Stadt in der Stadt

Victoriastadt - FassadeVersteckt hinter einem Ring von Eisenbahnlinien kann man sie im Stadtteil Lichtenberg finden, die kleine „Stadt in der Stadt“ mit dem klassisch klingenden Namen VICTORIASTADT. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten in Berlin sind hier vollständige Straßenzüge aus der Jahrhundertwende wie eine Zeitblase erhalten geblieben. Sie geben einem das Gefühl, als bewege man sich in einer Filmkulisse. Mit seinen frisch sanierten Gründerzeit-Fassaden zählt dieser Ort heute zu den neuen Trendkiezen für junge Familien und Kreative.

Heinrich Zille, ZeichnungDie VICTORIASTADT entstand ab 1871 als reines Wohngebiet für Arbeiter, die in den nahegelegenen Fabriken für den Bau der ersten Betonwohnhäuser Deutschlands sorgten. Die Technologie dafür kam aus Heinrich ZilleEngland! Daher auch die Verehrung für die Queen Victoria. „Victoriastadt“. Der Name klingt edel, aber in den Häusern mit den schmucken Fassaden wohnten die Arbeiter in kleinen Wohnungen, zu den Toiletten ging man über Victoriastadt - Betteln und Hausierenden Hof. Betteln und Hausieren gehörte zum täglichen Leben. In diesem Arme-Leute-Kiez wohnte zeitweilig Heinrich Zille, hier fand er sein „Milljöh“.

Vieles hat sich über hundert Jahre in diesem historischen Kiez verändert. Die ursprüngliche Bausubstanz mit seinen Stuckfassaden und versteckten Remisen konnte erhalten und saniert werden. Kleine Werkstätten auf den Hinterhöfen bekamen ein neues Gesicht. Aber nicht nur die Gründerzeit-Fassaden und die Jugendstil-Ornamente in den Fluren erhielten eine Anzeige 1Verjüngungskur, auch die Bewohner werden jünger. Heute ist der Kiez für viele ein beliebter Wohnort geworden. Junge Familien mit Kindern, alternative Künstler und kreative Handwerker haben die Victoriastadt für sich entdeckt. Ehemalige Hausbesetzer sind zu Hausbesitzern geworden und haben in Eigenleistung Häuser und Höfe hergerichtet.

Auch das Wirtschaftsleben ist in Schwung gekommen. In der kleinen Kneipe „Zum guten Happen“ trifft man sich bei Bier und Schnitzel. Im „JelängerJelieber“ kommen VICTORIA 1 - Bettfeder, kl. Kneipe, Jel.....Bioladen - WurzelwerkTATORT-Fans auf ihre Kosten, dazu serviert der Wirt gerade erst  geernteten Spargel. Wer auf seiner Gastro-Tour nebenbei noch seinen Bettfedern eine Schönheitskur verpassen will, hat es auch nicht weit. In der Türrschmidtstraße kann er das tun. Was für ein historischer Ort, denn ganz in der Nähe befand sich vor 100 Jahren Berlins bekanntester Gänsemarkt. Wo junge Familien wohnen, darf ein BIO-Laden nicht fehlen. Im „Wurzelwerk“ kann nach Herzenslust auf ökologisch nachhaltige Kost zugegriffen werden. Sehr beliebt sind auch die hübsch verpackten Bio-Tee-Sorten aus Asien.

Victoriastadt - Brot und KuchenWer sich nach dem ereignisreichen Kiez-Spaziergang erholen möchte und es dabei ur-gemütlich haben will, findet im Café „Brot und Kuchen“ in der Pfarrstraße den perfekten Platz. Hier darf  der Gast sich fühlen und bedienen lassen wie zu Kaisers Zeiten. Schon die mit alter Emaille-Werbung geschmückte Fassade macht neugierig auf das Innenleben dieses kleinen Cafés, das auch mit dem Namen CANAPÉ für sich wirbt.

VICTORIA 2 - Sudenten, Pfeffermuehle, Freundinnen - neuTee-ServiceDie Freundinnen auf dem rechten Canapé scheinen ihr Milieu gefunden zu haben und amüsieren sich bei der Vorstellung, es wäre Tea-Times und sie seien bei Queen Victoria zu Besuch. Gerade wurde der Tee serviert, natürlich  auf einem silbernen Tablett mit Zuckerzange und Gebäck. Auf dem Canapé gegenüber warten die Studenten auf ihr Rührei mit Zwiebeln, Schinken und Tomaten. Sie tüfteln gerade, wo aus der kleinen Mühle der gemahlene Pfeffer kommt. In dem gemütlichen Café gibt es viele Dinge zu entdecken, die man gerne in die Hand nehmen möchte.

Die alte Kasse ist ein Prunkstück, doch schwer, deshalb thront sie wie festgenagelt auf dem Ladentisch. Es macht Freude, in diesem kleinen Café-Basar nach alten Dingen zu stöbern, die längst der Vergangenheit angehören.

Victoriastadt - Brot und Kuchen, innenVictoriastadt - KasseFrisch aus dem Ofen geliefertes Bio-Brot und  knackige Brötchen sind am frühen Morgen im Außerhaus-Verkauf schnell vergriffen. Der Mittags-Gast darf sich auf Mandelkartoffeln mit Krautsalat und Thunfisch, gegrillte Panninis mit Salami und Schafskäse freuen. Auch köstliche Bangels mit Äpfeln oder Lachs werden angeboten. Alles was dem Gaumen gefällt und der Gemütlichkeit gut tut, kann man VICTORIA 3 - Postkarte, Briefmarke - neuhier genießen.

Vielleicht finden Sie Zeit und Lust, sich einmal dem Trubel der Berliner City zu entziehen und bummeln durch die kleine „Stadt in der Stadt“. Dann vergessen Sie im CANAPÉ nicht, aus dem Regal neben dem Canapé eine Postkarte zu ziehen und sie Ihren Freunden zu schicken. Bezahlt wird aber mit Pfennigen! Für nur einen Groschen und einen Fünfer sind Sie dabei!

Café CANAPÈ
„Brot und Kuchen“
Pfarrstraße 120
10317 Berlin

Tel.: 030 – 53 163 603
Geöffnet:
Montag – Freitag: 7:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Samstag + Sonntag: 7:00 Uhr bis 13:30 Uhr

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