Mit oder ohne (Darm)?

Curry - SteakDas ist in Berlin die wichtigste Frage des Wurstverkäufers an den Kunden. Endlich bin ich an der Reihe und auch mir wird, wie jedes Mal, diese Glaubensfrage gestellt. Und wehe, ich antworte nicht sofort. Dabei will der Verkäufer einfach nur wissen, ob ich meine Currywurst mit Schrippe oder Pommes, geschnitten oder im Ganzen, gebraten oder frittiert, aber vor allem, ob „mit oder ohne Darm“ haben möchte! Ich antworte wie auf Befehl: „Mit Darm, geschnitten, scharf, heiß, mit Schrippe“. Schnell wird mir eine von 70 Millionen Curry-Würsten, die jährlich in Berlin verdrückt werden, wortlos gereicht. Es braucht keine Worte, denn sie schmeckt wie immer: großartig! Aber das ist kein Wunder, „Das Steak des kleinen Mannes“ genießt auch bei mir Kultstatus.

Curry - MuseumZur kultigen Verehrung gehört natürlich ein Denkmal. Das haben sich die Berliner mit ihrem „Deutschen Currywurst Museum“ 2009 geschaffen. Ganz speziell mit Freunden, denen unsere Kult-Curry fremd ist, wird ein Spaziergang durch das ABC der Geschichte des beliebtesten Imbisses aller Deutschen ein Spaß sein.

Curry - FlaschenDer Spaß beginnt gleich nach dem Eintritt. Ketchupflaschen dienen als Telefon. Aus einer der Flaschen ertönt der Grönemeyer-Song: “Gehste inne Stadt, wat mach dir da satt: ne Currywurst …“; Helge Schneider singt aus einer anderen Flasche ein Wurstlied über Zweierreihen an der Pommesbude. Folgt man der roten Soßenspur auf dem Boden, geht es zum Stadtplan in 3D, der zeigt, wie die Imbiss-Kultur in Berlin verbreitet ist. Zu viele Imbiss-Fähnchen stecken – man kann sie nicht zählen! Anschließend führt der Weg in die Gewürzkammer, wo man dem Geheimnis des Currypulvers auf die Spur kommt. Aus einer Riechstation steigen exotische Düfte in die Nase. Der Geruchssinn ist gefragt, um das jeweilige Gewürz zu erraten. Schubladen zeigen Herkunft und Verarbeitung der Bestandteile von Currymischungen. Man erfährt, dass es das Curry - GewuerzeCurry als Gewürzmischung eigentlich gar nicht gibt, wie es in Europa fälschlicherweise verbreitet worden ist. Im ursprünglichen Sinne handelt es sich bei Curry um Speisen mit einer sämigen Soße ohne festgelegte Zutaten, in denen verschiedene Gewürzen nach Belieben kombiniert werden können. Die Berliner Currywurst-Soße enthält z.B. Tomatenmark, Currypulver, Paprika rosenscharf, Worcestershire Soße, Chilipulver und Fruchtzusätze. Besonders kultige Imbisse mischen ihre eigene Soße oder verfeinern sie mit weiteren Zutaten, z.B. mit Apfelmus, Mangomus, Vanille, Zimt, Ingwer, Honig, Basilikum …..

Curry - Herta, neuWer hat die Currywurst erfunden? Darauf gibt ein ganzer Raum die Antwort. Er ist der Berliner Imbiss-Verkäuferin Herta Heuwer gewidmet. Der Legende nach, stand sie sich an einem verregneten Abend im September 1949 in ihrer Imbiss-Bude in Charlottenburg die Beine in den Bauch. Da Senf Mangelware war, fing sie aus Not und Langeweile an, Gewürze und Tomatenmark zusammen zu rühren. Heraus kam die „Chillup-Soße“, eine Currysoße, die sie den US-Soldaten mit Brühwürsten servierte. Die erste Curry-Wurst der Welt war geboren!

Curry - WurstsofaCurry - Raum 1Curry - Pommes, kleinerMitten im großen Ausstellungsraum darf der Besucher auf einer Couch in Wurstform oder auf einer lackierten Treppen-Pfütze ausgelaufener „Ketchup-Sauce eine Pause einlegen. Tropfen drohen zu fallen. Sie sollen zum schnellen Weiterschauen animieren oder den Appetit anregen, genauso wie die Riesen-Pommes aus Stoff an der Info-Wand.

Natürlich geht das Museum auch auf den „Currywurst-Krieg“ zwischen Berlin und Hamburg ein. Historisch sei dabei urheberrechtlich belegt, dass die Erfindung der Currywurst nach Berlin gehört.

Ein Monitor bringt neuen Spaß. Hier darf der Besucher virtuell Chefkoch spielen und mit Schnelligkeit und viel Fingerspitzengefühl drei Curry-Wurstbestellungen zubereiten. Dafür hat er 60 Sekunden Zeit.

Curry - AlzheimerAm museumseigenen Imbiss-Stand endet der Besuch. Für den Heimweg darf der Besucher nun ganz ohne Theorie zur bezahlbaren Currywurst greifen, ob Currywurst in „se up“ im Becher, klassisch mit Schrippe, Curry3erMenü mit Mineralwasser oder das Curry4Kids-Menü. An der Litfaßsäule im Imbissraum kleben Zeitungsartikel, die darauf hinweisen, dass die Currywurst  nicht nur glücklich macht, sie hält auch das Erinnerungsvermögen wach.

Curry - KonnopkeAuch nach dem vergnüglichen Museumsbesuch steht für mich fest: Ob bei Konnopke im Prenzlauer Berg oder bei Curry 36 in Kreuzberg, meine Wurst wird weiter die mit Darm sein. Schrippe und feurig-scharfe Sauce gehören natürlich dazu und für mich auch ein Berliner Pils!

Deutsches
Currywurst-Museum

Schützenstraße 70
10117 Berlin
Tel.: 030 – 88 718 647
Geöffnet:
täglich 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
(Eintritt 11 Euro)

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