kahn, der zu einem Restaurant umgebaut wurde. Da sage ich nicht nein, denn an die vielen schönen Erlebnisse auf den Seen dort erinnere ich mich gerne, besonders an den Krossinsee, den Zeuthener See und den Seddinsee. Dorthin fuhr ich oft zum Baden.

Schmoeckwitz - SeddinseeVon der City bin ich mit Rad und S-Bahn schnell in Grünau, von dort sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Schmöckwitz, immer am Wasser entlang. Schon nehme ich die Brücke, die über die „Dahme“ führt. Ich halte kurz an und genieße den Blick nach allen Seiten. Über mir vergnügen sich die Möwen, unter mir wird gesegelt, schippern Motorboote, rudern Sportler, paddeln Liebespaare; auf der Badewiese wird gesonnt und die Kinder toben im Wasser – wie früher. Natur und Leben pur! Kein Wunder, dass die Berliner ihre grüne und seenreiche Umgebung so lieben!

Schmoeckwitz - EingangIch erreiche den verabredeten Treffpunkt, ein Restaurant, das sich „Strandlust“ nennt. Auf der Terrasse wundere ich mich, denn ich sehe keinen Sand, wohin ich auch blicke. Die Lust ist da, doch wo ist der Strand? Dafür sehe ich Stege an denen Boote angelegt haben, mit und ohne Motor, klein und groß.

Mein Freund, der Seemann, hat bereits ein Radeberger Pils fest im Griff. Vom Tresen prostet er mir ein Ahoi entgegen. Herzlich begrüßen wir uns, Ich frage ihn, wo ich hier bin, an Land oder auf dem Wasser. Und schon erklärt er mir die Besonderheit dieses Ortes.

Ich befinde mich auf dem ältesten  Restaurantschiff Berlins, einem alten Schleppkahn, den die Berliner „Kaffeekahn“ nennen. Er wurde Schmoeckwitz - Kaffeekahn, aussenals Schleppdampfer 1827 in den Niederlanden gebaut und fand 1927 über Hamburg und Berlin den Weg zum Seddinsee, wo er heute noch am Ufer liegt. In den 30er Jahren eröffnete ein hölländischer Kapitän auf dem Kahn eine Kaffeeküche mit einem Ausschank für alkoholfreie Getränke. Der Anfang eines kleinen Gaststättenbetriebes war Strandlust - Bilderparradegemacht. In den Folgejahren wurde systematisch eine gut gehende Gaststätte mit Bootsliegeplätzen daraus. Spätere Eigentümer gaben dem Kahn den Namen „Strandlust“ und seitdem ist er für die Berliner ein beliebtes Ausflugsziel. In den 90er Jahren wurde ein weiteres Schiff Strandlust - Bullaugen, Perspektiveangedockt und zur Terrasse ausgebaut. An diese alten Zeiten erinnern im rustikal gestalteten Innenraum eine Reihe von historischen Fotos, ein Blickfang für alle Interessenten. Seit heute zähle ich mich dazu, bewundere die blank geputzten Bullaugen und die Tafel mit der Darstellung verschiedener Seemannsknoten. Als  „Kaffeekahn“ war er eine Legende. Heute ist ein festes Restaurant daraus geworden, das Bohnenkaffee immer noch im Programm hat. Dazu schmeckt die Buttercreme-Torte genauso gut.

Es wird Zeit ans Essen zu denken. Den vielen anderen Gästen auf der Terrasse scheint es ähnlich zu gehen. Hier trifft man sich nicht nur zum Kaffee auf dem Kahn, sondern und vor allem zur Entspannung mit Blick auf die wunderbare Seenlandschaft.  Bunt geht es zu am Sonntag – kein Handy bimmelt. Ob von See gekommen oder von Land, mit Kind und Kegel oder allein, die Besucher wissen den Ort zu schätzen. .
Schmoeckwitz - Gaeste 1Schmoeckwitz - WillkommenDie Speisekarte verrät, dass die Wasserfreunde auf Fisch nicht verzichten brauchen: Seelachsfilet gedünstet mit Kräutersauce und Kartoffeln, Rotbarschfilet mehliert und gebraten, Heilbutt- und Welsfilet. Aber auch Königsberger Klopse, Schnitzel mit Champignons und Kalbsbraten bietet der Smutje an. Ich entscheide mich für den gebratenen Zander.

Es ist Zeit für mich, ich verabschiede mich von meinem Freund und wünsche ihm „Allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel“, radle los, denn auf dem Rückweg will ich noch bis Gosen und von dort rund um den Müggelsee. Auf der Brücke Schmoeckwitz - Achter 2 - neuüber dem Oder-Spree-Kanal halte ich an und sehe, wie sich acht Senioren quälend in die Riemen legen. Nr. 4 scheint den Kommandos des Steuermanns nicht folgen zu wollen. Er legt eine Pause ein. Jawohl – alles zu seiner Zeit, denn heute ist Sonntag, da wird nicht gearbeitet.

Restaurant Strandlust
Seddinpromenade 3A
12527 Berlin
Tel.: 030 – 67 586 26
Geöffnet:
Dienstag – Sonntag: 11:30 Uhr bis 21:30 Uhr
Montag: geschlossen.

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