Pilars Paella

Valencia - Mercado, Eingang - neu 2Endlich Urlaub am Meer! Die Region im spanischen Valencia ist nicht nur für den  breiten, feinen Sandstrand berühmt, sondern auch für das Nationalgericht PAELLA.. Pilar, gebürtige Valencianerin, Köchin aus Leidenschaft, gewährt mir heute Einblick in ihre Küche und vermittelt Sprache und Rezepte aus ihrer Heimat. Ich genieße den Mix aus spanischer Gastfreundschaft und einem Schnellkurs in Lebensmittel- und Regionalkunde. Für das Familienessen, das am morgigen Sonntag stattfindet, muss Sie Besorgungen machen und lädt mich zum Einkaufsbummel ein.

Valencia - Mercado, innenDie größte Markthalle Europas, der Mercado Central, befindet sich im historischen „Carmen-Viertel“ und ist, genau wie es im Reiseführer steht, gigantisch schön. 1912 im Jugendstil erbaut, lässt diese Halle mit ihren 1.000 Marktständen den Besucher zum Theater-Zuschauer werden. Die Bühnendekoration sind bunte Berge aufgestapelter Früchte;  Paella - Mercado, Obststandan den Ständen hängen geräucherte Schinkenbeine, umgeben von Safranstauden  und großen Körben mit duftenden Broten. Ein Fest für die Kameras der Touristen.

Zuerst muss eine große Paellapfanne gekauft werden, die ich später mit nach Hause nehme, um dort die Gäste nach Pilars Rezept zu verwöhnen. Der Reis muss in dieser Pfanne 4 cm hoch stehen, das habe ich mir gemerkt. Aber welcher Reis? Er ist mit seinen Paella - Reisrunden Valencia - Pfannen-StandKörnern die wichtigste Zutat und hat einen einprägsamen Namen: arroz bomba. Diese Spezialität stammt von den nicht weit von Valencia entfernt liegenden Feldern des Naturschutzgebietes Albufera. Im Fischerdorf El Palmar soll die Paella sogar erfunden worden sein. Das schwören die Valencianer mit Stolz.

An einem Marktstand stärken wir uns mit frisch gepresstem Orangensaft, zumo de naranja, um die restlichen Zutaten einzukaufen. Dabei verzichten wir auf die Valencia 2016 - Mercado 2Meeresfrüchte, die so dekorativ auf den Fotos der Reiseführer leuchten, denn die Paella aus Valencia kommt ganz ohne Meeresbeigabe aus. Wir verwenden: Hühnchen-, Kaninchen- oder Entenfleisch. Dazu kommen Tomaten, Knoblauch, grüne Bohnen, rote Paprika-Streifen und Schnecken.

In Pilars schön gekachelter Küche (auch dafür ist die Region berühmt) schmoren wir später die Zutaten in feinem Olivenöl an und löschen mit Mineralwasser aus Valencia!  Nun hat der Spezialreis seinen Auftritt und wird in der Pfanne mit den beiden Griffen verteilt. Eine Paella wird nie gerührt, denn der mit Safran aromatisierte und gefärbte Reis soll am Boden der Pfanne anbacken und eine Kruste bilden, die so wichtig für das Aroma Paella - Sortenist!

Paella kann man theoretisch immer essen. Praktisch aber auf keinen Fall, denn in Valencia ist der heilige Sonntag der Paella-Tag, weil sich dann die gesamte Familie um die Pfanne versammeln kann und diese Zusammenkunft mittags sehr genießt. Da das Gericht schwer im Magen liegt, ist es kein Nachtessen, wie viele „Guiri“, ahnungslose Ausländer, meinen. Nach dem Pfannengericht werden  als Dessert Früchtespieße gereicht.

Im Rest Spaniens gilt  der Donnerstag als Paella-Tag, dafür gibt es verschiedene Begründungen. Eine davon ist die Lieferkette der Lebensmittel, die dafür verwendet werden. Zwar sind an der Küste die Früchte des Meeres nicht als Paella-Beigabe Paella - Gastgeschätzt, im Landesinneren dafür umso mehr. Was die Fischer früher am Montag fingen, brauchte bis Donnerstag, um ins Landesinnere zu gelangen. Darum trifft man zum Beispiel heute noch in Madrid auf diese Tradition, obwohl die modernen Kühlmöglichkeiten und schnellere Transportwege heute diese Gewohnheit ablösen könnten. Aber Traditionen gehören zum spanischen Leben wie das Königshaus.

Die große Runde am Sonntagmittag in den Familien-Wohnzimmern ist eine laute und bunte Informationsbörse, zu der von der Ur-Oma bis zum Kleinkind jeder seinen Beitrag liefert. Unterstützt von der köstlich duftenden Paella-Pfanne, aus der jeder sich portionsweise bedient, aber niemals seinen Teller überlädt,

Inzwischen bin ich ja akkreditierter Gast in Pilars Küche und darf beim Raustragen und Ordnen helfen, – dabei erfahre ich, wie schon so häufig, die interessantesten Geschichten, denn sie war Paella - Rekordbei diesem großen Wettbewerb, der 1992 stattfand, dabei. Es wurde für 100.000 Personen eine Paella zubereitet. Dafür wurden 5.000 kg Reis, 6.800 kg Hähnchen, 5.000 kg Kaninchen, 400 kg Ente, 1.000 kg Schnecken, säckeweise grüne Bohnen, 1.000 kg Tomaten, Unmengen Paprikapulver, 1.000 Liter Öl und vieles mehr verwendet. Die Pfanne hatte einen Durchmesser von 20 Metern, wog 30.000 Kilo. Das alles reichte, um ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen zu werden. Bis heute wagte es keine Kochmannschaft diesen Rekord zu brechen.

Mercado Central
Placa de la Ciutat de Bruges
46001 Valencia
Tel.: +34 963 82 91 00
Geöffnet:
Montag – Samstag: 7:30 Uhr bis 14:30 Uhr

2 Gedanken zu „Pilars Paella

  1. Als weit gereister „Freund der Kunst“ lernte ich viele Städte in Europa kennen. Das Essen dort, war immer ein Beitrag zur Alltagskultur. Wie erfreut war ich über den Beitrag von -KAFFEEKLATSCH mit Thomas- der äußerst schmackhaft über die PAELLA in Valencia berichtet. Die Fotos lassen mir schon fast die Düfte des Gerichts in die Nase steigen. Die Markthalle bietet echt alles was man braucht! Danke für den köstlichen Tipp, ich freue mich schon heute auf den nächsten Treff beim „Kaffeeklatsch“!
    Arminius

  2. Wie glücklich war ich, als ich vor einigen Jahren diese herrliche Markthalle betrat. Die Gerüche, die Farbenpracht, die ganze Atmosphäre lassen mich noch heute vor Freude lächeln. Danke Thomas, dass du diese wunderbare Erinnerung an Valencia und den Mercado Central mit diesem Artikel zurückgezaubert hast. Nun schicke ich meine Tochter nach Valencia und hoffe, sie hat genauso viel Freude und vielleicht Appetit auf eine Paella!
    Andrea

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