WG der Zukunft

Farm - Glashaus, vorneDie Fisch-Familie „Buntbarsche“ wohnt seit März dieses Jahres mit der Gemüse-Familie „Gurken, Tomaten & Co.“ zusammen.  Während das Gemüse sich im Glashaus sonnt, tummeln sich nebenan Schwärme von Buntbarschen in riesigen Wasserbecken. Diese WG-Familien verstehen sich gut, denn sie profitieren voneinander, das bestätigen die Vermieter, die Gründer der „ECF-Farmsystems GmbH““ Nicolas Leschke und Christian Echternacht. Worin liegt das Geheimnis dieser idealen Verbindung? Wie funktioniert das?

Farm - BrauereiAuf den ersten Blick scheint die Gegend dicht an der Grenze zu Tempelhof kein Szeneviertel zu sein. Doch der Eindruck trügt. Visionäre und Kreative haben bereits mit der Umgestaltung des Areals begonnen. Gut versteckt zwischen den Backsteingebäuden der ehemaligen Malzfabrik ist Berlin um eine Attraktion reicher geworden. Hier befindet sich Europas größte städtische Aquaponik-Farm, die Fische, Gemüse und Kräuter umweltfreundlich produziert.

Ich stehe mit anderen Interessierten vor dem gigantischen Glas-Gewächshaus und lasse mir von Nicolas Leschke erklären, was Aquaponik ist: Der Farm - Glashaus, seitlichBegriff setzt sich zusammen aus den Wörtern Aquakultur, der Fischaufzucht und Hydroponik, dem Anbau von Pflanzen. Das bedeutet, dass Speisefische in der Aquakultur aufwachsen, das Wasser mit ihren Ausscheidungen anreichern, welches anschließend als Dünger für die Zucht von Gemüse und Kräutern verwendet Farm - Gemuesewird. Das alles findet in einem Nährstoff-Kreislauf statt, denn das Wasser fließt von den Pflanzen bio-gefiltert zu den Fischen zurück. Es kann also doppelt genutzt werden. Ein genialer Kreislauf – vorausgesetzt, die dafür zugeschnittene Technik reguliert das System. Es gibt Reaktoren, Trommelsiebfilter, Ebbe-Flut-Systeme, Energieschirme, zentrale Computer-Technik und mehr.

„Wie hoch sind die Erträge? Wer kauft? Welche Vermarktungs-Strategien bieten sich an? Gibt es Visionen?“, fragt ein Besucher.

In der Farm können bis zu 400 verschiedene Sorten Gemüse und Kräuter angebaut werden. Gegenwärtig sind es überwiegend Tomaten, Gurken, Auberginen, Paprika, Salat, Spinat, Basilikum, Minze, Zitronengras und Mangold. Im Winter werden die Farm - HausparradeTomaten und Gurken durch Spinat, Chicorée und Feldsalat ersetzt. Im Gewächshaus brummt es, Schwärme von Hummeln sorgen für eine gute Bestäubung. Bis zu 30 Tonnen Gemüse ohne Gentechnik, ohne Pestizide und 33 Tonnen Buntbarsche  ohne Antibiotika (auch Rosé Barsch genannt) wollen die Farmerboys jährlich produzieren, das entspricht etwa 40.000 Fischen à 750 Gramm. Der Verkauf findet im Farmer’s Market statt, gleich neben dem Gewächshaus. Die frische Ware wird direkt an Hotels, Restaurants, den Großhandel und private Haushalte geliefert. Farm - LadenAuch wenn mit der lokalen Produktion (keine Zwischenhändler, Transportwege entfallen) viel Geld gespart wird, sind die Preise noch saftig. Doch man will sich an den Durchschnitts-Preisen der BIO-Märkte orientieren. Neben vielen anderen Berliner Hotels und Restaurants zählt neuerdings auch das „Kir Farm - Farmbox - kleinRoyal“ zur Kundschaft und mit der BIO-Company ist man im Gespräch. Auch haben bereits 3 Supermarktketten Interesse angemeldet. Nicolas Leschke und sein Team haben viel zu tun! Ab sofort kann für 15,- €  auch eine Farmbox abonniert werden. Bunt-gemixte, frisch geerntetes Saison-Gemüse und Kräutern stehen im Hofladen zur Abholung bereit. Bald wird ein Lieferservice zur Verfügung stehen. Auch der Berliner Rosé Barsch ist wegen seines weißen Fleisches und der wenigen Gräten sehr begehrt. Er kommt tagesfrisch auf den Tisch, auf Wunsch auch ausgenommen und geschuppt.

Das alles ist in Berlin möglich! Doch nicht nur, das Projekt des ECF-Farmsystem stößt auch in den Niederlanden, der Schweiz, Australien, Südkorea und im arabischen Raum auf großes Interesse. Kürzlich meldete sich sogar Tokio. Kein Wunder, will man meinen, denn die Berliner Stadtfarmer Farm - Rundgangerhielten für ihre Erfindung im amerikanischen Silicon Valley den Innovations-Oscar, den „Cleantech Open“!

Ökologischer Lebensmittel-Anbau in der Stadt, eine Idee für die Zukunft? Berliner Stadtplaner diskutieren bereits darüber, solche Anlagen auf Dächern zu errichten. Nur muss es sich wirtschaftlich rechnen, dafür wäre eine Dachfläche von min. 1.800 qm nötig. „Wo haben wir die in Berlin?, fragt ein Besucher am Tag der offenen Tür.  „Na, z.B. ganz nah am Kunden, auf den Dächern von Supermärken“, meint Nicolas Leschke und schwärmt weiter, „oder auf dem Dach des alten Flughafen auf dem Tempelhofer Feld“.  „Oder in 20 Jahren auf dem in Schönefeld“, ergänzt ein Besucher. Was für abgefahrene Ideen … die Zuhörer sind begeistert. Ich bin es auch.

ECF-Farmsystems GmbH
Bessemerstraße 16
12103 Berlin
Tel.: 030 – 75514840
Tag der offenen Tür:
an jedem 1. Freitag des Monats um 16 Uhr
(Anmeldung erforderlich)
ECF-Farmer’s Market
Bessemerstraße 20
12103 Berlin
Geöffnet:
Dienstag: 9:00 Uhr bis 19:00 Uhr
Donnerstag: 9:00 Uhr bis 19:00 Uhr
Samstag: 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr

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