Neapel in Neukölln

LAVA - NeukoellnWer das kulinarische Berlin erleben will, muss unterwegs sein, um nichts zu verpassen. Fast jeden zweiten Tag eröffnet hier ein neues Restaurant, eine angesagte Bar, ein geheimer Club. Ständig werden neue Rollläden hochgezogen. Dieser Wandel zieht sich durch alle Bezirke der Stadt. Die „Kulinarischen Stadtführer“ müssten jährlich neu geschrieben werden. Auch die Reiseleiter müssten für ihre Schlemmer-Touren mit den Touris auf dem neuesten Stand sein. Dem schnellen Wandel folge ich heute und entdecke den Bezirk Neukölln kulinarisch neu.

Ich biege in die Flughafenstraße ein, gehe am Späti vorbei, dem türkische Friseur, dem „Beißbeeren-Imbiss“. Chili heute – nein danke! Ein paar Schritte weiter entdecke ich die Einfahrt zu einem Hinterhof, der mich neugierig macht.

LAVA - Hinterhof-TuecherMeine Vorliebe für südliches Flair wird belohnt. Auf einer Leine trocknen Geschirr-Tücher wie bei „O sole mio Mama“ in Neapel. Sie gehören dem Restaurant „Lavenderia Veccia“ (Alte Waschküche), das erst in zwei Stunden öffnet. Dem Personal muss meine Neugier aufgefallen sein, denn ich darf eintreten. Der ganze Saal strahlt in Weiß mit Blau. Die Tische sind eingedeckt, darüber hängen aufgereiht bestickte Tücher aus Omas Wäscheschrank. Wie hier, nur eine Nummer kleiner, LAVA - Speisesaal1 Tisch / 4 Stühle, sah es damals in den Küchen aus. Dort traf sich die ganze Familie und besprach bis tief in die Nacht die wichtigen Dinge des Lebens. Kein Mittelpunkt konnte gemütlicher sein!

Ich bin zu früh. Kein Problem für meinen Hunger, denn im Vorderhaus hat das LAVA bereits geöffnet, die kleine Schwester dieses originellen Restaurants mit italienischem Charme.

LAVA - LadenraumAuch hier ist es gemütlich, nicht überstylt. Von hohen Stühlen aus hat man einen freien Blick auf das pulsierende Leben der Straße. An der Feinkost-Theke werden erstklassige Schinken und eine Auswahl schmackhafter Wurst- und Käsesorten angeboten, über deren Herkunft sich der LAVA - BrotGast an Aushängen informieren kann. Vorne unter Glas sind die Köstlichkeiten zu haben: der Jamón Ibérico, der San-Daniele-Schinken. Vom Jambon de Bayonne probiere ich. Vorzüglich! Weiter locken Manchego-Käse, Fenchel-Salami, feiner Finocchina und das LAVA - Wursthausgemachte Sauerteigbrot. Alles liegt hier auch zum Mitnehmen bereit.

Die Speisekarte bietet für heute am Freitag klassische Fisch-Gerichte an: Thunfisch in Sesamkruste mit Zwiebelcreme, Rosinen und Guacamole; Dorsch auf mariniertem Kürbis und Spinat-Pesto; Oktopus-Carpaccio auf Kartoffeln mit Zitrone sind verlockende Angebote.

Im hinteren Raum wird nicht Schach gespielt, erfahre ich vom Service. Es ist das Feier-Zimmer, hier können sich Reisegruppen, Hochzeits-Gesellschaften oder Kegel-Clubs kulinarisch von uns LAVA - Schachzimmerverwöhnen lassen, z.B. bei einem Hirschkalb-Braten mit Pimentspätzle, Presselbeeren und Kaffeejus. „Seien Sie sicher, unsere LAVA-Köche legen sich für die Gäste ins Zeug“, wird mir versprochen.

Im Durchgangs-Zimmer war ein Künstler am Werk, denn die Einrichtung ist sehr ausgefallen und äußerst dekorativ. Mit viel Fantasie darf hier gebadet werden. Gestickte Sprüche auf Tüchern aus Großmutters Wäschetruhe mahnen an den Wänden: „Fleiß bringt Segen“, „Salz und Brot gebe Gott“, „Meine Küche – mein Stolz“. Daneben steht LAVA_gesamt2ein knallroter Badeofen, der wohl den Vesuv darstellen soll. Aus ihm fließt durch einen Licht-Schlauch die Lava. Kernseife und Handtuch liegen bereit. AHA: Der Gast darf jetzt erwartet, dass „una Donna“ ihm den Rücken schruppt.

Fast hätte ich meinen Hunger vergessen. Heute also Fisch! Ich habe mich für das Garnelen-Carpaccio mit Blaubeeren entschieden und denke schon über den LAVA - Eingang 2 (2)Nachtisch nach. Der Blätterteig mit Chantillisauce und gerösteten Mandeln ist mein Favorit. Die hübsche Signorina vom Service gratuliert mir zu der guten Entscheidung und ist schon unterwegs.

Ich wünschte, Großmutter säße jetzt neben mir. Sie wäre auch begeistert und hätte bereits nach dem ersten Vino Blanco garantiert mit den Köchen geflirtet, um das Rezept für die gefüllten Tortellinis zu erfahren.

Lavenderia Veccia
Flughafenstraße  46 (Hinterhof)
12053 Berlin
Tel.: 030 – 627 22 152
Geöffnet:
Montag: geschlossen
Dienstag – Freitag: 10:00 – 14:30 Uhr / 19:30 – 23:00 Uhr
Samstag: 19:00 – 23:00 Uhr
Sonntag: geschlossen

LAVA
Flughafenstraße 46
12053 Berlin
Tel.: 030 – 223 46 908
Geöffnet:
täglich von 13:00 – 23:00 Uhr

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.