Frei nach Schauze …..

Muehlenhaupt - Titelhat der Berliner Maler-Poet Kurt Mühlenhaupt am liebsten gearbeitet. Sein Museum im Brandenburgischen Bergsdorf feierte im letzten Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Leider ist er 2006 gestorben. Er ruht unter seinem selbst gestalteten Grabstein. Der umfangreiche Nachlass wird von seiner Witwe Hannelore bewahrt, verwaltet und den Besuchern freundlich präsentiert. Wo früher die LPG „Tag der Befreiung“ Heu und Stroh lagerte, befindet sich heute ein beliebtes Ausflugsziel für Groß und Klein.

Einen „Kunsthof“ wollte das Ehepaar Mühlenhaupt nach der Wende aus dem total verfallenen Gutshof machen, der früher dem Grafen von Eulenburg gehörte. Aus Schutt und Ruinen entstand hier in jahrelanger Arbeit ein Kunst- und Kulturzentrum. Bis die erste Muehlenhaupt - GartenScheune bewohnbar war campierten die Mühlenhaupts im Zelt und leiteten von dort aus den Bau.

Wechselnde Ausstellungen, Konzerte, Erntefeste und auch der jährliche Feuerwehrball finden hier statt. An den Wochenenden ist hier Trubel, „man trifft sich“. Im Sommer gibt es unter schattigen Bäumen Kaffee, Kakao und feinen Tee, wenn es kälter wird, zieht man um in die Scheune. Uschi backt dann jede Menge köstlichen Blechkuchen mit Pflaumen, SchildAprikosen, Äpfeln, Rhabarber und dicken Streuseln. Da bleibt nichts übrig! Selbstbedienung hält die Preise fair. Und da man hier „lebt“ und nicht nur arbeitet, wurde dieses Hinweisschild am Tor angebracht.

Kurt Mühlenhaupt (1921 – 2006) sah sich als Maler der Kleinen Leute. Er wollte denen Form und Farbe geben, die nicht in der ersten Reihe standen. Portraits von Menschen aus Muehlenhaupt - Leutedem Arbeiter-Milieu waren zeitlebens sein Anliegen, aber auch seine große Freude, denn zu den meisten hatte er persönlich Beziehungen. Er war Tierzüchter, Trödler, Gastwirt und Muehlenhaupt - FrauenLeierkasten-Mann, denn erst im Alter von etwa 50 Jahren konnte er von seiner Kunst leben.

Als Kriegsversehrter mit lahmen Armen und kaputten Füßen war der gelernte Modellbauer nicht gerade die Nummer 1 auf dem Arbeitsmarkt. Er erfüllte sich die Sehnsucht der Kindheit: Malen, nur noch malen. An der Hochschule für Bildende Künste besorgte er sich das Rüstzeug und nahm bald erfolgreich an Ausstellungen der „Jungen Generation“ teil.

Muehlenhaupt - Zwerge„Kurtchen“, so nannte man ihn in Kreuzberg, war eines der letzten Originale. In seiner Kneipe „Leierkasten“ traf man tags und nachts genau so viele interessante Menschen wie in seinen Atelier am Chamissoplatz. In den 60er und frühen 70er Jahren war er einer ihrer wichtigsten Vertreter. „Der leidenschaftliche Maler brauchte am Anfang ein Jahr für ein Bild. Später wurde er schneller“, erzählt seine Witwe während einer Führung den Gästen.

Muehlenhaupt - selbst 2Aus seinem großen Nachlass sind im Museumsshop Originale und Drucke, Postkarten und Skulpturen zu erschwinglichen Preisen zu erwerben, so wollte es der fleißige Künstler. Er war ein Menschenmaler, der mit Humor und Herzenswärme die Schwächen seiner Mitmenschen schilderte. Sein Publikum kann in seinem original erhaltenen Atelier herum stöbern; Kinder sind ausdrücklich erwünscht, können im großen Garten tollen und toben, beim Füttern des Minischweins Lillifee helfen, oder Hasen und Esel streicheln. Kurtchen schaut von oben zu und freut sich über den noch immer regen Zulauf. Vielleicht denkt er an die treffende Feststellung von Karl Valentin: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

Kurt Mühlehaupt Museum
Bergsdorfer Dorfstraße 1
16792 Zehdenick Ortsteil Bergsdorf
Telefon: 033088 – 505 50
Geöffnet:
samstags, sonntags und feiertags von 13:00 bis 18:00 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung

3 Gedanken zu „Frei nach Schauze …..

  1. wieder so ein anregender Artikel, der so viel Lust macht, erneut nach Berlin aufzubrechen und Neues zu erkunden…anregend u gut geschrieben …danke

  2. Hoffentlich schaffe ich es noch in diesem Leben, all die hinreißend beschriebenen Orte aufzusuchen- bin seit einiger Zeit mit größtem Vergnügen auf diesen Schlemmerpfaden und danke für die tollen Tipps!!!!!

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