Fürst-Pückler-Eis

Pueckler - Ausstellungs-PlakatHermann Fürst Pückler-Muskau war eine Lichtgestalt seiner Zeit, ein Freigeist des 19. Jahrhunderts. Sein Leben lang liebte er es, zu provozieren und sich in Szene zu setzen. In immer neuen Rollen betrat er die Bühne seines Lebens. Er präsentierte sich als kenntnisreicher Gartenkünstler, luxusverwöhnter Dandy und als galanter Salonlöwe mit Vorliebe für gutes Essen. Er war ein charmanter Herzensbrecher, der die Frauen zu betören wusste und ein Abenteurer, rastlos und weit gereist. Einer, der die halbe Welt gesehen hatte und als talentierter Schreiber von seinen Erlebnissen wunderbar erzählen konnte. Das imponiert, ich möchte noch mehr über ihn erfahren, mache mich auf den Weg in die Oberlausitz.

Pueckler - SchlossPückler war ein leidenschaftlicher Gartenkünstler. Seinen Gestaltungsdrang beschrieb der „grüne Fürst“ einmal mit dem Wort „Parkomanie“. Er hatte einen Blick für außergewöhnliche Naturerlebnisse und schuf in Bad Muskau einen herrlichen Naturpark.

Pueckler-Park-Spaziergang1Pueckler - blaue BrueckeAuf über 830 Hektar erstreckt sich der Park beiderseits der Neiße, wobei ein Drittel auf deutscher Seite liegt. Um das Schloss herum laden weitläufige Wiesen, dichte Wälder, geschwungene Wege, sanfte Hügel, viele Seen, schöne Brücken und Bauten die Besucher zu einem malerischen Spaziergang ein. Mit der Gestaltung dieses Parks im englischen Stil hat sich der Fürst ein Denkmal gesetzt: Die deutsch-polnische Parkanlage trägt seit 2004 den Titel eines UNESCO-Weltkulturerbes.

Das dreifarbige Pückler-Eis kennt fast jeder. Doch worin besteht das Geheimnis der Rezeptur und: war der tolle Pückler auch ein genialer Eiskonditor? Die Palette des Pückler-Eises, vornehm Demi-glace à la Pückler oder auch „Halbgefrorenes“ genannt, ist bunt. Es soll von unten, vom Pueckler - Eis-PlakatTeller aus gesehen, braun-weiß-rot sein, also Schokoladen-, Erdbeer- oder Himmbeereis sowie Vanilleeis. Über die Zutaten wird heute noch gestritten. Die Literatur gibt folgende Zubereitungs-Tipps: Man nehme Eier, Zucker, Geschmacksstoffe und Speiseeisbindemittel, schlage diese Masse heiß auf, kühle sie ab und vermenge sie mit frisch geschlagener Sahne. Dann wird die Masse schichtweise in Formen gefüllt und Pueckler - Eisbei Minus 18°C gefroren. Aber was wäre das bunte Eis ohne die krönende Dekoration? Mit Vorliebe wird mit Erdbeeren, Schlagsahne, geriebenen Mandelmakronen und Kuvertüren garniert. Doch war Pückler wirklich der Erfinder? Nein, der Legende nach hat das Eis der Berliner Hofconditor „Alfred Kranzler“ 1863 in seinem Café „Unter den Linden“ erfunden. Dieser erlaubte dem Fürsten, das Eis unter seinem Namen an die Parkbesucher in Bad Muskau zu verkaufen. Das so erworbene Taschengeld steckte Pückler dann in seinen Park, um ihn noch schöner zu gestalten.

Pueckler - Cafe KoenigLange habe ich das Eis nicht gegessen. Es ist aus der Mode gekommen, aber in den klassischen Cafés hat es auf der Eis-Karte noch immer seinen festen Platz. Im Café König am Muskauer Markt ist das Pückler-Eis der Renner, hausgemacht natürlich!

Pückler war zu seiner Zeit ein Casanova. Das Wort Treue war ihm fremd. Er genoss exzentrische Auftritte: In London zum Beispiel ließ er eine Kutsche mit Aras füllen und vor das Haus seiner Angebeteten fahren. Pueckler - FrauenheldDie Dame hatte erwähnt, dass sie Papageien möge. Zu seinen Liebschaften zählten u.a. Bettina von Arnim, die Schriftstellerin Sophie Gay, die Opernsängerin Henriette Sontag, die Übersetzerin Sarah Austin und die abessinische Sklavin Machuba. Er liebe sie alle und alle liebten ihn! Doch nicht genug, acht Mal soll der Fürst sich duelliert haben. Zudem entdeckte Pückler an sich eine weitere Leidenschaft, das Schreiben von Liebesbriefen. Es sind poetische Briefe, die den Damen schmeichelten und ihre Wirkung selten verfehlten. Da er mit Vorlagen vielen Frauen gleichzeitig schreiben musste, legte er sich eine Sammlung an und notierte darauf: „Gelegentlich wieder zu benutzen“.

Pueckler - PyramideHeute wäre Fürst Pückler ein schillernder Promi. Zu damaliger Zeit erfreute er sich daran, aus der Reihe zu tanzen und aufzufallen. So machte er einst eine Kutschfahrt durch Berlin – gezogen von weißen Hirschen. Selbst seine Beisetzung inszenierte der Adlige perfekt. Er ließ sich in einem See im Park Branitz (seinem späteren Alterssitz) eine Pyramide bauen – wünschte sich, die Ewigkeit wie ein Pharao zu verbringen. Am 30. Oktober gedenkt man seines 225. Geburtstages. Hoch soll er leben! Eine extra große Portion seines Lieblings-Desserts wird dann seinen Fans serviert. Mit Sahne. Versteht sich.

Fürst-Pückler-Park
02953 Bad Muskau
Tel.: 035771 – 630
Geöffnet:
täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr

Ein Gedanke zu „Fürst-Pückler-Eis

  1. Diesen Fürsten hätte ich auch
    gern mal kennengelernt. Schöne Geschichte.
    Das Eis liebe ich auch sehr. Früher, ja früher…..
    hat auch Langnese diese Fürst-Pückler-Schnitte zwischen
    2 Waffeln im Programm. Ein Nostalgie-Eis!
    Viele Grüße aus dem Wilden Westen.
    Stardust

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