VOLL WERT KOST

Freysinn - Eingang 1Mal nicht die vegane, vegetarische, lacto-intolerante oder glutenfreie Variante des Mittagessens, sondern richtig eintauchen in schmackhafte, wertvolle Kost mit allem Drum und Dran. Diese Erfahrung konnte ich bei einem Spaziergang durchs „Brunnenviertel“ im südlichen Wedding machen. Der Berliner Bezirk hat sein negatives Image noch nicht so ganz ablegen können. Darum ist es geradezu eine Erfrischung, dass es hier an einer windigen Ecke das Café Bistro FREYSINN gibt.

Heute gebe ich mir wirklich Mühe, den Wedding charmant zu finden und gehe hier noch einige Straßen rauf und runter. Die berühmten grauen Mietkasernen mit drei Hinterhöfen sind hier gerade nicht zur Hand. Die großen, teilweise sehr renovierungsbedürftigen Wohnblocks aus der Kaiserzeit haben ihren Charme und sind gut zu fotografieren. Hier treffe ich aber auf saniertes Gebiet und manche Kreuzung glänzt mit stattlichen Bauten Freysinn - Wohnkreuzungder Wohnungs-Genossenschaften. Im FREYSINN wird natürlich nicht geraucht, darum fällt mein Blick in der Zigarettenpause auf dieses Ensemble gegenüber dem Restaurant.

Von der handgeschriebenen Tageskarte, die täglich wechselnde Gerichte enthält, habe ich ein Pumpernickel-Gorgonzola-Crumble mit Pastinaken und viel frischem Salat gewählt. Die Kombinationen hier fallen aus dem üblichen Rahmen und ich bin mutig genug, das bunte Angebot zu testen. Die Tagessuppe besteht heute aus Rotkohl, Fenchel und Birne. Auch interessant. Kasseler-Kotelett mit Sesam-Kräuterkruste oder Schweinefilet in Freysinn - Bedienung 3Trauben-Sahne-Sauce sind an diesem Tag das Fleisch-Angebot. Grünkernklöße oder gebackene Polenta-Schnitten sind beliebte Beilagen. Die Gäste strahlen, wenn ihr Essen serviert wird. Ein gutes Zeichen.

Nachdem die Gäste ihr Essen von der Tageskarte oder der Schiefertafel an der Wand gewählt haben, bezahlen sie es im Voraus und suchen sich einen Platz, den sie mit etwas Glück finden. Marta Susid und Kathi Mätzold, die beiden Gründerinnen versehen den Dienst am Tresen und im Service. Mit einem Lächeln Freysinn - Kuechewird auch mir die längliche Platte mit fein duftendem Essen serviert. Ein beruhigender Anblick. Ich frage (trotzdem) nach einem Bier. „Haben wir nicht“, ist die sehr bestimmt vorgetragene Antwort. „Warum nicht?“ frage ich weiter. „Das ist eben so“, lautet die Antwort, die keine weitere Frage zulässt.

Das vorzügliche Essen schmeckt tatsächlich ohne Bier, das sich problemlos durch eine gesunde Limonade ohne Zucker ersetzen lässt. Bin ich am Ende doch in einer Bio-Hölle gelandet? „Nein, auf keinen Fall“ sagt die nette Frau am Tresen, „wir kochen jeden Tag frisch mit ganz normalen, guten Lebensmitteln, keine Ideologie, nix dergleichen“.

Die Holzmöbel sehen alternativ aus und sind leider nicht sehr gemütlich. Man kann eben nicht alles haben. Die schlichten Lampen leuchten aus Gemüsekisten, Freysinn - Lampedie an der Wand hängen, eine passende Idee für dieses naturelle Ambiente.

Gutes, vollwertiges Essen muss also nicht aus grauen Nudeln, Frischkornbrei und Kamillentee bestehen. Es kann so gut schmecken und schön aussehen wie die Gerichte, die im FREYSINN vom türkischen Küchenchef, der vietnamesischen Köchin und dem deutschen Koch hergestellt werden.
An den Wochentagen bilden sich in der Mittagszeit lange Schlangen am viel zu kleinen Tresen. Die Mitarbeiter der „Deutschen Welle“, Redakteure, Grafiker, Texter und IT-Spezialisten kommen dann aus dem nahe gelegenen Gebäudekomplex, in dem früher einmal die AEG große Maschinen baute. Das kleine Bistro ist längst die Alternative zur Kantine oder einem ölhaltigen Imbiss geworden.

Freysinn - TresenDie beiden Gründerinnen sind im Niemandsland zwischen Mauerpark und Gesundbrunnen in eine große Marktlücke gestolpert, die sie mit Pfannen, Töpfen und Kuchenblechen schließen. Ihr Kaffee ist hervorragend und dazu schmeckt der täglich frische Kuchen vom Blech, der nach Rezepten von Kathis Oma oder Martas Mama gebacken wird. Das Team lässt sich auch gern für Catering-Aufträge bis zu 100 Personen buchen.

Ich schlendere zur U-Bahn-Station Voltastraße und mach ein Kreuzchen in meinen Stadtplan. Vielleicht komme ich wieder und probiere weitere spannende Gerichte
aus der kleinen Küche.

Café Bistro FREYSINN
Jasmunder Straße 6, Ecke Usedomer Straße
13355 Berlin
Telefon 030 – 68 32 87 74
Geöffnet:
Montag – Freitag 8:00 bis18:00 Uhr

2 Gedanken zu „VOLL WERT KOST

  1. Wir kommen! So eine lebensnahe Beschreibung der Köstlichkeiten lässt einen ja nicht mehr los, man bekommt Appetit!
    Ein gut gelungener Beitrag, danke dafür.

  2. das gefällt mir gut- mut zu neuen gerichten, gute Ideen, ich möchte gleich hingehen zum essen…ist nur etwas abgelegen… schöner anregender artikel! mehr davon….!!!

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