Weißes Gold

Spargel - ErntehelferEs ist wieder soweit, auf den Beelitzer Feldern wird Weißes Gold geerntet. Scheinbar endlos reihen sich wie mit dem Lineal gezogene Hügelbeete aneinander, die als Spargeldämme bezeichnet werden. Zwischen den Dämmen hat das geschäftstüchtige Treiben schon seit Sonnenaufgang begonnen und es wird gestochen, was das Zeug her gibt.

Vor mehr als 150 Jahren begann der Spargelanbau in Beelitz und Umgebung. Mit Kind und Kegel ging es auf die Felder, die Männer schufteten sich den Rücken krumm, die Frauen Spargel - Mai1 929, Collagetrugen die schweren Spargel-Körbe zum Händler an den Feldrand und die Kinder spielten zwischen den Reihen Versteck. Das ganze Dorf kam zusammen und sorgte dafür, dass das Luxus-Gemüse frisch zum Verkauf auf den Berliner Märkten landete. Den Berlinern jing et juut! Doch die Arbeit auf dem Feld war schwer und ist es heute noch.

Spargel - stechen 1Einen Tag lang überstehe ich das Praktikum auf den Feldern: Der Arbeiter zieht die Folie weg, umfasst mit drei Fingern einer Hand den Kopf des Spargels, während er mit dem Stechmesser in der anderen Hand tief ins Erdreich sticht und die Spargelstange abschneidet. Vorsichtig zieht er den Spargel heraus, wischt anschließend mit einer Kelle die Erde wieder glatt und legt die Folie drüber. Ich will von ihm wissen, wie viele Spargelstangen er heute ernten will. Er lächelt, aber versteht mich nicht. Saisonarbeiter aus Osteuropa ernten hier, die meisten kommen aus Polen und Rumänien. Bis zu 5000 Leiharbeiter helfen auf den Brandenburger Spargelfeldern. Von den Deutschen meldet sich keiner freiwillig. Dabei kommt ein guter „Stecher“ auf 9 bis 10 Euro Stundenlohn.

Am Feldrand nimmt die Betriebsamkeit zu, ein Lieferwagen nach dem anderen wird beladen und macht sich auf den Weg zum Endverbraucher.

Spargel - JakobshofIm „Josef Jacobs Spargelhof“ haben die ersten ungeduldigen Spargel-Genießer Platz genommen und erwarten ihr Menü – frisch vom Feld. Das Angebot besteht lückenlos aus Spargerichten: Spargelcremesuppe, Spargel in Zitronenvinaigrette mit Parmesan, Spargelauflauf mit Schnittlauchcreme, gefüllter Kräutercrêpe mit Spargel und Spargel mit Schnitzel oder gedünstetem Lachs. Ich nehme den Klassiker mit gekochtem Schinken, Petersiliekartoffeln, brauner Butter, dazu Semmelbrösel und bin begeistert.

Spargel - MuehleVom köstlichen Spargel gestärkt, mache ich mich weiter auf den Weg entlang der Beelitzer Spargelfelder. An der A2 in Richtung Potsdam sieht man schon von weitem das neue Wahrzeichen von Beelitz, Spargel - Hollandaisedie „Bockwindmühle“. Über 200 Jahre ist sie alt und gerade erst rekonstruiert worden. Wo eine Mühle steht, kann die „Sauce Hollandaise“ nicht weit sein. Ich entdecke sie neben den Spargelbündeln im EDEKA-Markt.

Spargel - StandKurz vor Schlunkendorf, dort wo das Spargel-Museum seine Besucher empfängt, hat am Straßenrand der Spargelhof Märkerland Quartier bezogen. Er bleibt über Nacht, um am frühen Morgen sofort mit dem Verkauf an das fahrende Volk zu beginnen. Eine willkommende Gelegenheit auch für mich, hier das Kilo Spargel für die Nachbarin zu kaufen. Alle drei Güteklassen werden angeboten. Ich darf die Stängel aneinander reiben, es quietscht. Der Spargel ist frisch!

Spargel - Stand, VerkaeuferinVom Praktikum zurück muss ich in der Schönhauser Allee an einer Käufer-Schlange vorbei, die auf ihren Spargel wartet. Die Verkäuferin hat alle Spargel - AutomatHände voll zu tun. Ein älterer Herr wünscht die weißen Stängel – aber geschält. Im Nu fliegen die Stangen durch den Automaten. Eine Dame legt Wert auf die Stangen mit den etwas bläulichen Köpfen. Den essen Spargel - geradedie Franzosen gerne, meint sie. Die Preise liegen etwas höher als im letzten Jahr, doch das ändert nichts an der großen Kauflust der Berliner. Sollte ein Stängel in seiner schlanken Form mal nicht der EU-Norm entsprechen, wird das im Kochtopf geregelt.

Noch bleibt Zeit, sich am Spargel satt zu schlemmen, denn erst am 24. Juni, dem Johannestag, haben die Spargelstecher ihre Arbeit getan. Dann ist die Saison beendet und es heißt in Brandenburg und auf den Berliner Märkten: Kirschen rot – Spargel tot. Freuen wir uns darauf!

Josef Jakobs Spargelhof
Schäpe 21
14547 Beelitz/OT Schäpe
Tel.: 033204 / 419 70
Täglich geöffnet:
März: 11:00 Uhr bis 21:00 Uhr
April – Juni: 9:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Juli – September: 11:00 bis 21:00 Uhr
Oktober – Dezember: Mi.-So.: 11:00 Uhr bis 21:00 Uhr

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